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22.10.2026
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Kampf um VW Zwickau: IG Metall lässt Kretschmers Rettungsplan abblitzen

Kampf um VW Zwickau: IG Metall lässt Kretschmers Rettungsplan abblitzen
Symbolbild: KI-generiert

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will das VW-Werk Zwickau in eine neue „AutoUnion Sachsen GmbH“ überführen und es so vor dem Aus retten. Die IG Metall hat am Mittwoch prompt reagiert und sagt Nein zu längeren Arbeitszeiten und Lohneinbußen. Auf dem Spiel stehen rund 8000 Arbeitsplätze und mit ihnen das industrielle Herz Westsachsens.

Gewerkschaft zieht die rote Linie

Das Engagement des Regierungschefs begrüße man zwar grundsätzlich, ließ die IG Metall wissen. Jede Einmischung der Politik in die Tarifautonomie lehne man aber ab. Jan Otto, Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen, wurde nach erster Lektüre des Konzepts deutlich:

„Längere Arbeitszeiten und eine Lohndrückerei sind das völlig falsche Instrument, lösen keine Probleme und stoßen auf den entschiedenen Widerstand der Beschäftigten, der Betriebsräte und der IG Metall.“

Über Arbeitsbedingungen und Entgelte entschieden allein die Tarifparteien, so Otto. Wichtiger sei eine bessere Auslastung der Standorte, und darüber wolle man gern reden. Thomas Knabel von der IG Metall Zwickau ergänzte, die Belegschaft im Werk Mosel sei hochflexibel und habe längst ihren Beitrag geleistet. Jetzt sei Volkswagen gefordert.

Was das Papier wirklich verlangt

Kretschmers Konzept ist kein Wellnessprogramm. Die Beschäftigten sollen in eine eigenständige Gesellschaft mit neuem Tarifrahmen wechseln. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Drei-Schicht-System im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes
  • zusätzliche, unbezahlte „Gestaltungszeit“ für Qualifizierung, Wartung und Prozessoptimierung
  • Produktion nach Nachfrage, Gewinnbeteiligung in guten Zeiten, Kostenanpassung in schlechten
  • selbst verursachte Nacharbeit nach dem Verursacherprinzip, notfalls am Samstag
  • Grundvergütung plus erfolgsabhängige Sonderzahlung sowie steuerbegünstigte Abfindungen für den Wechsel

Mehr Leistung gegen mehr Beteiligung also. Das klingt nach Marktwirtschaft und weniger nach Flächentarif. Kritiker sehen darin allerdings vor allem eine Lohnsenkung im neuen Gewand.

Applaus und Spott aus dem Landtag

Die Grünen werfen Kretschmer vor, das Werk zerschlagen zu wollen. Ihr Abgeordneter Wolfram Günther sagte, so werde Zwickau zur „verlängerten Werkbank“. Das ist durchaus bemerkenswert. Gerade die Partei, deren Klimapolitik die Autoindustrie in die teure Elektro-Wende getrieben hat, vermisst jetzt plötzlich eine „Zukunftsvision“.

Linken-Fraktionschefin Susanne Schaper lobte immerhin, dass Kretschmer Druck auf VW mache. Für die Probleme sei aber hauptsächlich das Management verantwortlich. Der Zwickauer CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Körber warnte dagegen, ohne Bewegung aller Seiten drohe der Kollaps der Zulieferindustrie.

Der Konzern schweigt, die Uhr läuft

Die Lage ist dramatisch. Ab 2031 soll die Produktion in Zwickau auslaufen. Dabei hatte VW das Werk vor wenigen Jahren als erstes Großwerk komplett auf Elektroautos umgestellt. Das war ein Prestigeprojekt, das heute wie eine Wette auf eine Nachfrage wirkt, die so nie gekommen ist.

Gleichzeitig verschärft Wolfsburg den Sparkurs. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge will der Konzern die Gehälter seiner weltweit rund 660.000 Beschäftigten bis 2030 einfrieren. Zuvor hatte VW bereits die Kündigung mehrerer Tarifverträge angekündigt. Öffentlich äußert sich VW zu Kretschmers Plänen bisher nicht.

Ein Name mit Geschichte

Kretschmer erinnert bewusst an die Auto Union, die 1932 in Chemnitz aus Audi, DKW, Horch und Wanderer entstand und nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet wurde. Man lasse sich „nicht länger abspeisen“, schrieb er auf X. Neben dem Tarifumbau setzt er auch auf humanoide Roboter.

Ob das ein Befreiungsschlag ist oder eher ein Akt der Verzweiflung, wird sich erst noch zeigen. Klar ist schon jetzt: Hohe Energiepreise, viel Bürokratie und politische Vorgaben zur Antriebswende haben dem Industriestandort Deutschland schwer zugesetzt. In Zwickau wird nun sichtbar, was das für eine ganze Region bedeuten kann.

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