
Kubas Stromnetz bricht erneut zusammen – Zehn Millionen Menschen im Dunkeln
Während sich Deutschland mit selbstgemachten Energieproblemen herumschlägt, liefert die Karibikinsel Kuba ein erschreckendes Lehrstück darüber, wohin eine marode Infrastruktur, ideologische Verblendung und geopolitische Abhängigkeiten unweigerlich führen: ins Dunkel. Zum zweiten Mal innerhalb einer einzigen Woche ist das nationale Stromnetz des sozialistischen Inselstaates vollständig kollabiert – und mit ihm die letzte Hoffnung von rund zehn Millionen Kubanern auf ein Mindestmaß an Normalität.
Ein Dominoeffekt mit Ansage
Am Samstagabend um 18:32 Uhr Ortszeit ging ein großes Kraftwerk in Nuevitas, in der östlichen Provinz Camagüey, vom Netz. Was folgte, war ein kaskadenartiger Zusammenbruch des gesamten Stromnetzes – ein Szenario, das sich in den vergangenen Monaten mit beängstigender Regelmäßigkeit wiederholt hat. Der Netzbetreiber UNE bestätigte den totalen Ausfall. Bereits am Montag zuvor war das Netz aus bislang ungeklärten Gründen komplett ausgefallen, und schon am 4. März hatte ein plötzlicher Stillstand eines thermoelektrischen Kraftwerks den Großteil des Systems lahmgelegt. Drei massive Stromausfälle in einem einzigen Monat – selbst für kubanische Verhältnisse ist das außergewöhnlich.
Bis Sonntagnachmittag seien immerhin knapp 500.000 Haushalte und Betriebe in Havanna – etwa 55 Prozent der Gesamtzahl – sowie 43 Krankenhäuser wieder am Netz gewesen, teilte UNE mit. Das größte ölbefeuerte Kraftwerk des Landes werde vorbereitet und solle noch am selben Tag den Betrieb aufnehmen. Doch von einer echten Entwarnung kann keine Rede sein.
Kochen mit Feuerholz – Alltag im sozialistischen Paradies
„Wir stecken im selben Trott fest", sagte der Havanna-Bewohner Leoni Alberto, der nach eigenen Angaben mehrmals pro Woche gezwungen sei, mit Feuerholz zu kochen. „Es ist der absolute Wahnsinn. Es gibt keinen anderen Weg." Diese Worte eines einfachen Bürgers wiegen schwerer als jedes Regierungskommuniqué. Sie offenbaren die brutale Realität eines Systems, das seine Menschen seit Jahrzehnten im Stich lässt – und das sich dennoch hartnäckig weigert, die eigentlichen Ursachen seiner Misere anzuerkennen.
Stundenlange, manchmal tagelange Stromausfälle gehören in Kuba längst zum Alltag. Selbst wenn das nationale Netz offiziell funktioniert, sind Blackouts in der Hauptstadt an der Tagesordnung. Ein dramatischer Dieselmangel bedeutet zudem, dass selbst nach der schrittweisen Wiederherstellung der Stromversorgung nur ein Bruchteil der Netzkapazität tatsächlich zur Verfügung steht. Viele Regionen werden also weiterhin stundenlang ohne Strom auskommen müssen.
Wenn das Licht ausgeht, geht auch die Information verloren
Besonders perfide: Mit dem Strom verschwinden auch Mobilfunk und Internet. „Wenn das Stromnetz ausfällt, gehen auch die sozialen Netzwerke offline", berichtete der Havanna-Bewohner Yordanis Lopez. „Man hat keine Ahnung, was passiert." Eine Bevölkerung, die nicht nur im Dunkeln sitzt, sondern auch von jeglicher Information abgeschnitten wird – für ein autoritäres Regime mag das bequem sein, für die Betroffenen ist es eine Katastrophe.
Trumps Ölblockade verschärft die Krise
Die aktuelle Eskalation der Energiekrise hat einen konkreten geopolitischen Auslöser. US-Präsident Donald Trump hat nach der Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar begonnen, systematisch Öllieferungen an Kuba zu unterbinden. Venezuela hatte dem sozialistischen Bruderstaat zuvor zu günstigen Konditionen Öl geliefert – eine Lebensader, die nun gekappt wurde. Washington droht darüber hinaus anderen Ländern mit Strafzöllen, sollten sie Öl an die Insel verkaufen.
Viele Kubaner verfolgten in den vergangenen Tagen gebannt die Route zweier Tankschiffe im Atlantik, die russisches Öl an Bord haben sollen. Doch die Hoffnung auf Erleichterung wurde jäh enttäuscht: Mindestens eines der Schiffe, die unter Hongkong-Flagge fahrende Sea Horse, änderte offenbar Anfang der Woche ihren Kurs und steuerte nicht mehr auf Kuba zu.
Das ewige Schuldzuweisungsspiel
Kuba macht seit Jahrzehnten das US-Handelsembargo für seine wirtschaftlichen Missstände verantwortlich – einschließlich des völlig veralteten Stromnetzes. Washington hingegen sieht die Ursache in Kubas sowjetisch geprägter Kommandowirtschaft. Die Wahrheit dürfte, wie so oft, irgendwo dazwischen liegen – wobei man fairerweise anmerken muss, dass ein System, das über sechs Jahrzehnte hinweg nicht in der Lage war, eine funktionierende Energieinfrastruktur aufzubauen, die Schuld nicht ausschließlich bei äußeren Feinden suchen kann.
Was Kuba in seiner extremsten Form vorführt, sollte auch hierzulande als Warnung verstanden werden. Wer seine Energieversorgung ideologisch statt pragmatisch gestaltet, wer sich in gefährliche Abhängigkeiten begibt und wer die Modernisierung kritischer Infrastruktur verschleppt, der spielt mit dem Feuer – oder besser gesagt: mit dem Licht. Die Energiewende in Deutschland mag andere Vorzeichen haben als Kubas sozialistisches Experiment, doch die Grundregel bleibt dieselbe: Ohne verlässliche Energieversorgung bricht alles zusammen. Alles.
Ob die neue Große Koalition unter Friedrich Merz die richtigen Lehren aus solchen Szenarien zieht und Deutschlands Energiesicherheit wieder zur obersten Priorität erklärt, bleibt abzuwarten. Die 500 Milliarden Euro schwere Infrastrukturoffensive wäre jedenfalls besser in Kraftwerke und Netze investiert als in ideologische Prestigeprojekte. Kubas Dunkelheit sollte uns eine Mahnung sein – bevor auch bei uns die Lichter ausgehen.

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