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Kettner Edelmetalle
16.01.2026
17:55 Uhr

Mercedes flüchtet nach Ungarn: Deutschlands Autoindustrie vor dem Kollaps

Mercedes flüchtet nach Ungarn: Deutschlands Autoindustrie vor dem Kollaps

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe, überraschte aber niemanden, der die Zeichen der Zeit zu lesen versteht: Mercedes-Benz verlagert die komplette Produktion der A-Klasse nach Ungarn. Ab dem zweiten Quartal 2026 soll das Kompaktmodell ausschließlich im Werk Kecskemét vom Band rollen – mindestens bis 2028. Was der Stuttgarter Konzern als "strategische Neuausrichtung" verkauft, ist in Wahrheit ein vernichtendes Urteil über den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Ungarns Triumph, Deutschlands Niedergang

Ungarns Außenminister Péter Szijjártó konnte sich einen süffisanten Seitenhieb nicht verkneifen. Während Europa unter den "wirtschaftlichen Folgen verfehlter Brüsseler Politik" leide, gehöre sein Land zu den "größten Gewinnern einer neuen globalen Wirtschaftsära". Man mag von Viktor Orbáns Politik halten, was man will – doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Ungarn lockt mit niedrigen Kosten, schlanker Bürokratie und einer industriefreundlichen Haltung. Deutschland hingegen erstickt seine Unternehmen mit Regulierungswut, astronomischen Energiepreisen und einer Steuerlast, die ihresgleichen sucht.

Die Verlagerung der A-Klasse ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Erst kürzlich kündigte Bosch massive Stellenstreichungen an, zahlreiche Zulieferer kämpfen ums nackte Überleben. Die deutsche Automobilindustrie, einst das Rückgrat unserer Wirtschaft, befindet sich im freien Fall.

Erschreckende Bilanz: 120.000 Jobs bereits vernichtet

Die Zahlen sind alarmierend. Seit 2018 hat die deutsche Autobranche schätzungsweise 120.000 Arbeitsplätze verloren. Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Ferdinand Dudenhöffer, Gründer des renommierten CAR-Instituts in Bochum, zeichnet ein düsteres Bild: "Ich gehe davon aus, dass von den heute rund 720.000 Beschäftigten in der Automobilindustrie bis 2030 nur noch etwa 500.000 übrig bleiben."

Das bedeutet: Mehr als 200.000 weitere Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Familien, die ihre Existenzgrundlage verlieren. Regionen, die wirtschaftlich ausbluten. Eine Industrienation, die sich selbst demontiert.

Experten warnen: "Andere werden folgen"

Dudenhöffer lässt keinen Zweifel daran, dass Mercedes kein Einzelfall bleiben wird. "Auch andere Autobauer werden folgen – und das gilt ebenso für die Zulieferer", prognostiziert der Autoexperte. Seine Kritik an der Bundesregierung fällt vernichtend aus: Die Politik verliere sich in einer "Traumwelt", statt die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Zwar investiere die Merz-Regierung Milliarden, doch Fortschritte seien kaum erkennbar. "Wir haben uns ins Abseits manövriert", lautet sein bitteres Fazit.

Auch Frank Schwope, Dozent für Automobilwirtschaft an der FHM Köln, sieht schwarz: "Tendenziell wird die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland weitergehen, da dort günstiger produziert wird." Besonders dramatisch sei die Lage bei den Zulieferern. Ende des Jahrzehnts könnten dort "nur noch rund 200.000 Arbeitsplätze" übrig sein – ein Kahlschlag historischen Ausmaßes.

Mercedes im Krisenmodus: Absatz bricht ein

Der Stuttgarter Premiumhersteller selbst steckt tief in der Krise. 2025 verkaufte der Konzern weltweit nur noch 2,16 Millionen Fahrzeuge – ein Einbruch von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders hart traf es das China-Geschäft mit einem Minus von 19 Prozent. Die Zölle der Trump-Administration belasten zusätzlich das US-Geschäft. Der Gewinn halbierte sich in den ersten neun Monaten auf magere 3,9 Milliarden Euro.

Die Gemengelage ist toxisch: schleppender Umstieg auf Elektromobilität, aggressive chinesische Konkurrenz, Handelskriege und explodierende Standortkosten in der Heimat. Kein Wunder, dass der Vorstand nach jedem Strohhalm greift – und Ungarn als Rettungsanker erscheint.

VDA schlägt Alarm: Standort Deutschland in Gefahr

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) spricht Klartext: "Die mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wird zunehmend zur Gefahr für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze." Hohe Energiepreise, erdrückende Steuerlast, überbordende Lohnkosten und eine Bürokratie, die jeden Unternehmer in den Wahnsinn treibt – der Mittelstand ächzt unter dieser Last.

Die Forderung des Verbands ist eindeutig: EU und Deutschland müssten wieder klar auf Wettbewerbsfähigkeit setzen. Doch wer glaubt ernsthaft daran, dass eine Regierung, die gerade ein 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket geschnürt hat, plötzlich zur wirtschaftlichen Vernunft findet? Das Geld fließt in ideologische Projekte, während die Industrie verblutet.

Ein Weckruf, der ungehört verhallt

Die Verlagerung der A-Klasse nach Ungarn ist mehr als eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Sie ist ein Symbol für das Versagen deutscher Wirtschaftspolitik. Jahrelang hat man die Warnungen der Industrie ignoriert, hat Unternehmen mit immer neuen Auflagen gegängelt und den Standort systematisch unattraktiv gemacht. Nun ernten wir die bitteren Früchte dieser Politik.

Während andere Länder um Investitionen werben, vertreibt Deutschland seine Industrie. Während Ungarn Fabriken baut, schließen bei uns die Werkstore. Die Deindustrialisierung ist keine düstere Zukunftsvision mehr – sie ist längst Realität. Und solange sich daran nichts ändert, werden weitere Unternehmen dem Beispiel von Mercedes folgen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern nur noch wann.

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