
Kriegsminister Hegseth droht Iran mit Bombardierung der Stromversorgung – Eskalation im Nahen Osten nimmt bedrohliche Ausmaße an
Die Lage im Nahen Osten spitzt sich in einer Weise zu, die selbst hartgesottene Beobachter der Weltpolitik erschaudern lässt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth – ein Mann, der sich offenbar mit einer gewissen Selbstgefälligkeit als „Kriegsminister" bezeichnet – hat auf einer Pressekonferenz im Pentagon unverhohlen mit der Bombardierung der iranischen Energieinfrastruktur gedroht. Stromversorgung, Kraftwerke, zivile Infrastruktur: All das stehe auf der Abschussliste, sollte Teheran nicht einlenken.
Wenn Diplomatie zur Drohkulisse verkommt
Die Worte Hegseths waren unmissverständlich. Er forderte die iranische Führung auf, „weise zu entscheiden", und kündigte an, die amerikanische Seeblockade iranischer Häfen werde „so lange wie nötig" aufrechterhalten. Sollte der Iran sich „falsch entscheiden", so Hegseth wörtlich, würden Bomben auf Infrastruktur, Stromversorgung und Energieanlagen niedergehen. Man muss sich diese Worte auf der Zunge zergehen lassen: Ein hochrangiger Regierungsvertreter der mächtigsten Militärnation der Erde droht offen damit, die zivile Lebensgrundlage eines ganzen Volkes zu zerstören.
Nach internationalem Recht könnte das gezielte Angreifen ziviler Infrastruktur ein Kriegsverbrechen darstellen. Mehr noch: Bereits die Androhung solcher Angriffe verstößt laut UN-Charta gegen geltendes Völkerrecht. Doch wen kümmert das noch in einer Welt, in der die regelbasierte Ordnung offenbar nur dann gilt, wenn es den Mächtigen in den Kram passt?
Trumps Oster-Drohung als Vorspiel
Hegseths Äußerungen reihen sich nahtlos in die Rhetorik seines Vorgesetzten ein. Präsident Donald Trump hatte bereits an Ostern – ausgerechnet am höchsten christlichen Feiertag – angekündigt, die US-Regierung werde „die gesamte Zivilisation des Iran auslöschen", sollte dessen Führung den amerikanischen Forderungen nicht nachkommen. Eine Wortwahl, die in ihrer Brutalität kaum zu überbieten ist und die man sich von einem Staatsoberhaupt, das sich als Friedensstifter inszeniert, eigentlich nicht vorstellen möchte.
General Dan Caine, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, erklärte unterdessen, dass die US-Streitkräfte die aktuelle Feuerpause nutzten, um sich neu zu gruppieren. Die Seeblockade solle sogar über den Nahen Osten hinaus ausgeweitet werden – bis in den Pazifik, um Versorgungsschiffe abzufangen. Die US-Marine habe sich bereits einige Hundert Kilometer vor der Meerenge von Hormus positioniert, strategisch außerhalb der Reichweite iranischer Raketen.
Israel bereit zur Wiederaufnahme des Krieges
Auch Israels Premierminister Benjamin Netanjahu goss kräftig Öl ins Feuer. In einer Videoansprache erklärte er, Israel sei bereit, den Krieg mit dem Iran wieder aufzunehmen. Die Ziele Israels und der USA stimmten überein: Die Entfernung des angereicherten Materials aus dem Iran, die Beseitigung seiner Anreicherungskapazitäten und die Wiederöffnung der Meerenge von Hormus. „Es ist noch zu früh, um zu sagen, wie das enden wird", räumte Netanjahu ein, betonte aber, man sei „auf jedes Szenario vorbereitet".
Was im Südlibanon geschieht, verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Während Netanjahu angeblich ein Telefonat mit dem libanesischen Staatspräsidenten Joseph Aoun anstrebte – es wäre das erste bekannte Gespräch dieser Art gewesen –, ließ er gleichzeitig weiter Angriffe auf zivile Ziele und Dörfer im Südlibanon fliegen. Aoun lehnte ein solches Gespräch ohne vorherigen Waffenstillstand ab. Verständlich, wenn man bedenkt, dass Israel das Gebiet offenbar annektieren will und bereits über eine Million Menschen vertrieben haben soll. Zivile Häuser seien systematisch gesprengt worden, teilweise vor den Augen ihrer Bewohner.
