
Halloween-Demos der Gen Z: Wer steckt hinter dem Protest-Aufruf?

Die Initiative „Gen Z regelt“ ruft für Samstag, den 31. Oktober, zu Protesten in 23 deutschen Städten auf. Laut der Website des Bündnisses haben bis Montagnachmittag mehr als 135.700 Menschen ihre Teilnahme angekündigt. Wer das Ganze organisiert, ist allerdings nur schwer herauszufinden. Und die Sicherheitsbehörden schauen nach Frankreich.
Ticket lösen, Frust abladen
Das Verfahren erinnert eher an ein Festival als an eine Kundgebung. Wer mitmachen will, löst auf der Website ein „Ticket“. Damit soll am Samstag ab 14 Uhr festgehalten werden, wer tatsächlich gekommen ist. Vorne liegt Köln mit rund 11.500 Zusagen, knapp vor Stuttgart mit über 11.400. Auch Frankfurt am Main kommt auf eine fünfstellige Zahl. In Hamburg, Berlin, München und Erfurt sind es bisher weniger als 10.000.
Die Forderungen sind breit gestreut. Das Bündnis wendet sich gegen Kürzungen bei Bildung, Gesundheit und Klimaschutz, außerdem gegen die Wehrpflicht. Es verlangt ein Ende der ständig steigenden Lebenshaltungskosten. Eine Generation, die Mieten, Lebensmittelpreise und die Schulden eines 500-Milliarden-Sondervermögens erben soll, hat dafür durchaus Gründe. Wer hier Unmut einsammelt und wohin er ihn lenkt, ist aber eine andere Frage.
Ein Impressum mit Leerstellen
Bei näherem Hinsehen bleibt vieles unklar. Laut Medienberichten verantwortet die Initiative selbst nur fünf der 23 Demonstrationen, nämlich die in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt. Für die übrigen Städte lehnt die Website die Verantwortung für Inhalt und Organisation ausdrücklich ab. Nach Recherchen eines Journalisten waren in der Vorwoche in vielen Städten noch gar keine Versammlungen angemeldet.
Als Verantwortlicher für die Website wird ein Abiturient aus Bayern genannt. Seine Kontaktadresse gehört laut einem Bericht zu einer Schweizer Beratungsfirma. Auf eine Presseanfrage antwortete den Angaben zufolge ein Student, der unter anderem eine Sendung beim RBB-Jugendradio „Fritz“ moderiert. Eine Graswurzelbewegung sieht nach Ansicht von Beobachtern anders aus.
Frankreich als Vorbild und als Warnung
Als Vorbild nennt das Bündnis die Schülerproteste in Frankreich. Sie begannen Mitte September und weiteten sich nach und nach auf weitere Bevölkerungsgruppen aus. In mehreren Städten kam es zu Gewalt und erheblichem Vandalismus. Nun wächst die Sorge, dass Extremisten die Kundgebungen auch hierzulande für sich nutzen könnten.
Diese Sorge hat einen konkreten Grund. Zu den ersten Unterstützern gehörten nach Medienberichten die „Föderation klassenkämpferischer Organisationen“ und die „Internationale Jugend“. Beide stuft der Verfassungsschutz zumindest in Baden-Württemberg als extremistisch ein. Das Positionspapier von „Gen Z regelt“ selbst enthält keine linksextremistischen Inhalte und nennt sich überparteilich. Eine Passage über Kräfte, die sich als „einzige Lösung“ darstellten, lässt sich jedoch als Seitenhieb gegen die AfD lesen.
Die Schülervertreter gehen auf Abstand
Die Bundesschülerkonferenz unterstützt die Proteste ausdrücklich nicht. Sie warnt, wegen der „undurchsichtigen Organisationsstrukturen“ könnten die Anliegen junger Menschen „zum Spielball politischer Instrumentalisierung und Polarisierung“ werden.
Polizei rüstet sich und bleibt gelassen
Berlins Polizei rechnet nicht mit Zuständen wie in Paris. Ein Sprecher sagte:
„Nach aktueller Erkenntnislage gibt es keine Hinweise darauf, dass es in Berlin zu ähnlichen gewaltsamen Ausschreitungen mit Plünderungen und Brandschatzungen wie in Frankreich, Italien oder Spanien kommen könnte.“
Eine zunächst angemeldete Berliner Kundgebung ist dort derzeit nicht mehr angezeigt. Die Polizei bereite sich trotzdem auf Spontanversammlungen vor. In Bayern kündigen die Behörden laut Medienberichten eine massive Präsenz an. NRW-Innenminister Herbert Reul setzt demnach auf eine harte Linie. Am Samstag zeigt sich, ob aus dem Ärger einer Generation ein legitimer Protest wird oder ob andere die Bühne für ihre Zwecke kapern.
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