
Kahlschlag bei Kik: Textildiscounter schließt Dutzende Filialen – und das könnte erst der Anfang sein
Was sich seit Monaten in der deutschen Einzelhandelslandschaft abzeichnet, nimmt nun konkrete Formen an: Der Textildiscounter Kik, einst Sinnbild für Billigmode in deutschen Fußgängerzonen und Einkaufszentren, streicht im ersten Quartal 2026 europaweit rund 50 Filialen. Die Hälfte davon – 25 Standorte – entfällt auf Deutschland. Im Gegenzug sollen gerade einmal neun neue Filialen eröffnet werden, davon eine einzige hierzulande. Die Rechnung ist simpel, das Ergebnis ernüchternd.
Kaufzurückhaltung als Symptom einer tieferen Krise
Als Begründung führt das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Bönen ein „härter umkämpftes Marktumfeld", die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher sowie zeitweise gestörte Lieferketten an. Man darf sich an dieser Stelle durchaus die Frage stellen, ob diese Kaufzurückhaltung vom Himmel gefallen ist – oder ob sie nicht vielmehr das logische Ergebnis einer Politik darstellt, die den deutschen Bürgern durch explodierende Energiekosten, steigende Steuerlast und eine galoppierende Inflation systematisch die Kaufkraft entzieht. Wenn selbst Kunden eines Billigdiscounters zweimal überlegen, ob sie sich ein T-Shirt für 3,99 Euro leisten können, dann ist das kein konjunkturelles Zucken mehr. Das ist ein Alarmsignal.
Die Unternehmenssprecherin versuchte zu beschwichtigen: Der Großteil der mehr als 4.200 Filialen in 14 europäischen Ländern arbeite weiterhin profitabel. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine beunruhigende Realität.
Bis zu 400 Standorte auf der Kippe
Die 50 Schließungen könnten nämlich erst der Auftakt zu einem weit größeren Aderlass sein. Branchenberichten zufolge stünden europaweit bis zu 400 Standorte unter verschärfter Beobachtung. Allein in Deutschland sollen rund 170 Filialen Verluste schreiben oder sich gefährlich nah an der Verlustzone bewegen. Kik selbst spricht euphemistisch von einem „Prozess der langfristigen Portfoliobereinigung", der seit 2025 verfolgt werde und sich über die kommenden Jahre erstrecken solle. Übersetzt aus dem Konzernsprech bedeutet das: Es wird noch deutlich mehr Filialen treffen.
Welche Standorte konkret betroffen sind, wollte das Unternehmen bislang nicht verraten. Man bitte „um Verständnis", dass man auf einzelne Standorte aktuell nicht eingehen könne. Für die Beschäftigten, die jeden Morgen zur Arbeit gehen und nicht wissen, ob ihre Filiale morgen noch existiert, dürfte dieses „Verständnis" schwer aufzubringen sein.
Beruhigungspillen für die Belegschaft
Den betroffenen Mitarbeitern versuchte Kik derweil Mut zuzusprechen: Niemand müsse sich um seinen Job sorgen, dank des dichten Filialnetzes könne man „in der Regel" eine Weiterbeschäftigung anbieten. Konkrete Zahlen zu Versetzungen oder gar Entlassungen? Fehlanzeige. Die Formulierung „in der Regel" lässt freilich genügend Spielraum für unangenehme Ausnahmen. Aus Gewerkschafts- oder Betriebsratskreisen liegen bisher keine öffentlichen Einschätzungen zu den tatsächlichen Beschäftigungsperspektiven vor – ein Schweigen, das Bände spricht.
Sparmaßnahmen bis in die Öffnungszeiten
Neben den Filialschließungen greift das Management zu weiteren Kostensenkungsmaßnahmen. Filialen mit schwacher Kundenfrequenz sollen künftig später öffnen oder früher schließen, um Personalkosten zu drücken. Was als pragmatische Optimierung verkauft wird, ist in Wahrheit ein schleichendes Eingeständnis: Die Kunden bleiben weg. Und wer weniger Kunden hat, braucht weniger Öffnungsstunden – eine Abwärtsspirale, die sich selbst beschleunigt.
Stagnierende Umsätze beim Mutterkonzern
Die Geschäftszahlen des Mutterkonzerns Tengelmann untermauern die prekäre Lage. Für das Geschäftsjahr 2023 wurde ein Umsatz von 2,428 Milliarden Euro ausgewiesen; für das Folgejahr erwartete Kik lediglich einen marginalen Anstieg auf 2,430 Milliarden Euro. Zwei Millionen Euro Wachstum bei einem Milliardenumsatz – das ist nicht einmal ein Rundungsfehler, das ist Stagnation in Reinform. Berücksichtigt man die Inflation, handelt es sich de facto um einen realen Umsatzrückgang.
Laut dem Handelsverband Deutschland rechnen 49 Prozent der befragten Händler für 2026 mit sinkenden Umsätzen gegenüber dem Vorjahr. Fast jeder zweite Händler blickt also pessimistisch in die Zukunft. Das ist kein Branchenproblem einzelner Unternehmen – das ist ein strukturelles Versagen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Ein Spiegelbild des deutschen Niedergangs
Kik, 1994 gegründet und mit europaweit mehr als 32.000 Mitarbeitern eine hundertprozentige Tochter der Tengelmann-Gruppe, steht exemplarisch für das, was dem deutschen Einzelhandel insgesamt droht. Wenn selbst Discounter, die am untersten Ende der Preisskala operieren, ihre Standorte nicht mehr halten können, dann offenbart sich das ganze Ausmaß der wirtschaftlichen Misere. Die jahrelange Belastung der Bürger durch eine ideologiegetriebene Energiepolitik, eine ausufernde Bürokratie und eine Steuerlast, die ihresgleichen sucht, fordert ihren Tribut – nicht in abstrakten Statistiken, sondern in geschlossenen Geschäften, verwaisten Innenstädten und verunsicherten Arbeitnehmern.
Es bleibt zu hoffen, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz die richtigen Schlüsse zieht. Doch angesichts eines geplanten 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens, das die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten dürfte, sind Zweifel mehr als angebracht. Der deutsche Mittelstand und die Verbraucher brauchen keine neuen Schuldenorgien – sie brauchen Entlastung. Und zwar jetzt.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











