
Infarkt-Gefahr für die Weltwirtschaft: Wadephuls Weckruf in Panama

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat am Donnerstag in Panama-Stadt einen deutlich stärkeren internationalen Einsatz für freie Seewege gefordert. Bei seinem Treffen mit Panamas Außenminister Javier Martínez-Acha zog er einen drastischen Vergleich: Verstopfte Handelsrouten seien für die Weltwirtschaft so gefährlich wie verstopfte Arterien für den Menschen. Wenige Stunden später ging es für ihn weiter zum G20-Außenministertreffen in die USA.
Lebensadern, die nicht verstopfen dürfen
Der CDU-Politiker machte keinen Unterschied zwischen künstlichen und natürlichen Nadelöhren. Ob Panamakanal, Suezkanal oder die Straße von Hormus, alle seien sie unverzichtbar für den globalen Warenfluss. Seine Worte:
„Diese Wasserstraßen, ob es nun künstliche sind wie der Panamakanal oder der Suezkanal oder natürliche wie die Straße von Hormus, sind Lebensadern der Weltwirtschaft. Und Lebensadern dürfen nicht verstopfen.“
Er schob nach: „Das ist genauso wie beim Menschen. Wenn sie verstopfen, droht ein Infarkt. Das können wir uns in keiner Weise leisten.“ Wasserstraßen dürften weder durch Naturereignisse noch durch Kriege gefährdet werden. Auch Eingriffe in die Freiheit der Navigation und in die Neutralität des Panamakanals lehnte er ab.
Der Iran-Krieg verändert die Routen
Hinter der blumigen Rhetorik steht eine harte Realität. Wegen des Iran-Kriegs ist die Schifffahrt durch die Straße von Hormus Berichten zufolge teilweise blockiert. Die Folge: Der Panamakanal erlebt einen Boom, vor allem Öltanker weichen auf die rund 82 Kilometer lange Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik aus. An den Rohstoffmärkten ist die Nervosität zu sehen. US-Öl der Sorte WTI notierte zuletzt über 100 Dollar je Barrel.
Für Deutschland geht es um viel. Die Exportnation hängt wie kaum ein anderes Land an funktionierenden Lieferketten. Nach Angaben des Auswärtigen Amts ist Panama der wichtigste Markt für deutsche Unternehmen in Zentralamerika. Und der Kanal ist verwundbar: Schon 2023 musste die Kanalbehörde die Zahl der Durchfahrten wegen einer schweren Dürre drastisch kürzen.
Trumps Schatten über dem Kanal
Heikel ist das Thema auch wegen Washington. US-Präsident Donald Trump hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit damit gedroht, den Kanal notfalls für die Vereinigten Staaten zurückzuholen. Gebaut hatte ihn Anfang des 20. Jahrhunderts das Ingenieurkorps der US-Armee. Am 31. Dezember 1999 ging die Verwaltung an Panama über. Nach den Spannungen unterzeichneten beide Länder Medienberichten zufolge ein Memorandum zur Sicherheitskooperation.
Wadephul gab sich betont gelassen. Er habe keinen Zweifel daran, dass die Neutralität des Kanals allgemein akzeptiert werde. Trumps Kritik habe sich aus seiner Sicht vor allem gegen das starke Engagement Chinas in Lateinamerika gerichtet. Ob Washington das genauso sieht, bleibt offen. Diplomatische Zurückhaltung ist das eine. Ob sie gegenüber einem unberechenbaren Partner reicht, ist eine andere Frage.
Nächste Station: Atlanta
Am Freitag und Samstag treffen sich die G20-Außenminister in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Dort sollen die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs und die Sicherheit der Seewege auf der Tagesordnung stehen. Laut Auswärtigem Amt will Wadephul zudem für Freihandel und gemeinsame Regeln werben und auf ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine drängen. Russlands Außenminister Lawrow wird ebenfalls erwartet.
Starke Worte – und wo bleibt die Macht dahinter?
Das Bild vom drohenden Infarkt passt. Es zeigt aber auch, wie wenig Europa selbst in der Hand hat. Die großen Seewege sichern andere, Berlin bleibt meist der Appell. Für Sparer und Unternehmer in Deutschland heißt das: Gerät eine dieser Routen ins Stocken, kommen höhere Energiepreise, teurere Waren und frischer Inflationsdruck an.
Gerade in solchen Phasen gewinnen physische Edelmetalle für viele Anleger an Bedeutung. Gold und Silber sind von keiner Lieferkette und keinem Versprechen einer Regierung abhängig. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie ein stabiles Gegengewicht zu geopolitischen Schocks bilden.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.
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