
Granaten-Knall in Charlottenburg: Kommen Berlins Kriegswaffen jetzt aus der Ukraine?

In der Nacht zum Montag, dem 12. Oktober, detonierte am Stuttgarter Platz in Berlin-Charlottenburg ein Sprengkörper mitten auf der Fahrbahn. Splitter durchschlugen geparkte Autos und die Fenster einer Wohnung. Ermittler vermuten nach Medienberichten eine Handgranate. Damit wäre in der Hauptstadt nicht zum ersten Mal eine Kriegswaffe eingesetzt worden.
Splitter bis in die zweite Etage
Anwohner wurden von einem gewaltigen Knall aus dem Schlaf gerissen. Erst am Vormittag gegen 9.30 Uhr meldete laut Polizei ein 63-jähriger Zeuge die Schäden an zwei Fahrzeugen, es handle sich um „augenscheinliche Einschlagspuren“. Ein weiteres Auto und Wohnungsfenster seien ebenfalls getroffen worden.
Medienberichten zufolge sind Einschläge bis in die zweite Etage eines Wohnhauses zu sehen. Ein Schrapnell soll den Kotflügel eines SUV durchschlagen haben und an der Motorhaube wieder ausgetreten sein. Verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand. Und was wäre gewesen, hätte um diese Uhrzeit jemand auf dem Gehweg gestanden?
Gewalt als Dienstleistung
Wer die Granate warf und wem sie galt, ist bislang offen. Die Polizei geht von einem Konflikt zwischen kriminellen Banden aus. Ermitteln soll nun die Sondereinheit „Ferrum“ des Landeskriminalamts. Rund 100 Kriminalpolizisten gehen dort seit knapp einem Jahr gegen Schusswaffenkriminalität vor.
Arbeit gibt es genug. In derselben Nacht wurde laut Polizei in der Neuköllner Silbersteinstraße auf ein Café geschossen. Senat und Polizei bezeichnen das Phänomen „Violence as a Service“ als ernstzunehmende Herausforderung: Auftraggeber kaufen sich Gewalt ein, ausführen sollen sie bezahlte, oft junge Täter. Dahinter stehe häufig die Erpressung von Gastronomen und Ladenbesitzern. Einen Schwerpunkt sehen die Behörden bei der türkeistämmigen organisierten Kriminalität.
Vom Balkan zur Ukraine: Die neue Waffenquelle
Nach Einschätzung der Polizei ist die kriminelle Szene inzwischen „durchbewaffnet“. Jahrzehntelang galt der Balkan als Hauptlieferant illegaler Waffen. Die Jugoslawienkriege hatten riesige Arsenale hinterlassen, und viele Kalaschnikows tauchten später in Westeuropas Unterwelt wieder auf.
Jetzt gerät nach Medienberichten die Ukraine in den Blick. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt, durch Geschäfte im Umfeld des Ukrainekriegs gelangten immer mehr Kriegswaffen nach Deutschland und vor allem nach Berlin. Das treibe die Aufrüstung der organisierten Kriminalität weiter voran. Dass Kriminelle mittlerweile bereit seien, so die GdP, „im Konkurrenzkampf um Geschäftsfelder oder wegen persönlicher Fehden auch Sprengkörper mitten in der Innenstadt zu zünden“, bringe die Bevölkerung in massive Gefahr.
Die Rechnung zahlt der Bürger
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt Charlottenburg, wohin jahrelange Versäumnisse führen. Grenzen ohne wirksame Kontrollen, eine Justiz am Limit, Sonderkommissionen, die erst gegründet werden, wenn die Kugeln schon fliegen. Kritiker hatten früh davor gewarnt, dass Kriegsgerät aus Konfliktzonen über offene Routen nach Westeuropa wandern könnte. Passiert ist zu wenig, nun explodieren Granaten vor Wohnhäusern.
Zwar meldet der Senat nach Medienberichten erste Erfolge, darunter 61 Haftbefehle und 19 Anklagen. Doch für viele Berliner klingt das wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Wer nachts wegen eines Knalls hochschreckt und morgens Splitterlöcher in der Fassade findet, dem helfen Statistiken wenig.
Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hatte im Wahlkampf eine harte Linie bei der inneren Sicherheit versprochen. Am Stuttgarter Platz zeigt sich, wie viel davon tatsächlich angekommen ist. Gebraucht werden konsequente Kontrollen beim Waffenschmuggel, schnelle Verfahren und eine Politik, die den Schutz der eigenen Bürger wieder an die erste Stelle setzt.
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