
Irans Atomprogramm nach dem „12-Tage-Krieg": Angeschlagen, aber nicht besiegt
Was sich im Juni 2025 zwischen Israel, den USA und dem Iran abspielte, dürfte als einer der folgenreichsten militärischen Konflikte des 21. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher eingehen. Zwölf Tage, die den Nahen Osten erschütterten – und die Frage aufwarfen, ob die westliche Welt tatsächlich in der Lage ist, ein nukleares Wettrüsten mit einem theokratischen Regime dauerhaft zu unterbinden. Die Antwort fällt ernüchternd aus.
Operation „Rising Lion": Israels Erstschlag und Amerikas Nachschlag
Vom 13. bis 24. Juni 2025 führte Israel unter dem Codenamen „Operation Rising Lion" massive Luftangriffe auf iranische Nuklear- und Militäranlagen durch. Der Auslöser: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte den Iran nur wenige Tage zuvor offiziell als nicht konform mit seinen nuklearen Verpflichtungen erklärt. Am 22. Juni stiegen dann auch amerikanische B-2-Bomber auf und warfen ihre gewaltigen GBU-57 Massive Ordnance Penetrators auf die tief vergrabene Anlage in Fordow. Zwölf bis vierzehn dieser Bunkerbrecher durchschlugen Belüftungsschächte, Tunnelportale und zerstörten laut IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi „nahezu die gesamte sensible Ausrüstung".
Die physischen Schäden waren enorm. Doch hier liegt das Problem: Wissen lässt sich nicht bombardieren. Iran behielt seine wissenschaftliche Expertise, einen Großteil seines angereicherten Uranvorrats – geschätzte 400 Kilogramm auf 60 Prozent hochangereichertes Uran – und begann umgehend mit der Befestigung noch tieferer unterirdischer Anlagen.
Natanz und Fordow: Ruinen einer nuklearen Ambition?
Die Vorzeige-Anreicherungsanlage in Natanz, einst Herzstück des iranischen Atomprogramms, gleicht heute einem Schatten ihrer früheren Kapazität. Israelische Angriffe zerstörten den Großteil der oberirdischen Infrastruktur, amerikanische Bunkerbrecher beschädigten die unterirdischen Hallen zusätzlich. Zentrifugenkaskaden wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen, eine großangelegte Urananreicherung ist dort derzeit unmöglich. Satellitenbilder vom Jahresbeginn 2026 zeigen lediglich begrenzte Aufräumarbeiten, provisorische Dachreparaturen und die Verstärkung von Versorgungseinrichtungen.
Fordow, tief in einen Berg gegraben und einst Irans wichtigster Standort für die Anreicherung auf bis zu 60 Prozent, ist nach den amerikanischen Angriffen faktisch funktionsunfähig. Eingänge bleiben beschädigt oder notdürftig verstärkt. Nennenswerte Aktivitäten nach dem Krieg wurden kaum beobachtet.
Isfahan: Das Nervenzentrum der Urankonversion
Der Nuklearkomplex in Isfahan, südlich von Teheran gelegen, diente als Drehscheibe für die Urankonversion – also die Umwandlung von Yellowcake in UF6-Gas –, für die Brennstoffherstellung und als Forschungszentrum. Israelische Angriffe beschädigten mehrere Gebäude, darunter das Zentrallabor, Sektionen der Urankonversion und eine im Bau befindliche Anlage zur Verarbeitung von Uranmetall. Amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper zielten auf Tunneleingänge, die möglicherweise zur Lagerung von hochangereichertem Uran genutzt wurden. Inzwischen wurden über einigen beschädigten Gebäuden provisorische Dächer errichtet, Tunneleingänge mit Erde versiegelt und befestigt.
Der „Pickaxe Mountain": Irans unterirdische Antwort
Und hier wird es wirklich beunruhigend. Etwa zwei Kilometer südlich von Natanz liegt der sogenannte „Pickaxe Mountain" – Kuh-e Kolang Gaz La. Diese tief vergrabene Anlage wurde während des 12-Tage-Krieges bewusst nicht angegriffen. Warum, darüber lässt sich nur spekulieren. Doch die Konsequenzen sind eindeutig: Der Bau, der bereits Jahre zuvor begonnen hatte, wurde nach dem Krieg massiv beschleunigt.
