
Gold auf Sieben-Wochen-Hoch: Schwache US-Arbeitsmarktdaten und Hoffnung auf Hormus-Deal treiben den Preis
Wer in den vergangenen Monaten das Nervenkostüm behalten hat, wird nun belohnt: Der Goldpreis klettert auf den höchsten Stand seit Ende Juni. Im Spot-Handel schoss das gelbe Metall bis auf 4.295 US-Dollar je Feinunze nach oben, ehe es sich bei rund 4.268 Dollar einrichtete. Die Futures notierten zuletzt bei etwa 4.329 Dollar. Es ist die vierte Gewinnsitzung in Folge – und ein deutliches Signal, dass jene Gegenwinde, die Gold seit Kriegsbeginn ausgebremst haben, langsam an Kraft verlieren.
Der Arbeitsmarkt bröckelt – und die Fed sitzt in der Falle
Auslöser der Rallye waren ausgerechnet schwache Zahlen aus der amerikanischen Privatwirtschaft. Der Lohnabrechnungsdienstleister ADP meldete für Juli eine deutlich abgekühlte Einstellungsdynamik. Der Löwenanteil des verbliebenen Stellenaufbaus stammte aus dem Gesundheitswesen – ein Muster, das man auch aus Deutschland kennt, wo Verwaltung, Pflege und staatsnahe Sektoren wachsen, während die produzierende Industrie schrumpft.
Für die Federal Reserve bedeutet das: Der Spielraum für eine Zinserhöhung im September schmilzt. Und genau das ist Wasser auf die Mühlen des zinslosen Goldes. Denn Gold zahlt keine Kupons und schüttet keine Dividenden aus – es muss auch nicht, weil es das einzige Geld ist, das keinen Emittenten und kein Ausfallrisiko kennt.
Yen-Intervention und ein schwächelnder Dollar
Hinzu kommt ein währungspolitisches Manöver, das in den Nachrichten viel zu leise besprochen wurde. Die gemeinsame Intervention der USA und Japans zur Stützung des Yen soll Tokio Berichten zufolge fast 60 Milliarden US-Dollar an Treasuries gekostet haben. Die amerikanischen Yen-Käufe seien im Gegenzug durch den Verkauf von Euro finanziert worden – man lasse sich diesen Satz auf der Zunge zergehen. Der Euro als Wechselgeld in einem Spiel, das in Washington und Tokio entschieden wird.
Der Dollar-Index steht mit rund 99,78 Punkten in der Nähe eines Sechs-Wochen-Tiefs. Während des gesamten Konflikts bewegte sich Gold invers zum Greenback und zum Ölpreis – ein Lehrstück in makroökonomischer Mechanik.
Ein Land, dessen Notenbank Anleihen verkaufen muss, um die eigene Währung zu retten, hat kein Währungsproblem. Es hat ein Vertrauensproblem.
Hormus: Öffnet sich die Nadelöhr-Ader wieder?
Der dritte Treiber liegt im Nahen Osten. Iran erklärte am Mittwoch, eine Vereinbarung mit dem Oman über die Wiederöffnung der Straße von Hormus stehe kurz vor dem Abschluss. Für Risiko-Assets ist das eine willkommene Nachricht – für die Weltwirtschaft ohnehin, denn durch dieses Nadelöhr fließt ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels. Man erinnere sich: Eine Schließung dieser Meerenge war jahrzehntelang das Schreckensszenario aller Energieplaner. Nur in Berlin glaubte man offenbar, mit Windrädern und moralischer Überlegenheit gegen Geopolitik anzukommen.
Noch über 20 Prozent unter dem Rekord
Trotz der Erholung bleibt der Blick nach oben lang: Vom Januar-Hoch bei 5.589 Dollar je Unze trennen Gold noch mehr als zwanzig Prozent. Sechs harte Monate liegen hinter dem Metall, nachdem eine fulminante Rally sich durch 2025 und darüber hinaus gezogen hatte. Doch wer Gold als Trade begreift, hat das Prinzip nicht verstanden. Gold ist keine Wette auf das nächste Quartal, sondern eine Versicherung gegen politische Dummheit – und an der herrscht in Europa bekanntlich kein Mangel.
Während Regierungen Sondervermögen in Höhe von Hunderten Milliarden Euro beschließen und die Klimaneutralität ins Grundgesetz schreiben, als ließe sich Physik per Gesetzblatt regeln, bleibt physisches Gold der stille Gegenspieler. Es lässt sich nicht drucken, nicht per Beschluss entwerten und nicht in einem Nachtragshaushalt verstecken.
Was Anleger daraus mitnehmen sollten
Die aktuelle Aufwärtsbewegung zeigt vor allem eines: Gold reagiert auf Schwäche im Fiat-System – auf wankende Arbeitsmärkte, interventionsbedürftige Währungen und geopolitische Bruchlinien. Wer sein Vermögen breit streut, kommt an physischen Edelmetallen als Fundament kaum vorbei. Papierversprechen gibt es genug. Substanz eher selten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und gegebenenfalls die Konsultation eines unabhängigen Fachberaters. Für Vermögensdispositionen und deren Ergebnisse trägt jeder Anleger selbst die Verantwortung. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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