
Gold-Schwäche nur vorübergehend? Fonds mit 235 % Plus setzt auf Comeback

Der Goldpreis liegt deutlich unter seinem Rekordhoch, und viele Anleger werden nervös. Einer der derzeit erfolgreichsten Goldfondsmanager der Welt sieht das anders: Der Australier Raphael Lamm hält den Rückgang laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg für eine vorübergehende Delle. Die Kräfte hinter dem großen Goldboom seien nach seiner Einschätzung weiter intakt.
Vom Rekord in den Rückwärtsgang
Zur Einordnung: Im Januar 2026 kletterte das gelbe Metall Marktdaten zufolge auf ein Allzeithoch von knapp 5.600 Dollar je Feinunze. Seitdem hat Gold einiges abgegeben. Am Donnerstagabend kostete die Unze in Sydney rund 4.286 Dollar.
Belastet wird der Preis vor allem vom Krieg zwischen den USA und dem Iran, der Ende Februar ausbrach. Seitdem hat Gold rund 16 Prozent verloren. Die hohen Energiepreise treiben die Inflationssorgen an, und an den Märkten wird inzwischen auf Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed gewettet. Für ein Metall, das keine Zinsen abwirft, ist das kurzfristig schlechtes Wetter.
Der eigentliche Treiber: Schuldenberge ohne Ende
Lamm leitet gemeinsam mit Mark Landau den L1 Gold Fund. Der Fonds verwaltet rund 1,5 Milliarden Australische Dollar, umgerechnet etwa 1,1 Milliarden US-Dollar. Nach Angaben des Managers stützen vor allem zwei Faktoren den Goldpreis auf mittlere und lange Sicht. Zum einen verweist er auf die aus seiner Sicht nicht mehr tragfähige Haushaltslage wichtiger Staaten, allen voran der USA, die mit mehr als 40 Billionen Dollar verschuldet sind. Zum anderen würden die Notenbanken immer größere Anteile ihrer Reserven in Gold anlegen.
Dieses Muster kennen deutsche Sparer nur zu gut. Auch Berlin setzt mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen auf neue Schulden, obwohl im Wahlkampf noch Haushaltsdisziplin versprochen wurde. Wenn Regierungen weltweit auf Pump wirtschaften, gewinnt ein Wertspeicher an Bedeutung, den keine Zentralbank beliebig vermehren kann.
Kurzfristig würden laut Lamm allerdings der Kriegsverlauf, die Realzinsen und neue Inflationsdaten den Kurs bestimmen. Die Belastungen seit Kriegsbeginn seien aber vorübergehender Natur. Die wichtigsten Nachfragetreiber dürften sich mittelfristig sogar noch verstärken.
Die Strategie hinter der Traumrendite
Nach Angaben eines Sprechers hat der Fonds seit dem Start im Februar 2025 bis Ende August netto 235 Prozent erwirtschaftet. Zum Vergleich: Der VanEck Gold Miners ETF legte im selben Zeitraum rund 148 Prozent zu, physisches Gold etwa 55 Prozent.
Das Konzept ist komplex. Der Fonds setzt auf steigende Kurse ausgewählter Goldminenaktien. Zur Absicherung wettet er gleichzeitig über Terminkontrakte auf einen fallenden Goldpreis und auf fallende Kurse von Minenwerten, die er für überteuert oder operativ angeschlagen hält. Seit Gold unter 4.000 Dollar fiel, habe man die Long-Positionen deutlich aufgestockt, berichtet Lamm. Netto sei der Fonds derzeit zu gut 60 Prozent auf steigende Kurse ausgerichtet.
Manager setzen eigenes Geld ein
Lamm und Landau haben bei einer Kapitalerhöhung im August, die 160 Millionen Australische Dollar einbrachte, auch privat nachgelegt. Zusätzliche Gewinne erhoffen sie sich von Übernahmen in der Branche. So soll der Kauf des Explorers Ausgold durch OceanaGold dem Fonds einen kräftigen Gewinn bringen. Eingestiegen war er einem Investorenbericht zufolge bei etwa 0,50 Australischen Dollar je Aktie, der Übernahmepreis liegt bei 1,36 Australischen Dollar.
Unser Fazit: Die Grundlage bleibt das echte Metall
Die Rendite des Fonds ist beeindruckend. Wer aber mit Minenaktien, Leerverkäufen und Terminkontrakten arbeitet, geht auch Risiken ein, die mit Gold selbst wenig zu tun haben. Dazu gehören Probleme im Betrieb einzelner Minen, gescheiterte Übernahmen und schwankende Börsenkurse. Die Argumente, auf die sich Lamm stützt, gelten für physisches Gold genauso: wachsende Staatsschulden und Notenbanken, die Gold kaufen.
Für Anleger, die an diese langfristigen Trends glauben, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein. Solche Rücksetzer bieten dann womöglich Gelegenheiten zum Nachkaufen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere oder Finanzprodukte dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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