
Hooligans als Stadtwächter: Den Haags Innenstadt bleibt heil!

Am Samstag, dem 31. Oktober, haben sich mehr als 200 Anhänger der harten Fanszene von ADO Den Haag in der Innenstadt des niederländischen Regierungssitzes versammelt. Ihr erklärtes Ziel: Plünderungen verhindern, zu denen im Netz unter dem Etikett „Gen Z“-Protest aufgerufen worden war. Am Ende zählte die Polizei 34 Festnahmen, geplündert wurde aber kein einziges Geschäft.
Ein Aufruf mit entwaffnender Ehrlichkeit
Auf Instagram hatte die Fanszene ihr Kommen angekündigt. Mit Bescheidenheit hielt sie sich dabei nicht auf. Gewalttätige Aktionen lehne man nicht ab, schrieb die Gruppe sinngemäß, sie seien sogar ihr Hobby.
Dulden wolle man allerdings keine Plünderungen in der eigenen Stadt, keine Zerstörung des kulturellen Erbes und keinen Vandalismus. Mit der Regierung sei man zwar nicht in allem einverstanden, und das Demonstrationsrecht respektiere man ausdrücklich. Man komme aber weder für Unruhe noch für eine Gegendemo, sondern um die Stadt zu schützen. Oder eben für ein gemütliches Getränk.
Die Vorlage für die Krawalle kam aus Frankreich. Niederländischen Medienberichten zufolge hatten sich online Tausende Jugendliche verabredet, um es den Randalierern dort gleichzutun.
Showdown am Korte Voorhout
Ab Mittag füllte sich der zentrale Platz Plein mit schwarz gekleideten Fans. Manche saßen beim Bier in den Kneipen, andere zogen durch die Gassen. Ein früherer Vorsitzender der ADO-Supportervereinigung sagte dem Algemeen Dagblad, man sei gekommen, um die eigene Stadt zu verteidigen.
Gegen 15 Uhr kippte die Stimmung. Eine Gruppe Hooligans zog in Richtung der Jugendlichen, am Korte Voorhout standen sich beide Lager schließlich direkt gegenüber. Die Bereitschaftspolizei fuhr mit Mannschaftswagen und Wasserwerfern auf, trennte die Gruppen und schickte die Fans zurück zum Plein.
Die Innenstadt bot schon morgens ein gespenstisches Bild. Große Ketten wie Primark, MediaMarkt und das Kaufhaus De Bijenkorf hatten ihre Schaufenster vorsorglich mit Holzplatten vernagelt. Bürgermeister Jan van Zanen erließ eine Notverordnung, mit der die Polizei zusätzliche Befugnisse bekam.
Die Bilanz: viele Teenager, ein verletzter Beamter
Die meisten der 34 Festgenommenen waren nach Polizeiangaben zwischen 15 und 18 Jahre alt und kamen aus verschiedenen Landesteilen angereist. Ihnen werden unter anderem Störung der öffentlichen Ordnung, Gewalttätigkeiten, Vermummung und der Besitz illegaler Feuerwerkskörper vorgeworfen. Ein Polizist wurde mit Verdacht auf eine Gehörschädigung ins Krankenhaus gebracht, nachdem auf Einsatzkräfte Böller geworfen worden waren.
Dass die Plünderungen ausblieben, schreibt sich die Polizei selbst zu. Ihr entschlossenes Eingreifen habe die Verwüstung der Innenstadt verhindert, so die Einsatzleitung. Bürgermeister Van Zanen dankte ausdrücklich den Beamten. Ob die Hooligans zur Ruhe beigetragen haben, lässt sich nicht belegen. Die Händler blieben trotzdem auf Schäden sitzen, weil sie vorsorglich schlossen und Umsatz verloren.
Auch andere Fanszenen kündigten Einsätze an
Den Haag war kein Einzelfall. In Maastricht kündigte die Fanszene des MVV an, gegen auswärtige Randalierer vorzugehen, auch aus Eindhoven und Arnheim wurden ähnliche Aufrufe bekannt. In Maastricht blieb es friedlich.
Und in Deutschland?
Hierzulande lief der Abend anders. Bei Demonstrationen der Initiative „Gen Z regelt“ in mehr als 30 Städten kam es laut Medienberichten nach friedlichen Kundgebungen vor allem in Frankfurt und Köln zu Krawallen. Auf der Frankfurter Zeil sollen Geschäfte geplündert und Polizisten mit Pflastersteinen und Molotowcocktails angegriffen worden sein. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte im ZDF, gewaltbereite linke Gruppen und „migrantische Chaoten“ hätten die Proteste gekapert.
Bleibt die unbequeme Frage, warum sich in einem Rechtsstaat ausgerechnet Hooligans als Ordnungsmacht anbieten. Den Bürgern kann das nicht gefallen, denn das Gewaltmonopol gehört allein dem Staat. Wenn Händler ihre Läden aber schon vorab mit Brettern vernageln, zeigt das, wie wenig Vertrauen viele noch haben, dass dieses Monopol im Ernstfall auch durchgesetzt wird. Das ist das eigentliche Warnsignal, in Den Haag ebenso wie in Frankfurt.
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PeterHahne
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Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
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