
Gold-Paradox: Preis stürzt ab, doch Anleger kaufen wie nie zuvor!

Ein Rekord mitten im Rücksetzer: Im dritten Quartal 2026 flossen nach Angaben des World Gold Council (WGC) 31 Milliarden US-Dollar in physisch hinterlegte Gold-ETFs. Das ist mehr als in jedem anderen Quartal zuvor. Allein im September kamen 10 Milliarden Dollar dazu, obwohl der Goldpreis in genau diesem Monat um 8,5 Prozent fiel.
Der schwächste Monat des Jahres – und trotzdem Kauflaune
Die Unze schloss den September bei 4.176 US-Dollar. Einen größeren Monatsverlust gab es 2026 bisher nicht. Dabei war der August noch glänzend gelaufen: Mit einem Plus von 13 Prozent auf 4.563 Dollar erzielte Gold laut WGC die drittbeste Monatsperformance seit 25 Jahren.
Auf Jahressicht lag das Edelmetall Ende September 4,4 Prozent im Minus. Das Rekordhoch von 5.405 Dollar stammt vom 29. Januar. Die ETF-Anleger störte das offenbar kaum. Ihre Bestände wuchsen im September um 67 Tonnen auf den Rekordwert von 4.256 Tonnen. Weil der Preis fiel, schrumpfte das verwaltete Vermögen trotzdem um 7 Prozent auf 574 Milliarden Dollar.
Die Spekulanten steigen aus, die Sparer bleiben
Wie passen fallende Preise und Rekordnachfrage zusammen? WGC und BMO Capital Markets kommen zum gleichen Ergebnis: Verkauft wurde am Terminmarkt, nicht bei den ETFs. An der New Yorker Comex bauten große Finanzspekulanten ihre Netto-Positionen um umgerechnet 84 Tonnen ab, das entspricht 12 Milliarden Dollar. Bei den sogenannten Spreading-Positionen kamen weitere 156 Tonnen beziehungsweise 22 Milliarden Dollar hinzu.
Dazu kam Gegenwind von der Zinsseite. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg im September um 53 Basispunkte auf 5,3 Prozent, und der Dollar-Index legte 2 Prozent zu. Die Analysten von BMO fassten die Lage in einer Notiz so zusammen:
„Golds sechswöchiger Rückgang verdeckt eine bemerkenswerte Divergenz bei Anlegerpositionierung und zugrunde liegender Nachfrage."
Kurzfristig bestimmt also das Papiergold den Preis. Das echte Metall hat dagegen weiter Käufer gefunden.
Notenbanken kaufen kräftig nach
Auch die Zentralbanken kauften weiter. Im August erwarben sie 39 Tonnen, 70 Prozent mehr als im Juli und doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. An der Spitze standen China, Polen und Usbekistan. In Indien kostete Gold laut BMO erstmals seit der Anhebung der Importzölle im Mai wieder mehr als in London. Auch die Aufschläge in China blieben stabil.
Europa überholt Amerika, Großbritannien legt besonders zu
Europäische Gold-ETFs sammelten im Quartal die Rekordsumme von 14 Milliarden Dollar ein. Damit lagen sie zum ersten Mal seit 2021 wieder vor Nordamerika, wo 12 Milliarden Dollar zuflossen. Den größten Anteil hatten britische Fonds mit 7,5 Milliarden Dollar, ihrem stärksten Quartal überhaupt. In 12 von 13 Wochen bis zum 25. September floss dort Geld zu.
In Tonnen waren es 54 Tonnen. Ein Modell des WGC hatte nur etwa 18 Tonnen erwartet, also ein Drittel davon.
Wächst die Angst vor neuen Staatsschulden?
Der WGC hat nach Gründen für diesen Überschuss gesucht. Die meisten getesteten Faktoren erklären ihn nicht. Auffällig ist nur, dass die Zuflüsse seit Juli parallel zur britischen Laufzeitprämie steigen. Diese Prämie ist der Aufschlag, den Anleger für lange Laufzeiten bei Staatsanleihen verlangen. Laut WGC könnte das auf Sorgen um Inflation und Staatsfinanzen hindeuten. Der Verband betont aber selbst, dass der Zeitraum für sichere Schlüsse noch zu kurz ist.
Bereits im Juli hatte die britische Haushaltsbehörde OBR gewarnt, dass Londons Haushaltspfad ohne deutliche Sparanstrengungen nicht tragfähig sei. Anders als in der Krise um britische Staatsanleihen im Jahr 2022 steigen die Renditen diesmal weltweit. Auch in Deutschland und Frankreich ziehen Laufzeitprämien und ETF-Zuflüsse an, wenn auch schwächer. Aus Sicht unserer Redaktion ist das kein Zufall. Berlin hat mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen die größte Schuldenaufnahme seit Langem beschlossen, obwohl Kanzler Merz vor der Wahl solide Finanzen versprochen hatte.
Die Fed-Sitzung wird zum Test
Als nächsten Prüfstein nennt der WGC die anstehende Sitzung der US-Notenbank. Die jüngsten Daten sprechen nach Einschätzung des Verbands nicht mehr für eine baldige Zinserhöhung. Bleiben die Anleiherenditen trotzdem hoch, würden Anleger offenbar eher auf die Risiken der Staatsfinanzen achten als auf die Leitzinsen.
Der September zeigt, dass ein Preisrückgang nicht mit sinkender Nachfrage gleichzusetzen ist. Wer sich gegen Inflation und steigende Staatsschulden absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen, und trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen.
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