
Gold-Prognosen im Blindflug: Wall Street rätselt über den Kurs

Ein überraschend starker US-Arbeitsmarkt hat den Goldpreis am 4. September kräftig nach unten gedrückt. Um 2,2 Prozent auf 4.376,04 Dollar je Unze rutschte das Edelmetall ab. Die großen Banken ließen ihre Kursziele trotzdem unverändert stehen – und diese Ziele liegen zum Teil fast 900 Dollar auseinander.
Jobwunder statt Flaute
Im August schufen die US-Arbeitgeber 162.000 neue Stellen. Erwartet hatten Volkswirte nur rund 55.000. Und der Juli, zunächst mit einem Minus von 23.000 Jobs gemeldet, wurde auf ein Plus von 21.000 korrigiert.
Das ist fast schon eine Pointe. Genau diese Juli-Zahl hatte am 7. August die Wetten auf eine Zinserhöhung im September von rund 58 auf 44 Prozent einbrechen lassen. Keine vier Wochen später gibt es diese Zahl so gar nicht mehr. Nach den neuen Daten liegen die Chancen auf eine Anhebung wieder über 50 Prozent. Zuvor hatte Fed-Gouverneur Christopher Waller angedeutet, er könne sich auch eine Pause vorstellen.
Die Kursziele: ein Flickenteppich
Was erwarten die Profis? Ein Blick auf die veröffentlichten Marken zeigt vor allem eines, nämlich Uneinigkeit:
- JPMorgan: 4.300 Dollar im Schnitt fürs dritte Quartal, 4.500 fürs vierte
- Bank of America: 4.360 Dollar Jahresdurchschnitt 2026 (vorher 5.093)
- Morgan Stanley: 4.450 Dollar fürs vierte Quartal
- HSBC: 4.750 Dollar zum Jahresende
- Goldman Sachs: 4.900 Dollar zum Jahresende (vorher 5.400)
- Commerzbank: 5.000 Dollar für 2026
- UBS: 5.200 Dollar auf Zwölf-Monats-Sicht
Doch hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Manche Banken nennen einen Stand zum Jahresende, andere einen Jahresdurchschnitt. Ein solcher Durchschnitt schleppt das Rekordhoch von 5.586,20 Dollar aus dem Januar ebenso mit wie die Phase unter 4.000 Dollar im Juni. Die Citi arbeitet wiederum mit rollierenden Zeitfenstern, die sich ständig verschieben.
Wer der Kurve hinterherläuft
Kritisch sehen kann man das Timing mancher Häuser. Die Citi hob ihr Drei-Monats-Ziel am 24. August von 4.500 auf 4.800 Dollar an. Da notierte Gold schon über 4.600 Dollar. Am nächsten Tag erreichte der Preis mit 4.696,18 Dollar sein Monatshoch und drehte dann ab. Das neue Ziel wurde nie erreicht.
Beim Wells Fargo Investment Institute ging es in die andere Richtung. Im Februar lag seine Spanne für 2026 noch bei 6.100 bis 6.300 Dollar. Nach der dritten Senkung in diesem Jahr stehen jetzt 4.900 bis 5.100 Dollar. In rund sechs Monaten ist der Mittelwert um 1.200 Dollar gefallen. Prognosen dieser Art sagen oft weniger über die Zukunft als über die Stimmung vom Vortag.
Eigentlich ein Streit über die Zinsen
Die großen Unterschiede kommen vor allem von der Geldpolitik. Die Bank of America rechnet in ihrem Basisszenario mit drei Zinserhöhungen der Fed im Jahr 2026. Goldman Sachs erwartet die erste Zinssenkung erst im Juni 2027. Beide Häuser sehen die Goldkäufe der Notenbanken dagegen als dauerhafte Stütze für den Preis.
Beim Blick auf 2027 sind sich die Banken erstaunlich einig. Die meisten Ziele liegen zwischen 5.000 und 5.200 Dollar. Morgan Stanley sieht Gold 2027 über 5.000 Dollar, die Commerzbank bei 5.200 und HSBC zum Jahresende 2027 bei 5.025 Dollar.
Die nächsten Wochen entscheiden
Am 11. September kommen die US-Inflationsdaten, am 16. September entscheidet die Fed über den Leitzins. Nach Aussage von Waller hängt es an den Inflationszahlen, ob er für eine Pause oder für eine Erhöhung stimmt. Am 30. September zeigt sich dann, ob JPMorgans Quartalsziel von 4.300 Dollar gehalten hat.
Für Anleger in physischem Gold zeigt das Hin und Her vor allem eines: Kurzfristige Kursziele taugen kaum als Kompass. Trotz aller Schwankungen hat Gold den August mit rund zehn Prozent Plus abgeschlossen. Wer Vermögen langfristig sichern will, kann physische Edelmetalle als festen Baustein in einem breit gestreuten Depot nutzen, statt jedem neuen Kursziel hinterherzulaufen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Die genannten Kursziele stammen von Dritten. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.

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