
Kehrtwende in der Autobranche: Jetzt sollen Zölle gegen China her

Jahrelang war die deutsche Autoindustrie der lauteste Gegner von Handelsbarrieren. Nun bahnt sich offenbar ein Kurswechsel an: Der Verband der Automobilindustrie (VDA) prüft nach Angaben einer Sprecherin gegenüber einem Wirtschaftsblatt, ob seine handelspolitischen Positionen angepasst werden müssen. Auslöser ist der wachsende Druck chinesischer Hersteller auf dem europäischen Markt.
Der Verband richtet dabei eine deutliche Botschaft nach Peking. Es liege auch „an China, mit konstruktiven Vorschlägen auf Europa zuzugehen und wettbewerbsverzerrendes Verhalten konsequent und schnell zu stoppen“, hieß es demnach aus dem VDA.
Von 0,5 auf zehn Prozent — in nur fünf Jahren
Die Zahlen sind unmissverständlich. Der Marktanteil chinesischer Hersteller in Europa ist über alle Antriebsarten hinweg seit 2021 von 0,5 Prozent auf knapp zehn Prozent gestiegen — Nicht-EU-Staaten wie Großbritannien und Norwegen eingerechnet.
Der Grund liegt laut dem Bericht in massiven Überkapazitäten: Weil der chinesische Heimatmarkt, der größte Automobilmarkt der Welt, derzeit schwächelt, drängen die Fabriken mit ihren Fahrzeugen nach Europa. Wer im Inland nicht verkaufen kann, exportiert eben.
Bereits im Vormonat hatte VW-Konzernchef Oliver Blume gefordert, die bestehenden EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos auch auf Plug-in-Hybride auszuweiten. In Industriekreisen werde zudem diskutiert, weitere Hybridantriebe in mögliche Schutzmaßnahmen einzubeziehen.
Die Uhr in Brüssel läuft
Der Zeitdruck ist real: Im Oktober endet auf EU-Ebene eine Prüffrist, um konkrete Handelsschutzmaßnahmen gegen China vorzubereiten. Ein Positionswechsel des mächtigen Branchenverbands könnte auch die Bundesregierung bewegen — Berlin galt bislang als Bremser, weil deutsche Hersteller im China-Geschäft besonders exponiert sind.
Zur Erinnerung: Seit Ende Oktober 2024 erhebt die EU Ausgleichszölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent auf E-Autos aus China, nachdem die Kommission unfaire Subventionen festgestellt hatte. Getroffen wurden auch westliche Konzerne mit Produktion in China — laut Berichten etwa BMW mit 20,7 Prozent und Tesla mit 7,8 Prozent.
Mindestpreise statt Zölle — wem hilft das?
Im Januar 2026 verständigten sich Kommission und chinesisches Handelsministerium dann auf Leitlinien für Mindestimportpreise: Wer sich verpflichtet, nicht unter einer bestimmten Schwelle zu verkaufen, kann die Zusatzzölle vermeiden. Die chinesische Handelskammer in Brüssel sprach von einer „sanften Landung“.
Kritiker halten dieses Konstrukt für einen fragwürdigen Deal: Statt Zolleinnahmen für den Staatshaushalt gebe es höhere Preise für europäische Kunden — und höhere Margen für chinesische Anbieter. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall vor allem, wie sehr sich Brüssel in eine industriepolitische Zwickmühle manövriert hat: Erst wurde die E-Mobilität per Verbrenner-Aus regulatorisch erzwungen, dann staunt man über die Konkurrenz, die dieses Feld längst dominiert.
Was das für Sparer bedeutet
Für Deutschlands Schlüsselindustrie geht es um mehr als Marktanteile. Rund jeder siebte Industriearbeitsplatz hängt hierzulande am Auto — Handelskonflikte, Trumps Zollpolitik und der chinesische Preiskampf treffen exportabhängige Wertschöpfungsketten gleichzeitig.
Wenn Handelsströme zu politischen Faustpfändern werden, wächst traditionell das Interesse an Vermögenswerten, die keiner Regierung und keinem Quartalsbericht unterliegen. Physisches Gold und Silber haben in solchen Phasen historisch als Stabilitätsanker gedient — als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen, nicht als Wette.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.
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