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Hacker-Alarm: Brüssel sperrt China-Wechselrichter aus EU-Projekten aus

Hacker-Alarm: Brüssel sperrt China-Wechselrichter aus EU-Projekten aus
Symbolbild: KI-generiert

Seit dem 1. November dürfen in EU-finanzierten Energieprojekten schrittweise keine Wechselrichter von sogenannten Hochrisiko-Anbietern mehr verbaut werden. Getroffen sind vor allem chinesische Hersteller. Den Ausschlag gaben spektakuläre Hackerangriffe auf Kühlanlagen in ganz Europa. Sie haben gezeigt, wie verwundbar vernetzte Technik ist.

Wenn das Kühlregal zum Backofen wird

Was nach Science-Fiction klingt, haben Händler in Frankreich im Oktober erlebt. Medienberichten zufolge übernahmen Hacker die Kontrolle über internetgesteuerte Regelungssysteme. In den Kühlregalen kletterten die Temperaturen auf bis zu 50 Grad. Lebensmittel mussten aus dem Verkauf.

Allein bei Intermarché sollen 150 bis 200 Filialen betroffen gewesen sein, bei Coopérative U fast 100. Waren im Wert von mehreren Millionen Euro landeten im Müll. Wenige Wochen später folgte eine zweite Welle mit mehreren Dutzend betroffenen Einrichtungen in Europa. Darunter waren Berichten zufolge auch der französische Blutspendedienst und eine Metzgerei in Bayern.

Die naheliegende Frage: Wenn schon Kühlregale aus der Ferne manipuliert werden können, was ist dann mit dem Stromnetz?

Das Herzstück jeder Solaranlage

Hier kommt der Wechselrichter ins Spiel. Er wandelt den Gleichstrom der Solarmodule in netztauglichen Wechselstrom um und regelt die Einspeisung. Weil er für Wartung und Überwachung meist am Internet hängt, ist er auch von außen erreichbar. Genau das bereitet den Behörden Sorgen.

Eine böswillige Manipulation könnte die Stromerzeugung stören. Geschieht das bei genügend Anlagen gleichzeitig, könnte das ganze Netz ins Wanken geraten. Atomkraftwerke gibt es nur wenige, und sie werden streng überwacht. Solaranlagen dagegen stehen millionenfach auf Dächern und Feldern, verteilt über den ganzen Kontinent.

Dass die Sorge nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigte bereits im Mai 2025 ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach hätten US-Experten in einigen chinesischen Wechselrichtern Kommunikationsbauteile entdeckt, die in keiner Produktdokumentation aufgeführt waren.

Europas gefährliche Abhängigkeit

Das eigentliche Problem ist die Marktmacht. Laut Euronews stammten rund 70 Prozent der 2023 in Europa installierten Wechselrichter aus China. Ein Manager des deutschen Herstellers SMA Solar bezifferte den Anteil asiatischer, vor allem chinesischer Anbieter gegenüber „Le Figaro“ auf 65 bis 70 Prozent.

Billig ausbauen, Hauptsache schnell: Mit diesem Kurs hat sich Europa bei seiner Energiewende in eine Abhängigkeit manövriert, die Kritiker seit Jahren anprangern. Bei Gas hieß der Lieferant einst Russland. Beim Solarstrom heißt er heute China.

Kein Verbot, aber ein Geldhahn, der zugedreht wird

Brüssel verbietet chinesische Wechselrichter nicht generell. Stattdessen knüpft die Kommission ihre Fördergelder an Bedingungen. Wie Fachmedien berichten, gilt die Regel für Projekte, die direkt oder indirekt mit EU-Mitteln finanziert werden, etwa über die Europäische Investitionsbank. Als Hochrisiko-Länder gelten demnach China, Russland, Iran und Nordkorea.

  • Erfasst sind laut Berichten Solar-, Wind- und Speicherprojekte.
  • Private Dachanlagen und rein national geförderte Vorhaben bleiben außen vor.
  • Von der Kommission einberufene Experten empfehlen, die Regeln auf weitere Komponenten und Software auszuweiten.

Branche wollte mehr Zeit und bekam keine

Energiewirtschaft und Investoren hatten um einen Aufschub gebeten. Vergeblich. Die Kommission argumentiert Berichten zufolge, es gebe genügend Alternativen, und der Preis für eine sichere Infrastruktur sei gering.

Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Brüssel steckt in der Zwickmühle: Einerseits soll das Netz gegen Angriffe geschützt werden. Andererseits soll die Solarenergie weiter möglichst schnell und billig ausgebaut werden. Beides zugleich wird kaum gelingen. Am Ende dürften Stromkunden und Steuerzahler die Zeche für eine Abhängigkeit bezahlen, vor der lange genug gewarnt wurde.

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