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Kettner Edelmetalle
12.06.2026
14:59 Uhr

KI statt Köpfchen: Tagesspiegel-Ex-Herausgeber fliegt auf – die Glaubwürdigkeitskrise des deutschen Journalismus

Es ist eine Geschichte, die in ihrer Symbolik kaum besser auf den Punkt bringen könnte, wie tief der Zustand der deutschen Medienlandschaft mittlerweile gesunken ist. Stephan-Andreas Casdorff, einst Herausgeber des Berliner Tagesspiegels und zuletzt als „Editor-at-large“ tätig, darf vorerst keine einzige Zeile mehr für die Zeitung veröffentlichen. Der Grund? Er ließ seine Kommentare offenbar großflächig von einer Künstlichen Intelligenz formulieren – und vergaß dabei nur eine Kleinigkeit: die Sache kenntlich zu machen.

Wenn der Meinungsmacher selbst keine Meinung mehr formuliert

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Ein Mann, der jahrelang den Bürgern erklären wollte, wie sie die Welt zu sehen haben, ein Mann, dessen Wort als publizistische Instanz galt – und ausgerechnet dieser Mann bemüht eine Maschine, um seine eigenen Gedanken zu Papier zu bringen. Der Tagesspiegel teilte am Freitag in eigener Sache mit, dass Casdorff „bis auf Weiteres“ nicht mehr publizistisch tätig sein werde. Die fraglichen Texte wurden vom Netz genommen, bis eine Prüfung abgeschlossen sei.

„Ich habe einen Riesenfehler gemacht, habe dem Haus geschadet und mir. Dafür bitte ich von ganzem Herzen um Entschuldigung“, ließ sich Casdorff zitieren.

Eine Entschuldigung, die ehrlich klingt – und doch eine grundsätzliche Frage aufwirft: Wie viel ist eine Meinung noch wert, wenn sie nicht einmal mehr von einem Menschen stammt, sondern von einem Algorithmus zusammengeklöppelt wird, der bekanntermaßen erst einmal das vorherrschende Regierungsnarrativ als Wahrheit ausspuckt?

Die Redaktion gibt sich plötzlich prinzipientreu

Pikant ist die Stellungnahme des Tagesspiegels selbst. KI sei zwar ein „Werkzeug“, das einzelne Arbeitsschritte erleichtere, dürfe aber „definitiv“ nicht den Kern journalistischer Arbeit übernehmen. Die Urteilsbildung, die sprachliche Gestaltung, die Gewichtung von Informationen – all das müsse in der Verantwortung der Autoren liegen. Schöne Worte. Doch wer die immer gleichen, gestanzten Formulierungen und Narrative der etablierten Blätter kennt, der fragt sich unweigerlich: Wo genau verläuft eigentlich die Grenze zwischen einem KI-generierten Meinungstext und dem üblichen redaktionellen Einheitsbrei?

Die Wahrheit ist unbequem. Über Jahre hinweg wurden Leser mit vorhersehbaren, austauschbaren Kommentaren versorgt, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Dass nun ausgerechnet eine Maschine diese Routine so mühelos imitieren konnte, dass sie wochenlang unbemerkt blieb, ist vielleicht das vernichtendste Urteil über den Zustand dieses Journalismus.

Ein Fall, der nicht alleine steht

Casdorff ist kein Einzelfall. Aufgedeckt wurde der Einsatz durch eine Anfrage des Plagiatsjägers Stefan Weber, der dem Editor-at-large eine Frist von 48 Stunden setzte. Daraufhin räumte dieser ein. Parallel dazu kursiert eine ganze Debatte: Auch Thüringens Ministerpräsident soll Gastbeiträge und mutmaßlich mehrere Reden mit KI haben verfassen lassen. In einem Text, in dem es um Handynutzung bei Kindern ging, fanden Analysten gleich drei angeblich erfundene Wissenschaftler-Zitate. Selbst eine Gedenkrede zur Auschwitz-Befreiung soll teilweise maschinell entstanden sein.

Man stelle sich das vor: Ein höchst sensibles, höchst emotionales Thema – und der Verantwortliche bringt es nicht einmal fertig, ein paar eigene, aufrichtige Worte zu finden. Es ist symptomatisch für eine polit-mediale Klasse, die jede Messlatte ihres geistig-moralischen Niveaus immer weiter nach unten reißt.

Vertrauen ist die härteste Währung

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass das Vertrauen in die etablierten Medien aus gutem Grund schwindet. Wenn diejenigen, die mahnend mit dem Zeigefinger auf andere zeigen, selbst zur Mogelpackung greifen, dann verspielen sie das wertvollste Gut, das sie besitzen: ihre Glaubwürdigkeit. Und diese Erkenntnis teilt längst nicht nur unsere Redaktion, sondern ein wachsender Teil der Bürger, die genug haben von Phrasen vom Fließband.

Es gibt eine Lehre, die weit über den Journalismus hinausreicht: In einer Welt, in der Worte beliebig, austauschbar und manipulierbar werden, gewinnt das an Wert, was echt, greifbar und unverfälscht ist. Was in tausend Jahren noch denselben Wert besitzt. Während Maschinen Texte produzieren und Vertrauen zerbröselt, behalten physische Werte wie Gold und Silber ihre stille, unbestechliche Substanz. Sie lügen nicht, sie täuschen nicht, sie lassen sich von keinem Algorithmus schönrechnen. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie ein Anker in unsicheren Zeiten – ehrlicher jedenfalls als so mancher Leitartikel.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Investition eigenständig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.

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