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Kettner Edelmetalle
16.07.2026
03:43 Uhr

Gold trotzt allen Widrigkeiten: Zwischen Iran-Schock und sinkender Inflation kämpfen die Bullen um die 4.000-Dollar-Marke

Es sind Tage, an denen sich am Goldmarkt zeigt, wer wirklich Nerven aus Stahl besitzt. Während die Nachrichtenlage von einem geopolitischen Pulverfass im Nahen Osten geprägt ist und die Inflationsdaten in den USA ein widersprüchliches Bild zeichnen, klettert das gelbe Metall trotz allem leicht nach oben. Ein Zugewinn von 14,30 Dollar oder 0,35 Prozent brachte die Gold-Futures zuletzt auf 4.066 Dollar – ein bescheidener, aber symbolträchtiger Sieg für all jene, die den Boden knapp oberhalb der psychologisch bedeutsamen 4.000-Dollar-Schwelle verteidigen wollen.

Der Dollar schwächelt – und trotzdem drängen die Verkäufer

Auf den ersten Blick möchte man meinen, hier feiere Gold einen glanzvollen Auftritt. Doch wer unter die Oberfläche blickt, erkennt ein anderes Bild. Der US-Dollar-Index sackte an diesem Tag um 0,41 Prozent ab, nachdem er tags zuvor bereits 0,39 Prozent verloren hatte. Rechnet man diese Dollar-Schwäche heraus, überwogen unterm Strich sogar die Verkäufer. Der Greenback notiert bei 100,49 Punkten und damit weiterhin auf schwindelerregendem Niveau, nicht weit von seinem Jahreshoch bei 101,81 Punkten entfernt.

Ausgelöst wurden die Bewegungen an den Märkten durch einen schwächer als erwarteten Erzeugerpreisindex. Auf Monatssicht fielen die Produzentenpreise im Juni um 0,30 Prozent, während sie im Jahresvergleich um satte 5,50 Prozent zulegten. Die Kernrate der Erzeugerpreise stieg um 0,20 Prozent gegenüber dem Vormonat und lag 4,70 Prozent über dem Vorjahreswert.

Der erste Rückgang der Verbraucherpreise seit 2020

Bemerkenswert ist ein Detail aus dem Vortag: Der Verbraucherpreisindex verzeichnete im Juni ein Minus von 0,4 Prozent – der erste monatliche Rückgang seit dem Krisenjahr 2020. Die jährliche Inflationsrate sank damit von 4,2 Prozent im Mai auf 3,5 Prozent. Man könnte fast von Entwarnung sprechen, würde nicht ein weiterer Brandherd die gesamte Rechnung durcheinanderwirbeln.

Die Notenbank habe "keine Toleranz" für hartnäckig erhöhte Inflation, ließ der Fed-Vorsitzende bei seiner Anhörung vor dem Kongress verlauten.

Interessant ist dabei, dass die Marktteilnehmer laut dem FedWatch-Instrument der CME Group derzeit eine rund 49-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung – nicht etwa eine Senkung – bei der September-Sitzung einpreisen. Die Märkte bereiten sich also auf eine straffere Geldpolitik vor, obwohl die Preise abkühlen. Ein bemerkenswerter Widerspruch, der viel über die Nervosität der Akteure verrät.

Der Iran als Zünder für die Energiepreise

Der eigentliche Treiber hinter dieser paradoxen Gemengelage ist das Öl. Die Rohölpreise sind in nur fünf Tagen um mehr als 9 Prozent in die Höhe geschossen, nachdem die USA den vierten Tag in Folge Militärziele im Iran angriffen und eine Seeblockade gegen iranische Häfen in der Nähe der Straße von Hormus verhängten. Teheran reagierte prompt mit neuen Angriffen auf die Schifffahrt durch die Meerenge. Damit lebt eine der ältesten Ängste der Weltwirtschaft wieder auf: die Unterbrechung der globalen Energieversorgung.

Genau dieser inflationäre Angebotsschock aus der Ferne hält die Inflationserwartungen hoch – ausgerechnet in einer Woche, in der die heimischen Daten in die entgegengesetzte Richtung wiesen. Der Dollar-Rückgang wurde dadurch gebremst, und Gold konnte trotz zweier weicher Inflationswerte nicht durchstarten. Ein Lehrstück darüber, wie fragil das globale Finanzgefüge geworden ist, wenn ein einziger Konflikt am anderen Ende der Welt die Rechnungen der Notenbanker über den Haufen wirft.

Was die Charttechnik verrät

Technisch betrachtet bleibt Gold unter seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 100 Perioden nahe 4.077 Dollar gedeckelt und bewegt sich weiterhin innerhalb des breiten absteigenden Kanals, der die Korrektur seit ihrem Beginn prägt. Die entscheidenden Marken sind schnell benannt:

  • Widerstand: zunächst bei 4.077 Dollar, danach bei 4.090 Dollar
  • Aufwärtspotenzial: ein nachhaltiger Ausbruch würde den Weg zu 4.140 und 4.200 Dollar öffnen
  • Abwärtsrisiko: ein Bruch der 4.000er-Marke legt tiefere Unterstützungen bei 3.962 und 3.950 Dollar frei

Gold notiert derzeit rund 27 Prozent unter seinem Allzeithoch von 5.589,38 Dollar, das am 28. Januar erreicht wurde. Das zweite Quartal war das schwächste seit über einem Jahrzehnt – eine anfängliche Deeskalation im Iran-Konflikt und ein festerer Dollar hatten dem Metall zugesetzt.

Die Notenbanken der Welt kaufen weiter – aus gutem Grund

Doch der Blick auf den langfristigen Horizont bleibt bemerkenswert konstruktiv. Namhafte institutionelle Prognostiker sehen Gold weiterhin im Aufwind. Eine große US-Investmentbank ruft ein Kursziel von 6.000 Dollar je Unze zum Jahresende aus – gestützt auf die rekordverdächtigen Käufe der Zentralbanken, allen voran China, Indien, die Türkei und Polen. Silber notierte unterdessen bei rund 58 Dollar je Unze, ein Minus von etwa 0,7 Prozent auf Tagessicht.

Hier zeigt sich, was kluge Köpfe längst begriffen haben: Während Papierwährungen von der Inflation zernagt werden und Aktienmärkte im geopolitischen Sturm schlingern, häufen die mächtigsten Notenbanken der Welt physisches Gold an. Sie tun genau das, wovon Politiker den Bürgern gerne abraten. Man frage sich, warum. Physische Edelmetalle bleiben in einem gesunden, breit gestreuten Vermögensportfolio ein bewährter Anker zur Absicherung gegen genau jene Turbulenzen, die uns dieser Tage täglich vor Augen geführt werden.

Für den Augenblick bleibt der Markt eingeklemmt zwischen disinflationären Daten im Inneren und einem inflationären Angebotsschock von außen. Die 4.000-Dollar-Linie ist die Grenze, auf die beide Seiten am aufmerksamsten starren.

Haftungsausschluss

Die in diesem Beitrag dargestellten Informationen und Einschätzungen geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Sie stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Kursangaben, Prognosen und Markteinschätzungen können sich jederzeit ändern und bieten keine Gewähr für zukünftige Entwicklungen. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich vor einer Anlageentscheidung eigenständig ausreichend zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst. Eine Haftung für etwaige Verluste oder Schäden, die aus der Nutzung dieser Informationen entstehen, wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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