Satellitenbilder von Ende 2025 bis Februar 2026 zeigen eine systematische Befestigung – verstärkte Tunneleingänge mit Beton, Erd- und Felsabdeckungen, Sicherheitsperimeter und zusätzliche Barrieren. Iran hat die Anlage offiziell als Standort für die Montage fortgeschrittener Zentrifugen deklariert. Analysten schätzen jedoch, dass dort verdeckte Anreicherung, die Lagerung von hochangereichertem Uran oder eine gehärtete Ausweichanlage betrieben werden könnte. Die IAEA hat keinen Zugang. Während an den traditionellen Standorten Stillstand herrscht, pulsiert hier das Leben – ein unmissverständliches Signal, dass Teheran seine nuklearen Fähigkeiten in einer angriffsresistenten Umgebung wiederherstellen will.
Der Plutonium-Weg: Endgültig versperrt
Einen Erfolg können die Angreifer allerdings verbuchen: Der Schwerwasserreaktor IR-40 bei Arak, der ursprünglich für die Plutoniumproduktion vorgesehen war, wurde am 19. Juni von Israel getroffen. Die Sicherheitshülle wurde durchbrochen, der Kern zerstört, die angrenzende Schwerwasserproduktionsinfrastruktur beschädigt. Da sich kein Nuklearmaterial im Reaktor befand, kam es zu keiner radiologischen Freisetzung. Der Reaktor ist nun dauerhaft funktionsunfähig – Irans Plutonium-Route ist auf absehbare Zeit verschlossen.
Buschehr: Die kluge Ausnahme
Bemerkenswert ist, was nicht angegriffen wurde: Der betriebsbereite 1.000-MW-VVER-Leistungsreaktor in Buschehr blieb unberührt. Die Gründe liegen auf der Hand – ein Angriff hätte eine Katastrophe vom Ausmaß Tschernobyls auslösen können. Selbst im Krieg gibt es offenbar rote Linien, die niemand überschreiten möchte.
Diplomatie am seidenen Faden
Die laufenden Gespräche zwischen den USA und dem Iran konzentrieren sich auf Anreicherungsgrenzen, die Entsorgung der Uranvorräte und Sanktionserleichterungen. Doch die Gräben bleiben tief. Jüngste Signale deuten darauf hin, dass Teheran bereit sein könnte, seine Anreicherungsambitionen zu begrenzen – doch wer dem iranischen Regime nach Jahrzehnten gebrochener Versprechen noch Glauben schenkt, der glaubt wohl auch, dass die deutsche Energiewende planmäßig verläuft.
Die bittere Wahrheit lautet: Das iranische Atomprogramm ist verzögert, aber nicht eliminiert. Die Wissenschaftler leben, das Uran existiert, und unter dem Pickaxe Mountain wächst etwas heran, das die Welt noch beschäftigen wird. Wer geglaubt hat, dass ein zwölftägiger Krieg das Problem lösen würde, hat die Hartnäckigkeit eines Regimes unterschätzt, das seit über vier Jahrzehnten dem Westen die Stirn bietet.
Für Europa und insbesondere für Deutschland bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Die geopolitischen Risiken nehmen nicht ab, sie verlagern sich lediglich. In Zeiten, in denen Konflikte eskalieren, Währungen unter Druck geraten und die Inflation durch schuldenfinanzierte Sondervermögen weiter angeheizt wird, erweist sich einmal mehr die zeitlose Weisheit, einen Teil des eigenen Vermögens in physischen Edelmetallen wie Gold und Silber zu sichern. Denn während Regierungen kommen und gehen, Kriege beginnen und enden, bleibt der innere Wert von Edelmetallen als ultimativer Krisenschutz bestehen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für individuelle Investitionsentscheidungen. Konsultieren Sie im Zweifelsfall einen qualifizierten Finanzberater.

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