
Gold-Exodus nach Asien: Warum Anleger ihre Barren nach Singapur bringen

In Singapur füllen sich die Tresore so schnell wie seit Jahren nicht. Wohlhabende Anleger aus Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten bringen ihr physisches Gold Medienberichten zufolge in großem Stil in den Stadtstaat. Als Gründe nennen sie Kriege, politische Unsicherheit und Staatsschulden, die immer weiter steigen.
Die Botschaft dahinter ist unbequem. Gerade die Bürger der westlichen Industriestaaten trauen ihren eigenen Ländern offenbar immer weniger zu, ihr Vermögen sicher aufzubewahren.
800 Tonnen und kein Ende in Sicht
Ein in Singapur ansässiger Metallhändler schätzt, dass private Anleger dort inzwischen mehr als 800 Tonnen Gold lagern. Ein großer Teil des Zuwachses stamme aus Europa. Die Online-Anfragen westlicher Kunden hätten sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Die meisten kämen aus den USA, Kanada, Großbritannien und Australien.
Laut Bloomberg bauen Banken und Lagerbetreiber ihre Kapazitäten deshalb kräftig aus. Ein Beispiel ist Gregor Gregersen, Gründer des Lagerspezialisten Silver Bullion. Angefangen hat er mit Silberhandel an Bahnhöfen. Heute betreibt er „The Reserve“, einen sechsstöckigen Hochsicherheitstresor mit rund 16.700 Quadratmetern Fläche und Platz für bis zu 500 Tonnen Gold.
Seit Anfang 2020 hätten sich die Goldbestände seiner Kunden verdreifacht. Rund 90 Prozent davon seien Ausländer. Auch der Betreiber des Hochsicherheitslagers Le Freeport meldet, seine unterirdischen Räume seien fast komplett belegt.
Der Sündenfall von 2022
Warum ausgerechnet Singapur? Kunden, die Gold langfristig halten wollen, bevorzugen laut Gregersen Länder mit soliden Finanzen und einer glaubwürdigen Verteidigung. Der Stadtstaat gilt als politisch stabil und hat seinen Haushalt im Griff. Viele westliche Hauptstädte können davon nur träumen.
Lange war die Schweiz die erste Adresse für Gold. Dann froren westliche Staaten nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine sanktionierte russische Vermögenswerte ein. Seitdem schauen Anleger genauer hin. Wer gesehen hat, wie schnell Vermögen politisch blockiert werden kann, stellt sich eine einfache Frage: Wer hat im Ernstfall Zugriff auf meine Barren?
Die Debatte kennt man auch in Deutschland. Hier wird seit Jahren gestritten, ob die Bundesbank ihre in New York gelagerten Goldreserven heimholen soll.
Singapur rollt den roten Teppich aus
Die Regierung des Stadtstaats nutzt die Gelegenheit. Die Singapore Exchange (SGX) will bis Ende 2026 ein Clearingsystem für den außerbörslichen Goldhandel einführen. Daran sind große Institute beteiligt: DBS, Deutsche Bank, JPMorgan und OCBC.
Die Monetary Authority of Singapore (MAS) plant außerdem eigene Verwahrdienste für ausländische Zentralbanken und staatliche Stellen. Auch private Anbieter ziehen nach. Die internationale Vermögensverwaltung von Nomura bietet in Singapur inzwischen die Verwahrung von physischem Gold an, weil Kunden aus dem Nahen Osten danach gefragt hätten.
Lagern allein reicht nicht mehr
Die Lagerbetreiber beobachten, dass ihre Kunden heute mehr wollen als einen sicheren Tresor. Der Goldpreis schwankt stärker, deshalb wird ein schneller Verkauf wichtiger. Anleger wollen ihre Barren bei Bedarf rasch zu Geld machen können.
Die Importzahlen bestätigen den Trend. Laut dem Datenanbieter TradeData Monitor führte Singapur von Januar bis August dieses Jahres 171 Tonnen Gold ein. Im Rennen um den wichtigsten Goldplatz Asiens konkurriert der Stadtstaat mit Hongkong. Weltweit liegt London mit seinen riesigen Beständen aber weiterhin vorn.
Fazit: Vertrauen ist das neue Gold
Die Wanderung der Barren nach Asien sagt viel über den Westen. Schuldenberge, Sondervermögen und politische Eingriffe in Eigentumsrechte lassen auch hierzulande viele Bürger zweifeln. Gold bleibt dabei der ruhende Pol: Physisches Gold kann nicht gedruckt werden, hängt von keinem Versprechen einer Regierung ab und hat über Jahrtausende Krisen überdauert. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen kann es eine sinnvolle Absicherung sein. Entscheidend ist aber auch, wo und wie sicher es gelagert wird.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen selbst die Verantwortung.
- Themen:
- #Gold
- #Enteignung
- #Banken
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













