
Hormus brennt: Wenn die Welt um jedes Barrel zittert – und Europa nur noch Sanktionen kann
Die wichtigste Öl-Ader der Welt ist verstopft, und die westliche Diplomatie schickt – Pressemitteilungen. Während US-Außenminister Marco Rubio beim NATO-Außenministertreffen im schwedischen Helsingborg unverblümt einen militärischen „Plan B" für die Öffnung der Straße von Hormus ins Spiel bringt, verlegt sich Brüssel auf das, was es am besten kann: Sanktionslisten verfassen. Zwei Welten, ein Konflikt – und ein Energiemarkt, der längst aus den Fugen geraten ist.
Rubio macht Druck – die Verbündeten nicken höflich
Rubios Botschaft ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Selbstverständlich würden alle ein Abkommen mit Teheran begrüßen, das die für den globalen Öl- und Gasmarkt überlebenswichtige Meerenge wieder freigebe. Doch wenn der Iran sich weigere, die Passage zu öffnen, sie weiter kontrolliere und am Ende noch Mautgebühren kassiere, dann brauche der Westen eben einen Plan B. „Ich habe diesen Punkt heute angesprochen. Ich habe viel Zustimmung erhalten", erklärte Rubio – um im selben Atemzug einzuräumen, dass es keine Ankündigung gebe. Mit anderen Worten: Man ist sich einig, dass man sich einig sein müsste.
Immerhin verwies der US-Chefdiplomat darauf, dass Frankreich und Großbritannien bereits an einer möglichen Marinemission für die Zeit nach den Kampfhandlungen feilten. Die entscheidende Frage stellte Rubio jedoch selbst: „Aber wir brauchen einen Plan B für den Fall, dass jemand schießt – wie öffnet man dann die Meerenge wieder?" Ob das eine NATO-Mission sein müsse, wisse er nicht, „aber es wären sicherlich NATO-Länder, die dazu beitragen können". Die USA, betonte er stolz, könnten es auch alleine stemmen.
Brüssel beschließt – was sonst? – Sanktionen
Während Washington die Marineoptionen sondiert, hat sich die EU zu dem durchgerungen, was in Brüssel als geopolitischer Befreiungsschlag gilt: einer Ausweitung der Sanktionsliste. Der Europäische Rat erklärte am Freitag, die Maßnahmen Teherans gegen Schiffe in der Straße von Hormus verstießen gegen das Völkerrecht. Künftig sollen auch „Personen und Organisationen" ins Visier genommen werden, die an iranischen Aktionen beteiligt seien, welche die Freiheit der Schifffahrt bedrohten.
Konkret bedeutet das: Einreiseverbote, Vermögenssperren, Geschäftsverbote für europäische Unternehmen und Bürger. Namen? Fehlanzeige. Die Liste werde, so heißt es, noch ausgearbeitet. Man fühlt sich an einen alten Reflex erinnert: Wenn die Welt brennt, schreibt Europa Verordnungen.
Warum Hormus die Lebensader der Weltwirtschaft ist
Wer die Bedeutung dieser Meerenge unterschätzt, hat die Grundrechenarten der globalen Energieversorgung nicht verstanden. Durch das nur rund 50 Kilometer breite Nadelöhr zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman fließt traditionell rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls. Saudi-Arabien, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, der Irak – sie alle sind auf diese Wasserstraße angewiesen. Wer Hormus kontrolliert, hat die Hand am Hahn der globalen Konjunktur.
Seit Ende Februar, mit dem Beginn der direkten Auseinandersetzungen zwischen dem Iran auf der einen sowie den USA und Israel auf der anderen Seite, hat Teheran die Meerenge durch Drohungen und den Beschuss von Tankern und Frachtschiffen weitgehend lahmgelegt. Washington konterte mit einer Seeblockade gegen iranische Häfen. Seit dem 8. April gilt eine Waffenruhe – allerdings eine so brüchige, dass sie eher an einen Hauch erinnert als an einen Frieden.
Die Quittung kommt – an deutschen Tankstellen
Die Folgen sind längst spürbar, und zwar bis in den letzten Winkel der Bundesrepublik. Öl- und Spritpreise sind in die Höhe geschossen, die Inflation, die ohnehin durch die schuldenfinanzierten Mega-Pakete der Berliner Koalition befeuert wird, bekommt von außen einen weiteren Schub. Während Bundeskanzler Friedrich Merz im Wahlkampf noch Wunder versprach und Schuldenfreiheit predigte, schiebt sein 500-Milliarden-Sondervermögen die nächste Inflationswelle bereits an – und nun liefert der Persische Golf den Brandbeschleuniger gleich frei Haus.
Bezeichnend ist auch, was im Hintergrund passiert: Ein deutscher Minensucher wurde laut Berichten bereits ins Mittelmeer verlegt, noch bevor überhaupt ein Einsatzbeschluss gefasst wurde. Man fragt sich unwillkürlich, ob das Parlament zu solchen Vorgängen eigentlich noch befragt wird oder ob man die Volksvertreter mittlerweile als lästiges Beiwerk betrachtet.
Frankreich und Großbritannien preschen vor – Berlin schaut zu
Auffällig ist, wer in dieser Krise Führung übernimmt und wer nicht. Paris und London arbeiten an einer Marinemission, organisieren in der französischen Hauptstadt eine Hormus-Konferenz, sind diplomatisch wie militärisch präsent. Berlin? Die Bundesregierung windet sich, mahnt Wirtschaftsministerin Reiche vor den Folgen einer langen Blockade – und beschränkt sich ansonsten auf das Vorlesen von EU-Erklärungen. Vom einstigen Anspruch, in Europa eine Führungsrolle zu spielen, ist nicht viel geblieben außer Schuldenbergen und Energierechnungen.
Was Anleger aus dieser Gemengelage lernen sollten
Wer in solchen Zeiten ausschließlich auf Papierwerte, Aktien-ETFs oder vermeintlich „sichere" Anleihen vertraut, der hat die historischen Lektionen schlecht studiert. Geopolitische Krisen, Energiepreisexplosionen und Währungsverwässerung durch hemmungslose Schuldenpolitik sind die klassischen Treiber für die Wiederentdeckung jener Werte, die seit Jahrtausenden ihre Funktion erfüllen: physische Edelmetalle. Gold und Silber zittern nicht, wenn ein Tanker brennt. Sie warten nicht auf Sanktionslisten. Sie sind, was sie sind – greifbar, unbestechlich, unabhängig von politischen Launen.
Ein breit gestreutes Vermögen ohne eine solide Beimischung physischer Edelmetalle erscheint in einer Welt, in der eine einzige Meerenge die Weltwirtschaft in Geiselhaft nehmen kann, mehr als fahrlässig. Wer hier vorausschauend handelt, baut keine Spekulation auf, sondern eine Versicherung.
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