
Kubicki rechnet mit Merz ab: „Wachstum auf Pump!“

Ein Parteitag in der Provinz, aber eine Rede mit Wucht: FDP-Chef Wolfgang Kubicki hat am Samstag beim Landesparteitag der Thüringer Liberalen im nordthüringischen Bleicherode die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zerlegt. Das erwartete Wachstum von 1,3 Prozent sei „mit dem größten Schuldenprogramm der Bundesrepublik Deutschland erkauft, das es je gegeben hat“, rief er den Delegierten zu. Echte Strukturreformen? Fehlanzeige, so Kubicki.
Ein Aufschwung mit geliehenem Geld
Der Vorwurf trifft einen wunden Punkt. Friedrich Merz war mit dem Versprechen solider Finanzen angetreten. Nach der Wahl kamen dann das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Infrastruktur und die weitgehende Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben. Bezahlen müssen das künftige Generationen, über Zinsen, Steuern und Abgaben.
Wachstum, das vor allem aus staatlich finanzierten Ausgaben entsteht, ist ein Strohfeuer. Es wärmt kurz und lässt danach nur Asche zurück, also Schulden. Was fehlt, ist das Fundament: wettbewerbsfähige Standortbedingungen, die privates Kapital anziehen, statt es zu vertreiben.
Energie: Gas aus Übersee, Vorkommen unter den eigenen Füßen
Kubicki verlangte eine flächendeckende und verlässliche Senkung der Energiekosten. Besonders hart fiel seine Kritik an der Gaspolitik aus. Deutschland schiffe teures Flüssiggas über die Ozeane heran, während heimische Vorkommen ungenutzt im Boden blieben. Das sei „nahezu ein volkswirtschaftliches Verbrechen“.
Auch das Nein zum Fracking und die aus seiner Sicht „rein ideologisch motivierte Blockade neuer, smarter, modularer Kernkraftwerke“ nahm der Liberale ins Visier. Für Industriebetriebe, die längst über Standortverlagerungen ins Ausland nachdenken, sind solche Sätze keine Theorie. Für sie hängt an der Stromrechnung die eigene Existenz.
„Abschaffen ist das Gebot der Stunde“
Mit Blick auf die starken Ergebnisse der AfD zog Kubicki eine bemerkenswerte Linie: Wirtschaftliches Wachstum sei das einzige wirksame Mittel zur Förderung der Demokratie. Dafür müsse vor allem die Bürokratie zurückgeschnitten werden. Zahllose innovative Gründer scheiterten an überflüssigen Hürden. Seine Forderung brachte er auf drei Wörter: „Abschaffen ist das Gebot der Stunde.“
Ein angeschlagener Kämpfer greift an
Wie viel Gewicht haben solche Worte? Die FDP kämpft ums Überleben. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 flog sie aus dem Parlament. Im September verpasste sie in Sachsen-Anhalt mit 2,6 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag und verlor damit auch ihre Regierungsbeteiligung. Kubicki selbst setzte sich Ende Mai 2026 auf dem Bundesparteitag in Berlin mit gut 59 Prozent in einer Kampfabstimmung gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch. Er folgte auf Christian Dürr, dem die Wende nicht gelungen war.
Jetzt richtet Kubicki den Blick nach vorn: auf die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im April 2027. Die Lage der Koalition sei so wackelig, dass ein Bruch nicht auszuschließen sei. Für diesen Fall sei die FDP bereit für den Wahlkampf.
„Mit der FDP wird definitiv wieder zu rechnen sein.“
Was bleibt für die Bürger?
Ob Kubicki seine Partei aus dem Tal holt, ist offen. Seine Diagnose aber dürften viele Steuerzahler teilen: Ein Staat, der Wachstum mit Rekordschulden kauft, statt Bürokratie abzubauen und Energie bezahlbar zu machen, verschiebt die Rechnung nur in die Zukunft. Dazu kommt das schleichende Risiko, dass Schuldenberge auf Dauer die Kaufkraft des Geldes aushöhlen.
Wer sich dagegen absichern will, setzt auf Werte, die keine Regierung beliebig vermehren kann. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine sinnvolle Ergänzung zur langfristigen Vermögenssicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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