
Kik kappt 150 Filialen: Wenn selbst der Billig-Riese die Reißleine zieht

Es gibt Frühwarnindikatoren, die in keinem Konjunkturbericht des Statistischen Bundesamtes auftauchen – und trotzdem mehr über die Lage der Nation verraten als jede Pressekonferenz im Kanzleramt. Ein solcher Indikator sind die Schaufenster der Billig-Ketten. Und dort prangt derzeit ein Wort besonders häufig: Räumungsverkauf.
Der Textildiscounter Kik mit Sitz im nordrhein-westfälischen Bönen schließt in diesem Jahr rund 150 Filialen in Deutschland. Dagegen stehen gerade einmal 15 Neueröffnungen. Europaweit sieht das Bild noch drastischer aus: 300 Schließungen, 75 Neueröffnungen. Ein Netz, das über Jahre gewachsen ist, wird nun mit spitzer Schere zurückgeschnitten.
München-Aubing, Gröditz, Potsdam-Babelsberg – die Liste wächst weiter
Neu auf der Streichliste stehen unter anderem die Filiale in München-Aubing, in der zum 12. September das Licht ausgeht, sowie der Standort in Gröditz in Sachsen, der einen Tag zuvor, am 17. September, dichtmacht. Beides hat das Unternehmen inzwischen bestätigt – die wirtschaftlichen Gründe wurden dabei nicht weiter erläutert. In Potsdam-Babelsberg soll zum Jahresende Schluss sein. In Hamm treffen es gleich zwei Läden, in Vechta war zum 5. August Feierabend, in Brandenburg an der Havel bereits zum 16. Juli. Bad Windsheim, Vetschau, Gieboldehausen – überall dasselbe Muster.
Von Bopfingen über Wunsiedel, Hagenow, Dessau bis Hildburghausen zieht sich die Spur der geschlossenen Türen quer durch die Republik. Auffällig: Es sind überwiegend kleine und mittlere Städte, ostdeutsche Regionen, Randlagen. Genau dort also, wo der Discounter für viele Familien mit knappem Budget keine Konsumoption, sondern eine Notwendigkeit war.
„Wir trimmen unser Portfolio auf Profitabilität“
Die offizielle Erklärung liefert der Geschäftsführer und Finanzvorstand des Unternehmens, der im Frühjahr gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärte, man habe zu dicht expandiert und baue das nun zurück. In manchen Fällen lägen Filialen weniger als einen Kilometer voneinander entfernt. Die Rechnung, fünf neue Läden bedeuteten fünfmal so viele Kunden, sei nicht vollständig aufgegangen.
„Wir setzen unseren 2025 gestarteten Weg der Optimierung unseres Filialnetzwerks konsequent und planvoll fort“ – so lässt sich die Pressestelle vernehmen. Zu einzelnen Standorten wolle man sich nicht äußern.
Man darf das glauben. Man darf aber auch fragen: Ist es wirklich nur Portfolio-Kosmetik, wenn ein Konzern mit über 2.200 verbleibenden Filialen in einem Jahr 150 Standorte einkassiert? Oder erzählt diese Zahl nicht auch etwas darüber, wie es der Kaufkraft in diesem Land ergangen ist?
Die stille Erosion der Innenstädte
Wer in den vergangenen Jahren durch die Fußgängerzonen deutscher Kleinstädte gelaufen ist, kennt das Bild: Leerstand, Ein-Euro-Läden, Barbershops, dazwischen ein Bäcker, der aufgibt. Kaufhof und Karstadt haben ganze Innenstadtkerne ausgehöhlt, Modeketten sind reihenweise verschwunden. Nun folgt auch der Discounter, der eigentlich als krisenresistent galt. Denn wenn die Leute sparen, dachte man, dann kaufen sie eben bei Kik. Dass selbst dieses Kalkül nicht mehr trägt, sollte in Berlin eigentlich Alarmglocken auslösen.
Doch die Politik ist mit anderem beschäftigt. Mit Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe, deren Zinsen kommende Generationen abstottern dürfen. Mit einer im Grundgesetz verankerten Klimaneutralität, die Energiepreise auf einem Niveau hält, das jeden Handel mit dünner Marge erwürgt. Mit einer Bürokratie, die Filialbetreiber in Dokumentationspflichten erstickt. Der Mindestlohn steigt, die Nebenkosten steigen, die Mieten in den frequenzstarken Lagen steigen – und am Ende steigt vor allem eines: die Zahl der Rollgitter, die nicht mehr hochgehen.
Was bleibt, wenn selbst das Billige zu teuer wird
Ein Textildiscounter, der Filialen schließt, ist keine Schlagzeile von historischem Rang. Aber er ist ein Symptom. Denn hinter jeder dieser 150 Adressen stehen Beschäftigte, oft Frauen in Teilzeit, oft in Regionen, in denen der nächste Arbeitsplatz nicht um die Ecke liegt. Und es stehen Kunden dahinter, die jetzt weiter fahren müssen – mit dem Auto, das ebenfalls immer teurer wird.
Wer wissen will, wie es einer Volkswirtschaft wirklich geht, sollte weniger auf Börsenkurse und mehr auf die Ladenzeilen schauen. Dort wird die Bilanz einer Wirtschaftspolitik geschrieben, die den eigenen Mittelstand seit Jahren wie einen Kostenfaktor behandelt und nicht wie das Fundament, auf dem dieses Land einmal gebaut wurde.
Vermögen sichern, wenn die Substanz schwindet
Wenn Kaufkraft erodiert und staatliche Schuldenprogramme die Geldentwertung befeuern, stellt sich für den Sparer die alte Frage neu: Was behält seinen Wert, wenn Papierversprechen an Substanz verlieren? Physische Edelmetalle – Gold und Silber in der eigenen Hand, nicht als Zertifikat in irgendeinem Depot – haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie politische Fehlentscheidungen überdauern. Als solide Beimischung in einem breit gestreuten Vermögensaufbau bleiben sie das, was sie immer waren: eine Versicherung gegen die Verlässlichkeit derer, die uns regieren.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jeder Leser ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für individuelle Fragen sollten qualifizierte Fachleute konsultiert werden.
- Themen:
- #Insolvenzen
- #Energie
- #Gold
- #Silber
- #BIP












