
Hormus bleibt dicht: IEA senkt Ölprognose – Reserven schmelzen dahin

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat am Mittwoch ihre Prognose für den globalen Ölmarkt drastisch nach unten korrigiert. Die weltweite Nachfrage soll 2026 um 1,6 Millionen Barrel pro Tag einbrechen – 510.000 Barrel mehr als noch im Juli erwartet. Grund: Die Straße von Hormus bleibt gesperrt, ein Deal zwischen Washington und Teheran lässt weiter auf sich warten.
Wenn die wichtigste Meerenge der Welt blockiert ist
Seit März fließt durch die Straße von Hormus kaum noch Öl. Was Ökonomen als globale Katastrophe fürchteten, blieb bislang aus – dank eingebrochener chinesischer Importe, alternativer Transportrouten und massiver Lagerentnahmen. Doch genau diese Puffer gehen jetzt zur Neige.
Laut IEA-Bericht rutschten die weltweit erfassten Ölbestände im Juli erstmals seit April 2025 unter 7,9 Milliarden Barrel. Die US-Rohölvorräte fielen Daten dieser Woche zufolge unter 300 Millionen Barrel – der niedrigste Stand seit über vier Jahrzehnten.
Auch wenn der Markt gegen Jahresende voraussichtlich in einen Überschuss zurückkehrt, bleiben die Risiken erheblich, und die Dringlichkeit einer Wiedereröffnung der Meerenge hat zugenommen, da die zuvor verfügbaren Lagerpuffer rapide abschmelzen.
So fasst es die Agentur in ihrem Monatsbericht zusammen. Im Klartext: Der Notvorrat der Industriestaaten ist fast aufgebraucht.
Preis-Achterbahn: von 70 auf über 100 Dollar – und zurück
Die Nordseesorte Brent hat 2026 eine Volatilität hingelegt, wie man sie seit den Ölschocks der Siebziger kaum gesehen hat. Im vergangenen Monat kletterte der Preis über 100 Dollar, fiel zwischenzeitlich auf rund 70 Dollar und notierte zuletzt knapp unter 90 Dollar je Fass. Jedes Gerücht über eine Einigung drückt den Kurs – jedes Scheitern treibt ihn hoch.
Analysten warnen jedoch, dass dieses Spiel nicht ewig funktionieren könne. Denn das eigentliche Nadelöhr liegt inzwischen woanders: bei den Raffinerien. Deren Kapazitäten sind massiv eingeschränkt – und genau sie bestimmen, was Benzin und Diesel an der Zapfsäule kosten.
Deutsche Autofahrer zahlen die Zeche
Hierzulande ist der Krieg am Golf längst im Portemonnaie angekommen. Marktberichten zufolge liegen Benzin und Diesel im bundesweiten Mittel deutlich über zwei Euro je Liter, an teuren Tagen wurden Spitzenpreise um 2,65 Euro gemeldet. Selbst die seit Mai geltende befristete Senkung der Energiesteuer habe die Preise nicht unter die Zwei-Euro-Marke drücken können.
Für viele Bürger ist das der bittere Beweis einer Energiepolitik, die auf Abhängigkeit statt auf Robustheit gesetzt hat. Wer Versorgungssicherheit über Jahre als zweitrangig behandelt, steht in der Krise ohne Puffer da – und der Steuerzahler hält den Kopf hin.
Wachstum bricht weg, Sachwerte gefragt
Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für das globale Wachstum seit Kriegsbeginn im Februar von 3,3 auf 3,0 Prozent gekappt. IWF-Chefin Kristalina Georgieva hatte bereits Anfang des Jahres gewarnt, alle Wege führten nun zu höheren Preisen und langsamerem Wachstum.
Anleger reagieren, wie sie in Krisen seit jeher reagieren: Sie flüchten in Sachwerte. Gold notierte am Mittwoch bei rund 4.400 Dollar je Feinunze, Silber bei über 65 Dollar. Physische Edelmetalle sind kein Renditeversprechen – aber sie kennen keinen Ausfall eines Emittenten und keine gesperrte Meerenge. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie ein bewährter Anker.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheidet selbst über seine Investitionen.

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