
Gold statt Schuldscheine: Bundesbank-Chef Nagel adelt das Edelmetall

Ausgerechnet der oberste Hüter der deutschen Währung schlägt Alarm und lobt das Gold. Auf der Edelmetallkonferenz des Londoner Branchenverbands LBMA im italienischen Sorrento sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel, die Notenbanken der Welt seien mit Gold längst nicht fertig. Als Gründe nannte er Krisen, Schuldenberge und die Angst vor Sanktionen.
Für Sparer ist das eine bemerkenswerte Botschaft. Hier spricht kein Goldhändler. Hier spricht ein Mann aus dem innersten Kreis der Europäischen Zentralbank.
Ein Viertel der Reserven glänzt golden
Nagel zufolge hat sich der Goldanteil an den weltweiten Währungsreserven der Notenbanken drastisch erhöht. 2023 lag er bei rund 14 Prozent, heute sind es fast 25 Prozent. Ein großer Teil davon gehe auf den rasanten Preisanstieg zurück. Gleichzeitig hätten die geopolitischen Risiken aber die Spielregeln der Reserveverwaltung grundlegend verändert.
„Die Argumente für eine weitere Diversifizierung in Gold bleiben gewichtig.“ (Joachim Nagel, übersetzt aus dem Englischen)
Seinen Kerngedanken sollte jeder Anleger kennen. Physisches Gold hängt nicht davon ab, ob ein Emittent oder eine Gegenpartei ihr Zahlungsversprechen einhält. Ausländische Wertpapiere und Guthaben lassen sich per Sanktion einfrieren. Gold im eigenen Tresor nicht. Spätestens seit dem Einfrieren russischer Devisenreserven nach dem Überfall auf die Ukraine hat jede Notenbank der Welt diese Lektion verstanden.
Die Ironie vom Main
Deutschland verfügt nach den USA über den zweitgrößten staatlichen Goldschatz der Welt. Offiziellen Angaben zufolge besitzt die Bundesbank rund 3.350 Tonnen. Nagel sieht darin ein klares Beispiel für die strategische Bedeutung des Metalls.
Ein pikantes Detail bleibt allerdings. Nach Medienberichten lagern weiterhin rund 1.236 Tonnen deutsches Gold in den Tresoren der US-Notenbank in New York. Wenn nur das Gold im eigenen Land wirklich sicher ist, wie Nagel selbst argumentiert, stellt sich eine Frage fast von allein: Warum liegt dann mehr als ein Drittel der deutschen Reserven auf der anderen Seite des Atlantiks? Gerade in der Ära Trump wird diese Debatte im Bundestag und im Umfeld der Bundesbank Berichten zufolge immer lauter geführt.
Schuldenpolitik als Brandbeschleuniger
Bemerkenswert deutlich wurde Nagel bei den Staatsfinanzen. Steigende Anleiherenditen machten Staatsanleihen zwar attraktiver. Die wachsende Verschuldung nähre aber gleichzeitig Zweifel an deren Bonität. Wenn sich Märkte über solche Schuldenstände sorgten, könne das auch den Goldpreis antreiben. Mit mehr Haushaltsdisziplin, so Nagel, wäre die Arbeit der Notenbanken in den vergangenen Jahren leichter gewesen.
Berlin dürfte diese Spitze ungern hören. Die Regierung Merz hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro auf den Weg gebracht, obwohl der Kanzler im Wahlkampf solide Finanzen versprochen hatte. Kritiker sehen genau darin den Stoff, aus dem künftige Inflationsschübe entstehen.
Inflation: Das Gespenst ist zurück
Beim Wachstum gab sich Nagel vorsichtig optimistisch. Die EZB-Experten rechnen für die Eurozone mit einem Plus von 0,9 Prozent im Jahr 2026, danach mit jeweils rund 1,5 Prozent. Für Deutschland hält Nagel in diesem Jahr etwa ein Prozent für möglich. Viel ist das nicht.
Mehr Sorgen bereitet ihm die Teuerung. Der Ölpreis ist seit dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran und den Störungen in der Straße von Hormus von rund 70 auf über 100 Dollar gestiegen. Die EZB erwartet für dieses Jahr 3,0 Prozent Inflation, wobei die Risiken laut Nagel nach oben zeigen. Als mögliche Preistreiber nannte er:
- niedrige Füllstände der europäischen Gasspeicher
- beschädigte Raffineriekapazitäten
- Dürre, Waldbrände und Düngemittelknappheit
Die EZB hat ihren Einlagensatz im Juni und im September um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent angehoben. Weitere Schritte sollen von Sitzung zu Sitzung entschieden werden.
Fazit: Was Notenbanken tun, sollten Sparer verstehen
Notenbanken setzen auf Gold, weil sie Gegenparteien, Sanktionen und Staatsschulden nicht mehr blind vertrauen. Für private Haushalte gilt im Grunde dieselbe Logik. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine sinnvolle Absicherung gegen Kaufkraftverlust und politische Unsicherheiten sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.