Die Doppelstrategie Netanjahus
Die Verhandlungen mit dem Libanon verfolgten laut Netanjahus Büro zwei Ziele: die Entwaffnung der Hisbollah und einen „dauerhaften Frieden – Frieden durch Stärke". Eine Formulierung, die an Orwellsche Doppeldeutigkeit erinnert. Denn wie kann man von Frieden sprechen, während man gleichzeitig die „Sicherheitszone" im Süden des Libanons weiter ausdehnt und die libanesische Zivilbevölkerung terrorisiert?
Wirtschaftskrieg auf allen Ebenen
Die Eskalation beschränkt sich längst nicht mehr auf das Militärische. US-Finanzminister Scott Bessent verkündete das Ende der vorübergehenden Lockerung von Ölsanktionen gegen Russland und den Iran. Die jahrelangen umfassenden Sanktionen verfolgten laut einer früheren Aussage Bessents ein Ziel, das an kolonialen Größenwahn erinnert: den Iran so zu schwächen, dass die staatliche Ordnung zusammenbricht und eine Washington genehme Regierung die Macht übernimmt. Regime Change als offizielle Doktrin – man gibt sich nicht einmal mehr die Mühe, dies zu verschleiern.
Der Iran drohte seinerseits damit, den gesamten Handel im Persischen Golf, im Golf von Oman und im Roten Meer einzustellen. Wie viel Kontrolle Teheran tatsächlich über den Schiffsverkehr in der Region ausüben könnte, blieb allerdings fraglich. Trumps Militärschläge hätten die iranischen Streitkräfte weitgehend dezimiert, doch Minen, Schnellboote und die verbündeten Huthi-Milizen im Jemen stellten weiterhin eine reale Bedrohung dar.
Europa und China suchen nach Auswegen
Während Washington und Jerusalem die Kriegstrommeln rühren, bemühen sich andere Akteure um Deeskalation. China machte Druck zur Öffnung der für den Welthandel kritischen Passage. Außenminister Wang Yi betonte in einem Telefonat mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi, dass sowohl Irans Souveränität als auch die Freiheit der internationalen Schifffahrt gewährleistet werden müssten.
In Europa planten Frankreich und Großbritannien eine Konferenz in Paris, bei der über einen Plan zur Sicherung der internationalen Schifffahrt nach dem Iran-Krieg beraten werden sollte. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz wollte anreisen. Die britische Außenministerin Yvette Cooper stellte bei einem gemeinsamen Auftritt mit Bundesaußenminister Johann Wadephul in Berlin klar: „Es kann definitiv nicht sein, dass Seewege wie die Straße von Hormus von einzelnen Staaten kontrolliert werden."
Man fragt sich allerdings, ob diese europäischen Bemühungen mehr als diplomatische Kosmetik darstellen. Denn die Realität ist brutal: Die USA und Israel bestimmen den Takt, und Europa tanzt – wie so oft – nach deren Pfeife. Dass die neue Bundesregierung unter Merz hier eine eigenständigere Rolle einnehmen könnte, wäre wünschenswert, erscheint aber angesichts der transatlantischen Abhängigkeiten wenig realistisch.
Pressefreiheit à la Pentagon
Ein bezeichnendes Detail am Rande: Bei der Pressekonferenz im Pentagon erteilte Hegseth ausschließlich Trump-freundlichen Medien wie OAN, Bannons „Real America" oder „Just the News" das Wort. Etablierte Medien wurden schlicht ignoriert. Ein Vorgang, der in einer funktionierenden Demokratie eigentlich einen Aufschrei auslösen müsste – aber in Trumps Amerika offenbar zur neuen Normalität gehört.
Was bedeutet das für Anleger?
Die Börsen reagierten auf Spekulationen über mögliche Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA euphorisch und erreichten neue Höchststände. Doch diese Euphorie könnte sich als trügerisch erweisen. Die geopolitischen Risiken sind enorm, die Energiemärkte hochvolatil, und eine weitere Eskalation im Nahen Osten könnte die globale Wirtschaft in eine schwere Krise stürzen. In solch unsicheren Zeiten erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber einmal mehr als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung. Wer sein Portfolio gegen geopolitische Schocks absichern möchte, sollte eine Beimischung physischer Edelmetalle ernsthaft in Betracht ziehen.
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