
Gold auf Zwei-Monats-Hoch: Dann drehte der Ölpreis alles um

Der Goldpreis ist am Dienstag auf den höchsten Stand seit fast zwei Monaten geklettert – und noch am selben Vormittag wieder abgerutscht. Auslöser war die Hoffnung auf eine Öffnung der Straße von Hormus, die kurz darauf von einem anziehenden Ölpreis kassiert wurde. Anleger warten nun gebannt auf die US-Inflationszahlen am Mittwoch.
4.495 Dollar – und dann der Rückzieher
Der Dezember-Kontrakt an der Comex markierte laut Marktberichten bei 4.495,00 US-Dollar je Unze ein Plus von 1,7 Prozent und damit das höchste Niveau seit Mitte Juni. Bis zum Mittag in New York schmolz der Gewinn auf 0,5 Prozent bei 4.440 Dollar zusammen. Spot-Gold pendelte kaum verändert um 4.395 Dollar.
Bemerkenswert ist, was dahintersteckt: Gold hat den Absturz unter die Marke von 4.000 Dollar vor rund zwei Wochen vollständig aufgeholt. Geholfen haben ein überraschend schwacher US-Arbeitsmarkt und die anhaltenden Käufe der Notenbanken – jene Institutionen also, die Papiergeld selbst herstellen und trotzdem lieber Barren horten.
Silber: Der Kater nach dem Januar-Rausch
Silber lieferte das gleiche Muster, nur heftiger. Der September-Kontrakt sprang zwischenzeitlich um 2,2 Prozent auf 66,685 Dollar, den höchsten Stand seit Juni, und drehte dann ins Minus auf 65,035 Dollar. Spot-Silber verlor rund ein Prozent.
Auf Jahressicht steht das weiße Metall damit etwa neun Prozent im Minus – die Spätfolge der Futures-Verknappung im Januar und des kriegsbedingten Einbruchs danach. Dabei erwarten Analysten für 2026 weiterhin ein Angebotsdefizit. Platin trat auf der Stelle, Palladium gab 0,9 Prozent nach.
Wie Teheran über Ihre Zinsen mitentscheidet
Der Zusammenhang ist simpler, als er klingt: Bloomberg-Berichten zufolge signalisierte Pakistan eine mögliche Vereinbarung, die die Spannungen am Golf entschärfen könnte. Billigeres Öl würde den Inflationsdruck senken – und damit den Zwang der US-Notenbank, die Zinsen weiter anzuheben. Niedrigere Zinsen wiederum sind traditionell Rückenwind für Gold, das keine laufenden Erträge abwirft.
Doch die Entspannung hielt keinen halben Handelstag. US-Rohöl drehte nach oben und notierte über 83 Dollar je Barrel, Brent strebte Richtung 89 Dollar. Zusätzlich verschärfte US-Präsident Donald Trump am Montag den Ton: Teheran solle Reparationen für Todesopfer zahlen – Forderungen, die der Iran nach Einschätzung von Beobachtern kaum akzeptieren dürfte.
Die Marke, auf die jetzt alle starren
„Um seine jüngste Rally fortzusetzen, muss Gold zwischen 4.360 und 4.370 Dollar je Unze halten, wo wir im Juni einige lokale Hochs gesehen haben.“
So zitiert eine Bloomberg-Notiz Ole Hansen, Rohstoffchef der Saxo Bank. Andernfalls sei mit einer Konsolidierung zu rechnen – mit Gegenwind von Öl, Renditen und Dollar. Spot-Gold liegt derzeit nur gut 25 Dollar über dieser Zone.
Die Minen bleiben zurück
Bei den Produzenten herrschte Katerstimmung. Agnico Eagle führte mit 1,2 Prozent Plus, Newmont verlor 0,3 Prozent, Gold Fields 2,2 und Harmony Gold 2,5 Prozent. Barrick Mining gab 0,5 Prozent nach und ernannte Sebastiaan Bock zum Chef der Sparte „Rest of World“ – einen Tag nach der 1,95 Milliarden Dollar schweren Fourmile-Einigung mit Newmont, die an der Börse schlecht ankam.
Unterm Boden liegt Gold 2026 gerade einmal rund ein Prozent im Plus und damit fast ein Fünftel unter dem Vorkriegsniveau von Ende Februar. Für viele Sparer bleibt das entscheidende Argument dennoch unverändert: Wer physisch besitzt, ist von Terminmarkt-Turbulenzen und politischen Schlagzeilen weniger abhängig als jeder Papier-Anleger.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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