
Glas schlägt Krawall: Pariser Randalierer blamieren sich vor Kamera

Sie treten zu, schleudern Steine, rammen einen Einkaufswagen gegen die Scheibe und scheitern trotzdem. Ein Video von den jüngsten Unruhen in Paris zeigt vermummte Randalierer, die vergeblich ein Schaufenster einschlagen wollen. Der Clip geht um die Welt. Als heimlicher Gewinner gilt ein chinesischer Spezialglashersteller.
Spinnennetz statt Scherbenhaufen
Die Szene ist fast schon komisch. Immer wieder trifft rohe Gewalt auf eine Glasfront, die einfach nicht nachgibt. Neben Fußtritten und einem großen Stein kommen auch ein Einkaufswagen und ein Metallrohr zum Einsatz.
Das Ergebnis? Spinnennetzartige Risse, sonst nichts. Die Scheibe hält, und die Randalierer bleiben draußen. Internationale Medien wie die britische „Daily Mail“ und das indische Portal „India Today“ griffen die Aufnahmen auf. Seitdem verbreiten sie sich rasant in den sozialen Netzwerken.
Wer steckt hinter dem Wunderglas?
Berichten zufolge soll das widerstandsfähige Glas von der Firma Hengxinfeng Special-Glass Co. Ltd stammen. Das Unternehmen wurde 2011 gegründet und sitzt in der zentralchinesischen Provinz Henan. Laut der B2B-Handelsplattform made-in-china.com fertigt es explosionsgeschütztes Verbundglas sowie bruch- und kugelsichere Scheiben.
Eingesetzt werden diese Produkte demnach unter anderem im Finanzsektor, beim Militär, in diplomatischen Einrichtungen und in explosionsgefährdeten Industrieanlagen. Auch Juweliere und Museen setzen auf solches Glas, also genau dort, wo echte Werte hinter der Scheibe liegen.
Im Netz feiern Nutzer den Hersteller schon. „Großartiges Marketing! Jeder wird nun dieses Glas kaufen“, schreibt einer. Ein anderer meint: „Die Preise für dieses Glas werden steigen.“ Wieder andere fassen es knapp zusammen: „Qualität, made in China.“
Vorsicht vor vorschnellen Schlüssen
Einen Haken gibt es allerdings. Ob die Scheibe tatsächlich von Hengxinfeng stammt, ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Mehrere Medien berichten, es handle sich um das Schaufenster einer Louis-Vuitton-Boutique. Auch dafür gibt es keine offizielle Bestätigung. Faktenchecker weisen zudem darauf hin, dass im Zusammenhang mit den französischen Unruhen bereits andere Videos mit irreführenden Beschreibungen kursiert seien.
Frankreichs Händler zählen die Schäden
Hinter dem viralen Spaß steckt eine bittere Realität. Seit Wochen erschüttern Massenproteste das Land. Ausgelöst wurden sie unter anderem durch Forderungen nach einem besseren Bildungssystem. Am Rande der Demonstrationen kam es immer wieder zu schweren Ausschreitungen.
Die Bilanz der Handelskammer CCI France ist verheerend. Allein an zwei Samstagen seien landesweit mehr als 2.500 Geschäfte beschädigt worden, davon 1.161 schwer durch Plünderungen, Verwüstungen und Brandstiftungen. Am härtesten getroffen sei Marseille mit 527 betroffenen Läden. In den Protest-Innenstädten sei der Umsatz um 80 Prozent eingebrochen.
Handelskammerchef Alain Di Crescenzo forderte deshalb, Demonstrationen in den Städten bis zum Jahresende zu verbieten. Viele Händler verrammeln ihre Schaufenster inzwischen mit Holzplatten. Aus Sicht vieler Beobachter ist das eine bezeichnende Kapitulation: Wo der Staat das Eigentum nicht mehr schützt, müssen die Bürger es selbst tun.
Droht so etwas auch in Deutschland?
Diese Frage stellen sich gerade viele. Für Samstag, den 31. Oktober, sind bundesweit Proteste junger Menschen unter Mottos wie „Gen Z regelt“ angekündigt. Allein in Berlin sind Berichten zufolge 19 Demonstrationen angemeldet. Am Brandenburger Tor werden rund 10.000 Teilnehmer erwartet, und die Polizei setzt 1.500 Beamte ein.
Die Berliner Polizei rechne nicht mit Krawallen wie in Frankreich, heißt es. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) warnte dagegen vor „französischen Verhältnissen“.
Eines zeigt das Pariser Video jedenfalls: Wer seine Werte schützen will, verlässt sich besser auf solide Substanz als auf leere Versprechen. Das gilt für Schaufenster, und für Vermögen wohl erst recht.
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