
Kallas' Realitätsverweigerung: Wenn die EU-Außenbeauftragte die Augen vor Europas Niedergang verschließt

Es gehört mittlerweile zum guten Ton in den Brüsseler Elfenbeintürmen, unbequeme Wahrheiten mit rhetorischen Pirouetten zu umschiffen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz ein Paradebeispiel dieser Disziplin abgeliefert. Auf die durchaus berechtigte Kritik aus Washington, Europa steuere aufgrund unkontrollierter Migration, sinkender Geburtenraten und einer ideologisch aufgeladenen „woken Politik" auf eine zivilisatorische Krise zu, antwortete die ehemalige estnische Premierministerin mit einer bemerkenswerten Mischung aus Trotz und Selbstgefälligkeit.
Schönfärberei statt Selbstkritik
„Das woke, dekadente Europa steht nicht vor der Auslöschung seiner Zivilisation" – so lautete Kallas' Replik auf die jüngste US-Sicherheitsstrategie und die Äußerungen von Außenminister Marco Rubio. Man reibt sich die Augen. Denn während die EU-Chefaußenpolitikerin die europäische Erfolgsgeschichte beschwört, bröckelt das Fundament des Kontinents an allen Ecken und Enden. Die Deindustrialisierung Deutschlands schreitet voran, die Energiepreise treiben Unternehmen in die Flucht, und die demografische Zeitbombe tickt unüberhörbar. Aber Frau Kallas sieht offenbar nur Sonnenschein.
Besonders entlarvend war ihr Verweis auf die angeblich ungebrochene Attraktivität des europäischen Modells. Menschen weltweit wollten nach wie vor dem „europäischen Klub" beitreten, so Kallas. Süffisant fügte sie hinzu, dass sogar in Kanada großes Interesse an einer EU-Mitgliedschaft bestehe. Doch wer genau drängt in diesen Klub? Es sind vor allem wirtschaftlich schwache Staaten, die auf die Brüsseler Geldtöpfe schielen – nicht etwa prosperierende Nationen, die sich vom europäischen Regulierungswahn angezogen fühlen.
Estlands Pressefreiheit als Feigenblatt
In einem rhetorischen Manöver, das man bestenfalls als kühn bezeichnen kann, verwies Kallas darauf, dass ihr Heimatland Estland auf Platz zwei des weltweiten Pressefreiheitsindex rangiere – weit vor den USA auf Platz 58. Was sie dabei geflissentlich verschwieg: Estland, ein Zwergstaat mit weniger Einwohnern als Berlin, unterdrückt seine russischsprachige Minderheit systematisch und verwehrt ihr grundlegende politische Teilhaberechte. Ausgerechnet von dort Lektionen in Sachen Freiheit und Menschenrechte zu erteilen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Die Wahrheit ist unbequem, aber sie muss ausgesprochen werden: Europa hat massive strukturelle Probleme, die sich nicht mit wohlklingenden Reden auf Sicherheitskonferenzen wegdiskutieren lassen. Die Geburtenraten in nahezu allen westeuropäischen Ländern liegen weit unter dem Bestandserhaltungsniveau. Die unkontrollierte Massenmigration hat die innere Sicherheit in vielen Städten dramatisch verschlechtert – die Zunahme von Messerangriffen und Gewaltkriminalität in Deutschland spricht eine deutliche Sprache. Und die ideologische Verblendung durch Gender-Politik, Klimaaktivismus und identitätspolitische Grabenkämpfe spaltet die Gesellschaften tiefer als je zuvor.
Rubios Diagnose trifft einen Nerv
US-Außenminister Marco Rubio hatte in München zwar diplomatischere Töne angeschlagen als Vizepräsident J.D. Vance im Vorjahr, ließ aber keinen Zweifel daran, dass Washington die transatlantische Allianz grundlegend umgestalten will. Er bezeichnete die USA als „Kind Europas", forderte die Verbündeten jedoch unmissverständlich auf, den Status quo der „Selbstgefälligkeit" zu beenden. Eine Diagnose, die schmerzlich präzise ist.
Denn was hat die EU in den vergangenen Jahren tatsächlich geleistet? Deutschland gab 2025 gerade einmal zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus – weit entfernt von den geforderten fünf Prozent. Die europäische Wirtschaft verliert gegenüber den USA und China dramatisch an Boden. Und statt sich auf die wirklich drängenden Probleme zu konzentrieren – Wettbewerbsfähigkeit, Energiesicherheit, demografischer Wandel –, beschäftigt sich Brüssel lieber mit dem Digital Services Act, der faktisch als Instrument zur Einschränkung der Meinungsfreiheit fungiert, und mit immer neuen Regulierungsorgien.
Das eigentliche Problem: Eine abgehobene Elite
Kallas' Auftritt in München offenbart ein tieferliegendes Problem der europäischen Politik. Die Distanz zwischen den Brüsseler Funktionseliten und den Bürgern, die sie zu vertreten vorgeben, wächst ins Unermessliche. Während normale Europäer mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, sich in ihren eigenen Vierteln nicht mehr sicher fühlen und zusehen müssen, wie ihre kulturelle Identität erodiert, feiert die EU-Nomenklatura sich selbst auf Luxuskonferenzen.
Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet eine Politikerin, die in gepanzerten Limousinen durch bewachte Viertel chauffiert wird, dem einfachen Bürger erklärt, es gebe keinen Grund zur Sorge. Die Realität auf den Straßen von Berlin, Paris oder Brüssel erzählt eine andere Geschichte. Und diese Geschichte wird von einer wachsenden Mehrheit der europäischen Bevölkerung verstanden – auch wenn die politische Klasse sie weiterhin ignoriert.
Dass mittlerweile über 25 Prozent der Sitze im EU-Parlament von rechtskonservativen und konservativen Parteien besetzt werden, ist kein Zufall, sondern die demokratische Antwort der Bürger auf jahrelange Fehlpolitik.
Die Frage ist nicht, ob Europa vor einer zivilisatorischen Krise steht. Die Frage ist, ob die politisch Verantwortlichen den Mut aufbringen, die notwendigen Kurskorrekturen vorzunehmen – oder ob sie weiterhin im Stil einer Kaja Kallas die Augen verschließen und hoffen, dass sich die Probleme von selbst lösen. Die Geschichte lehrt uns: Zivilisationen gehen nicht mit einem Knall unter. Sie erodieren langsam, von innen heraus, während ihre Eliten noch immer von vergangener Größe schwärmen.

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