
Kliniken im Sturzflug: Drei von vier Häusern schreiben rote Zahlen!

Deutschlands Krankenhäuser stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Laut der neuen Krankenhausstudie 2026 der Münchner Unternehmensberatung Roland Berger haben 73 Prozent der Kliniken das Jahr 2025 mit einem Defizit abgeschlossen. Die Studienautoren rechnen mit einer Pleitewelle. Ausgerechnet das Sparpaket der Bundesregierung dürfte die Lage noch verschärfen.
Die Reserven sind aufgebraucht
Für die Untersuchung wurden rund 600 Geschäftsführer und Ärztliche Direktoren befragt, von kleinen Häusern der Grundversorgung bis zu Universitätskliniken. Der Anteil der Häuser im Minus ist im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht gesunken. Die Löcher selbst werden aber tiefer.
Bei 56 Prozent der Kliniken lag der Verlust am Jahresende bei mehr als zehn Prozent des Umsatzes, in manchen Häusern sogar bei einem Viertel. Nach Einschätzung der Berater rutscht damit ein Großteil der Krankenhäuser unter die Grenze dessen, was finanziell noch tragbar ist. Viele hingen inzwischen vollständig am Tropf ihrer Träger, also meist der Kommunen, Kirchen oder privaten Konzerne. Studien-Mitautor Jonas Hollacher wird mit einer düsteren Prognose zitiert:
„Die Zahl der Insolvenzen wird wahrscheinlich stark steigen.“
Verluste mit Ansage
Ein Detail der Studie zeigt, wie tief der Pessimismus inzwischen sitzt. 84 Prozent der Klinikchefs geben an, ihr Jahresziel 2025 erreicht zu haben. Das klingt nach Erfolg. In Wahrheit hatten die meisten die Verluste schlicht von vornherein eingeplant.
Die Verschlechterung werde nicht mehr als Überraschung erlebt, sondern bewusst einkalkuliert, heißt es sinngemäß in dem Papier. Ein Krankenhaus, das stolz meldet, sein geplantes Minus erreicht zu haben: Treffender lässt sich der Zustand des deutschen Gesundheitssystems kaum beschreiben.
Sparen am Krankenbett
Wer zahlt die Zeche? Wie so oft das Personal und am Ende die Patienten. Laut Umfrage planen 68 Prozent der Häuser Einschnitte beim Pflegepersonal, in den übrigen Abteilungen sind es sogar 86 Prozent. Gut die Hälfte will Investitionen verschieben oder ganz streichen.
Roland-Berger-Partner Peter Magunia warnt, dies verbessere Ergebnis und Liquidität nur vorübergehend, die Verluste seien mittlerweile schlicht zu hoch. Ohne tiefgreifende strukturelle Maßnahmen könne kein Krankenhaus seine Zukunft langfristig sichern.
Berlin dreht die Daumenschraube weiter
Zusätzlichen Druck erzeugt das im Juli von Bundestag und Bundesrat beschlossene Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Es soll weitere Beitragserhöhungen bei den gesetzlichen Krankenkassen verhindern. Den Preis zahlen die Leistungserbringer: Die befragten Klinikchefs erwarten im Schnitt sieben Prozent weniger Einnahmen. Laut Haushaltsausschuss soll das Paket die Kassen 2027 um 18,8 Milliarden Euro entlasten, bis 2030 sogar um 37,9 Milliarden Euro.
Obendrein ist zum 1. November der befristete Rechnungszuschlag von 3,25 Prozent weggefallen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht darin erhebliche Risiken für die flächendeckende Versorgung. Auch der Hausärzteverband sowie zahlreiche Landes- und Kommunalpolitiker hatten gegen das Gesetz protestiert.
Ein System, das immer mehr kostet und immer weniger leistet
Das eigentliche Paradox: Am Geld allein scheint es nicht zu liegen. Offiziellen Zahlen zufolge stiegen die Ausgaben der Kassen für Krankenhausbehandlungen von 81,55 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 111,53 Milliarden Euro im Jahr 2025. Trotzdem rutschen immer mehr Häuser in die Verlustzone.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt das, wie wenig die Politik das Problem im Griff hat. Erst gab es jahrelang Reformankündigungen, jetzt wird der Rotstift angesetzt. Die Beitragszahler bekommen dafür keine bessere Versorgung, sondern womöglich längere Wege zur nächsten Notaufnahme. Zwei Drittel der Klinikchefs rechnen jedenfalls damit, dass sich die Lage in den kommenden Jahren weiter verschlechtert. Gerade auf dem Land dürften viele Bürger das bald zu spüren bekommen.
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