
Gold verharrt auf Rekordniveau – Anleger blicken gebannt auf Atomgespräche zwischen USA und Iran
Während die Welt den Atem anhält, zeigt das gelbe Edelmetall einmal mehr seine unnachahmliche Stärke als Krisenbarometer. Am Donnerstag notierte der Goldpreis nahezu unverändert bei beeindruckenden 5.165,77 US-Dollar je Feinunze – ein Niveau, das vor wenigen Jahren noch als reine Phantasie abgetan worden wäre. Die Märkte befinden sich in einer Art Schockstarre, denn in Genf steht die dritte Runde der indirekten Atomverhandlungen zwischen Washington und Teheran an, und niemand wagt es, sich vor dem Ergebnis aus der Deckung zu wagen.
Genf als geopolitisches Pulverfass
Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran, vermittelt durch den Oman, könnten weitreichende Konsequenzen für die globalen Märkte haben. Teheran habe Flexibilität signalisiert, heißt es aus diplomatischen Kreisen – doch wer die Geschichte dieser endlosen Verhandlungsrunden kennt, weiß, dass solche Signale mit äußerster Vorsicht zu genießen sind. Gleichzeitig verstärkt Washington seine militärische Präsenz im Nahen Osten, was den Druck auf den Iran erhöht, aber auch das Eskalationsrisiko in einer ohnehin brandgefährlichen Region weiter verschärft.
Peter Grant, Vizepräsident und leitender Metallstratege bei Zaner Metals, brachte es auf den Punkt: Es gebe enormes Interesse daran, wie diese dritte Gesprächsrunde verlaufe. Doch unabhängig vom Ausgang sei genügend Unsicherheit vorhanden, um den Goldmarkt weiter zu stützen. Grant erwartet nach eigener Aussage, dass der Markt in Richtung 5.340 und anschließend sogar 5.400 US-Dollar klettern könnte – selbst wenn kurzfristige Rücksetzer möglich seien.
Trumps Zollpolitik heizt die Unsicherheit weiter an
Als wären die geopolitischen Spannungen nicht genug, sorgt auch die aggressive Handelspolitik von Präsident Donald Trump für zusätzliche Nervosität an den Märkten. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer verkündete am Mittwoch, dass die Zollsätze für einige Länder von den kürzlich eingeführten 10 Prozent auf mindestens 15 Prozent oder höher steigen würden. Welche Handelspartner konkret betroffen sein werden, ließ er wohlweislich offen – eine Taktik, die maximale Verunsicherung erzeugt und Unternehmen weltweit in Planungsunsicherheit stürzt.
Für die europäische Wirtschaft, insbesondere die exportabhängige deutsche Industrie, sind diese Nachrichten Gift. Die bereits geltenden 20-Prozent-Zölle auf EU-Importe belasten den Standort Deutschland massiv. Und während die neue Große Koalition unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auf den Weg bringt, das die Schuldenlast künftiger Generationen weiter in die Höhe treibt, fehlt es an einer klaren Strategie, wie man der amerikanischen Zollkeule begegnen will. Man fragt sich unwillkürlich: Wer soll das alles bezahlen?
Der Arbeitsmarkt in den USA – trügerische Ruhe
Unterdessen zeigt sich der amerikanische Arbeitsmarkt oberflächlich betrachtet stabil. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche nur marginal, und die Arbeitslosenquote scheine sich im Februar auf konstantem Niveau zu halten. Doch hinter dieser Fassade brodelt es: Die Märkte rechnen weiterhin mit zwei Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve in diesem Jahr – ein deutliches Zeichen dafür, dass die wirtschaftliche Lage bei weitem nicht so rosig ist, wie die nackten Zahlen suggerieren.
Gold als unerschütterlicher Fels in der Brandung
In diesem Umfeld aus geopolitischen Risiken, handelspolitischer Eskalation und geldpolitischer Unsicherheit erweist sich Gold einmal mehr als das, was es seit Jahrtausenden ist: ein sicherer Hafen. Während Aktien und andere Anlageklassen den Launen der Politik und der Notenbanken ausgeliefert sind, bietet das physische Edelmetall einen Schutz, den kein Papierwert dieser Welt replizieren kann.
Marktanalystin Razan Hilal von FOREX.com wies darauf hin, dass Gold und Silber versuchten, die Widerstandsmarken bei 5.200 beziehungsweise 90 US-Dollar zu durchbrechen, die Gewinne bislang in dieser Woche jedoch nicht hätten halten können. Sollte ein kurzfristiger geopolitischer Deal zustande kommen, bestünden Rückschlagrisiken. Doch genau hier liegt die Krux: Selbst wenn die Genfer Gespräche zu einem vorläufigen Ergebnis führen sollten, bleiben die strukturellen Treiber des Goldpreises – explodierende Staatsverschuldung, Währungsentwertung, geopolitische Dauerkonflikte – vollständig intakt.
Silber, Platin und Palladium unter Druck
Während Gold seine Position nahe den Höchstständen behauptete, gerieten die anderen Edelmetalle stärker unter Druck. Silber verlor 2,8 Prozent auf 86,94 US-Dollar je Feinunze, Platin gab 1,6 Prozent auf 2.249,40 US-Dollar nach, und auch Palladium büßte 1,6 Prozent ein und notierte bei 1.766,95 US-Dollar. Diese Korrekturen sind jedoch im Kontext der enormen Kursgewinne der vergangenen Monate zu sehen und dürften für langfristig orientierte Anleger eher Kaufgelegenheiten als Warnsignale darstellen.
Wer angesichts dieser Gemengelage aus globaler Unsicherheit, inflationärer Geldpolitik und geopolitischen Pulverfässern noch immer nicht verstanden hat, warum physische Edelmetalle in jedes breit aufgestellte Anlageportfolio gehören, dem ist kaum noch zu helfen. Gold und Silber sind keine Spekulation – sie sind eine Versicherung gegen den Wahnsinn unserer Zeit.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir empfehlen, vor Investitionsentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Informationen entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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