
Kein Strom für die KI: Microsoft lässt Prestige-Projekt platzen!

Microsoft hat sich aus einem milliardenschweren KI-Rechenzentrum im englischen Loughton in der Grafschaft Essex zurückgezogen. Der Grund dürfte für einen Hightech-Standort peinlich sein: Strom fehlt. Laut übereinstimmenden Medienberichten kann der Netzbetreiber UK Power Networks die benötigte Leistung erst in den 2030er-Jahren liefern, geplant war der Start eigentlich für 2027.
Damit steht das Vorzeigeprojekt der britischen Regierung ohne seinen wichtigsten Kunden da. Und es stellt sich eine Frage, die auch in Berlin jemand beantworten sollte: Was nützt die schönste KI-Strategie, wenn kein Strom aus der Steckdose kommt?
23.000 Nvidia-Chips, aber kein Netzanschluss
Für Großbritannien sollte es etwas Großes werden. Der britische Betreiber Nscale plante in Loughton zunächst eine Anschlussleistung von 50 Megawatt, die sich auf 90 Megawatt erweitern lassen sollte. Vorgesehen waren rund 23.000 Hochleistungsprozessoren von Nvidia. Microsoft hatte Kapazitäten reserviert und wollte damit seine Cloud-Plattform Azure versorgen.
Aus dem Projektumfeld heißt es, ausreichende Netzkapazitäten gebe es frühestens Anfang bis Mitte der 2030er-Jahre. Der Start verschiebt sich damit um mindestens drei Jahre. Mit diesem Zeitplan lässt sich nicht mehr wirtschaftlich rechnen, und Microsoft hat die Vereinbarung beendet. Der Konzern betonte Medienberichten zufolge, er halte an der Partnerschaft mit Nscale fest. Die Entscheidung betreffe nur diesen einen Standort, Projekte wie das in Norwegen liefen weiter.
Große Ankündigungen, leeres Gelände
Die britische Regierung hatte das Vorhaben 2025 als Herzstück ihrer nationalen KI-Strategie gefeiert. Die Rede war von rund zwei Milliarden Pfund Investitionen und bis zu 750 Arbeitsplätzen. In der Praxis sah es anders aus: Im März 2026 lagerte auf dem vorgesehenen Gelände noch ein Gerüstbaubetrieb. Inzwischen hat Nscale die Fläche geräumt.
Für das von Nvidia unterstützte Unternehmen kommt der Rückschlag zu einem heiklen Zeitpunkt. Nscale strebt einen Börsengang in New York an, zuletzt war eine Bewertung von bis zu 35 Milliarden Dollar im Gespräch. Ohne festen Netzanschluss und ohne den einzigen öffentlich bekannten Ankerkunden dürfte es deutlich schwieriger werden, Investoren zu überzeugen. Nscale will am Standort festhalten. Das Unternehmen prüft alternative Energiequellen, eigene Stromerzeugung direkt vor Ort und weitere Standorte in Großbritannien.
73 Gigawatt in der Warteschlange
Loughton ist kein Einzelfall. Nach Angaben der Financial Times warten in Großbritannien 315 Rechenzentrumsprojekte mit zusammen rund 73 Gigawatt Anschlussleistung auf einen Netzanschluss. Die britische Spitzenlast lag zuletzt bei etwa 45 Gigawatt. Dabei handelt es sich zwar um beantragte und nicht um gleichzeitig benötigte Leistung. Das Missverhältnis ist trotzdem gewaltig.
KI-Rechenzentren brauchen enorme Strommengen, und das rund um die Uhr. Durch ihre hohe Leistungsdichte kommt ein erheblicher Kühlbedarf hinzu. Neue Kraftwerke allein lösen das Problem nicht. Am jeweiligen Standort müssen auch die Übertragungs- und Verteilnetze die Leistung aufnehmen können.
Und Deutschland?
Hierzulande ist die Lage kaum besser. Medienberichten zufolge warten Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet teils bis zu 13 Jahre auf einen Stromanschluss. Aus Frankfurt, dem wichtigsten Datenknoten des Landes, heißt es, weitere Rechenzentren könnten voraussichtlich erst Mitte der 2030er-Jahre angeschlossen werden. Gleichzeitig hat Deutschland seine Kernkraftwerke abgeschaltet. In den USA dagegen setzen Microsoft, Google, Amazon und Meta längst auf Atomstrom für ihre KI-Anlagen.
Ankündigungen liefern keinen Strom
Der Fall Loughton zeigt deutlich, wie weit politische Ankündigungen und physische Wirklichkeit auseinanderliegen können. Pressekonferenzen ersetzen weder Kraftwerksleistung noch Umspannwerke. Wer jahrelang auf einen Netzanschluss warten muss, investiert anderswo. Die digitale Zukunft hängt an Kupferleitungen, Transformatoren und verlässlicher Grundlast. Daran muss sich jede Regierung messen lassen, auch die in Berlin, die mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur viel verspricht.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser ist angehalten, eigene Recherchen anzustellen, und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.
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