
Kallas warnt vor Zerfall der Weltordnung – doch wer hat sie eigentlich zerstört?

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat vor dem UN-Sicherheitsrat in New York eine düstere Diagnose gestellt: Die Welt erlebe den „größten Zusammenbruch des Völkerrechts seit dem Zweiten Weltkrieg". Eine starke Behauptung. Eine, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte – vor allem, wenn man bedenkt, wer sie ausspricht und welche politische Agenda dahintersteckt.
Die Estin mit der großen Geste
Kallas, die ehemalige estnische Premierministerin, die seit ihrer Ernennung zur EU-Außenbeauftragten vor allem durch markige Worte und weniger durch diplomatische Erfolge aufgefallen ist, sieht die Haupttreiber dieser Erosion in zwei Konflikten: dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem eskalierenden Krieg im Nahen Osten. Den russischen Einmarsch von 2022 bezeichnete sie als „eine der ungeheuerlichsten Verletzungen des Völkerrechts". So weit, so erwartbar.
Doch was Kallas geflissentlich verschweigt, ist mindestens ebenso aufschlussreich wie das, was sie sagt. Kein Wort über die NATO-Bombardierung Jugoslawiens 1999 – ohne UN-Mandat, ohne völkerrechtliche Grundlage, mit Tausenden zivilen Opfern. Kein Wort über den Irakkrieg 2003, der auf einer Lüge über Massenvernichtungswaffen basierte. Kein Wort über die jahrelange Beschießung der russischsprachigen Bevölkerung im Donbass seit 2014, die nach UN-Schätzungen rund 14.000 Menschenleben kostete. Das Völkerrecht, so scheint es, wird in Brüssel nur dann bemüht, wenn es ins eigene Narrativ passt.
Multipolarität als Schreckgespenst
Besonders aufhorchen lässt Kallas' Warnung vor einer „Rückkehr zur Machtpolitik zwischen Großmächten". Eine Multipolarität, die nicht durch die UN-Charta gebunden sei, sei „noch nie friedlich" gewesen, so die Außenbeauftragte. Was sie damit eigentlich sagt: Die unipolare Weltordnung unter westlicher Führung – jene Ordnung, die seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion den Globus dominierte – dürfe nicht infrage gestellt werden.
Doch genau diese Ordnung bröckelt. Nicht erst seit gestern. Die BRICS-Staaten gewinnen an Einfluss, der globale Süden emanzipiert sich zunehmend von westlichen Vorgaben, und selbst innerhalb des Westens wachsen die Fliehkräfte. Dass Kallas dies als „Erosion" des Völkerrechts frammt, statt als natürliche Verschiebung geopolitischer Gewichte, offenbart ein Weltbild, das in den 1990er Jahren stehengeblieben ist.
Die realen Kosten der Eskalation
Während Kallas vor dem Sicherheitsrat philosophiert, spüren die europäischen Bürger die Konsequenzen dieser gescheiterten Außenpolitik längst am eigenen Geldbeutel. Die von den USA angekündigte Seeblockade der Straße von Hormus – einer Arterie des globalen Ölhandels, durch die rund ein Fünftel der weltweiten Produktion fließt – treibt die Energiepreise in die Höhe. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beziffert die zusätzlichen Energiekosten für die EU auf 22 Milliarden Euro. Zweiundzwanzig Milliarden. Man lasse sich diese Zahl einmal auf der Zunge zergehen.
Brüssel prüfe nun „Notmaßnahmen", darunter gelockerte Beihilferegeln und eine „beschleunigte Elektrifizierung". Letzteres klingt verdächtig nach dem ideologischen Umbau der Energieversorgung, den man ohnehin vorantreiben wollte – nun eben unter dem Deckmantel der Krise. Eine Strategie, die man aus der Corona-Zeit und der Klimadebatte bestens kennt.
Wer warnt hier eigentlich vor wem?
Die eigentliche Frage, die sich bei Kallas' dramatischem Auftritt stellt, ist eine unbequeme: Hat nicht gerade die westliche Politik der vergangenen Jahrzehnte – die NATO-Osterweiterung, die Regime-Change-Operationen, die Sanktionsspirale, die Weigerung, diplomatische Lösungen ernsthaft zu verfolgen – maßgeblich zu jenem Zerfall beigetragen, den die EU-Außenbeauftragte nun so wortreich beklagt? Kallas selbst, die als estnische Politikerin stets zu den schärfsten Russland-Falken gehörte, hat an dieser Eskalationsspirale kräftig mitgedreht.
Eine „fragile Waffenruhe" biete noch eine „dringend benötigte Gelegenheit für Verhandlungen", räumte Kallas immerhin ein. Doch diese stehe „auf der Kippe". Man fragt sich unwillkürlich: Wäre es nicht klüger gewesen, diese Verhandlungen zu führen, bevor man Hunderte Milliarden in Waffen und Sanktionen investierte? Bevor man die eigene Energieversorgung mutwillig zerstörte? Bevor man eine ganze Generation europäischer Bürger mit explodierenden Lebenshaltungskosten belastete?
Europa braucht Diplomaten, keine Scharfmacher
Was Europa in dieser historisch fragilen Lage bräuchte, wären besonnene Staatsmänner und -frauen, die den Mut zur Diplomatie aufbringen. Stattdessen sitzen in Brüssel Ideologen, die jede Krise als Rechtfertigung für mehr Zentralismus, mehr Aufrüstung und mehr Kontrolle nutzen. Kallas' Rede vor dem Sicherheitsrat war weniger eine Warnung an die Welt als vielmehr ein Plädoyer für die eigene Unentbehrlichkeit – und die der EU-Bürokratie.
Für den deutschen Bürger bedeutet diese Politik vor allem eines: steigende Preise, wachsende Unsicherheit und eine politische Klasse, die lieber moralische Reden schwingt, als pragmatische Lösungen zu suchen. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz wäre gut beraten, sich nicht blind in das außenpolitische Fahrwasser Brüssels ziehen zu lassen, sondern eigenständig deutsche Interessen zu vertreten. Denn am Ende zahlt nicht Kaja Kallas die Rechnung für diese verfehlte Politik – sondern der europäische Steuerzahler.
In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und steigender Energiekosten erweist sich einmal mehr, dass physische Edelmetalle wie Gold und Silber als bewährte Instrumente der Vermögenssicherung ihre Berechtigung haben. Wer sein Portfolio breit aufstellt und einen Teil in reale Werte investiert, schützt sich gegen die Unwägbarkeiten einer zunehmend instabilen Weltordnung.

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