
London im Karussell der Macht: Andy Burnham wird siebter Premier binnen zehn Jahren – und verspricht das Blaue vom Himmel

Es ist ein Schauspiel, das man auf der Insel mittlerweile fast im Jahresrhythmus aufführt: Ein neuer Mann zieht in die Downing Street ein, hält eine wohlklingende Rede, verspricht den großen Aufbruch – und wird wenig später wieder abgeräumt. Am Montag reiht sich Andy Burnham in diese lange Ahnengalerie ein. Der bisherige Bürgermeister von Greater Manchester löst Keir Starmer an der Spitze der Labour-Regierung ab und ist damit der bereits siebte Premierminister Großbritanniens innerhalb eines einzigen Jahrzehnts. Sieben. Man lese und staune.
Ein «neuer Weg» – oder alter Wein in neuen Schläuchen?
Nach Angaben seines Büros wolle Burnham in seiner Antrittsrede vor dem Regierungssitz einen «neuen Weg» skizzieren und einen ambitionierten Zehnjahresplan präsentieren. Zehn Jahre – man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen. In einem Land, in dem die Premierminister zuletzt kaum die Halbwertszeit einer Kopfsalatstaude erreichten, klingt ein Jahrzehntplan wie ein schlechter Witz aus der politischen Traumfabrik.
König Charles III. habe Burnham mit der Regierungsbildung beauftragt, nachdem Starmer seinen Rücktritt eingereicht hatte. Der Amtsantritt markiere zugleich einen Führungswechsel innerhalb der Labour-Partei, die nach dem Rückzug ihres glücklosen Vorgängers auf einen personellen und politischen Neustart setze. Doch die entscheidende Frage bleibt: Handelt es sich hier tatsächlich um einen Kurswechsel – oder lediglich um einen Austausch der Fassade bei gleichbleibendem Fundament?
«Rewire Britain» – große Worte, dünne Substanz
Burnham kündigte an, die Regierung stärker auf die Lebenshaltungskosten und die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Sektors auszurichten. Großbritannien wolle er «neu verkabeln», wie er es großspurig formulierte, und eine «stabilere und verantwortungsvollere Politik» etablieren. Ziel sei es, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und den Lebensstandard spürbar zu heben. Rasche erste Entlastungsmaßnahmen für die Bevölkerung stellte er in Aussicht – Einzelheiten allerdings blieb er schuldig.
Ein deindustrialisiertes, überschuldetes Land hat nicht viele Spielräume. Es ändert sich nur die Führungsfigur des Politiktheaters – an den eigentlichen Interessen der Strippenzieher bleibt alles beim Alten.
Diese ernüchternde Einschätzung, wie sie unter aufmerksamen Beobachtern kursiert, trifft ins Mark. Denn woher, so muss man fragen, soll das Geld für all die vollmundigen Versprechungen kommen? Ein Königreich, dessen Industrie unter dem grünen Dogma der Net-Zero-Ideologie systematisch verzwergt wurde, dessen Energiepreise durch die Decke schießen und dessen Bürger im Winter frieren, während man teures Öl importiert, statt eigene Ressourcen zu heben – ein solches Land lässt sich nicht mit warmer Luft «neu verkabeln».
Die entscheidende Personalie: Wer bekommt das Finanzministerium?
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Zusammensetzung des Kabinetts. Vor allem die Besetzung des Schatzamtes gelte als richtungsweisend für den wirtschaftspolitischen Kurs. Beobachter erwarten frühe Weichenstellungen bei Steuern und Staatsausgaben, in der Energiepolitik sowie beim hochverschuldeten Wasserversorger Thames Water, für den Burnham eine stärkere staatliche Kontrolle ins Auge fasse. Verstaatlichung als Allheilmittel – man kennt dieses Lied aus den sozialistischen Kapiteln der Geschichtsbücher, und es endete selten gut.
Warum keine Neuwahlen?
Was in dieser ganzen Inszenierung schmerzlich fehlt, ist die Stimme des Volkes. Statt die Briten an die Wahlurnen zu rufen und ihnen die Entscheidung über ihre Zukunft zu überlassen, schiebt man in aller Stille den nächsten Kandidaten in die Manege. Ein Vorgehen, das nicht nur auf der Insel für Kopfschütteln sorgt – auch hierzulande dürfte sich mancher Bürger fragen, ob solche Hinterzimmer-Manöver noch etwas mit gelebter Demokratie zu tun haben. Der Wunsch nach echten Neuwahlen, nach einem tatsächlichen Neuanfang statt eines bloßen Personaltauschs, ist keineswegs nur eine Meinung unserer Redaktion, sondern spiegelt die Verdrossenheit weiter Teile der Bevölkerung wider – in London ebenso wie in Berlin.
Was bleibt: Ein Lehrstück über politische Instabilität
Sieben Premierminister in zehn Jahren – dieses Karussell ist mehr als eine britische Kuriosität. Es ist ein Menetekel für den gesamten Westen, ein Sinnbild für die chronische Instabilität einer politischen Klasse, die Ankündigungen produziert wie am Fließband, während die realen Probleme – ausufernde Migration, explodierende Lebenshaltungskosten, marode Infrastruktur und eine erdrückende Staatsverschuldung – ungelöst weiterschwelen. Ob Burnham daran etwas ändert oder sich, wie seine Vorgänger, im Reigen der Ankündigungspolitik verliert, wird sich zeigen. Die berühmten hundert Tage seien ihm gegönnt. Danach zählt einzig, was er tatsächlich liefert. Heißluftgebläse hat die Politik ohnehin bereits im Überfluss.
Der zeitlose Wert stabiler Sachwerte
Gerade in Zeiten, in denen politische Führungen im Halbjahrestakt wechseln und Regierungen ganze Volkswirtschaften mit Schuldenbergen und ideologischen Experimenten belasten, zeigt sich der Wert beständiger Werte. Wo Papierwährungen im Sog der Verschuldung und einer wankelmütigen Politik an Kaufkraft verlieren, haben physische Edelmetalle wie Gold und Silber über Jahrhunderte hinweg ihre Rolle als verlässlicher Anker bewiesen. Sie fragen nicht danach, wer gerade in der Downing Street oder im Kanzleramt residiert – und genau das macht sie zu einer sinnvollen Ergänzung eines breit gestreuten und krisenfesten Vermögensportfolios.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Entscheidungen verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren oder qualifizierten fachlichen Rat einholen. Eine Haftung für getroffene Anlageentscheidungen wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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