
Merz in Peking: Wenn ideologische Scheuklappen den Blick auf Deutschlands Zukunft versperren
Neun Monate hat es gedauert. Neun lange Monate, in denen Deutschlands Wirtschaft weiter in die Rezession taumelte, in denen Handelspartner wie Großbritannien und Kanada längst Fakten geschaffen haben – und erst jetzt, im Februar 2026, findet Bundeskanzler Friedrich Merz den Weg nach Peking. Zum wichtigsten Handelspartner der Bundesrepublik. Man könnte meinen, es handele sich um einen Höflichkeitsbesuch bei einem entfernten Bekannten und nicht um eine wirtschaftspolitische Überlebensfrage.
Deutschland braucht China – nicht umgekehrt
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. China ist und bleibt der größte Handelspartner Deutschlands. Der Bundesverband der Deutschen Industrie betont gebetsmühlenartig, wie essenziell der chinesische Markt für deutsche Unternehmen sei. Mercedes-Chef Ola Källenius hat bereits eine neue Produktoffensive für den chinesischen Markt angekündigt. Der deutsche Maschinenbau, die Pharma- und Chemieindustrie – sie alle blicken nach Osten, weil dort Wachstum stattfindet, während hierzulande die strukturelle und demografische Krise das Land wie ein Schraubstock umklammert.
Doch was macht die Bundesregierung? Sie senkt die Erwartungen an den Kanzlerbesuch auf ein geradezu peinliches Minimum. Man wolle ja nicht zu viel versprechen. Kein greifbares Ergebnis? Für ein Land, das dringend wirtschaftliche Impulse benötigt, wäre das nicht nur blamabel – es wäre ein Offenbarungseid.
Wadephuls diplomatischer Elefant im Porzellanladen
Besonders bemerkenswert ist die Rolle von Außenminister Johann Wadephul, der offenbar fest entschlossen scheint, in die unrühmlichen Fußstapfen seiner Vorgängerin Annalena Baerbock zu treten. Seine Rhetorik könnte kaum konfrontativer sein: China sei ein „Rivale", eine „Bedrohung für unsere internationale Ordnung", und man werde keineswegs „mit offenen Armen" nach Peking reisen. Wessen Ordnung meint er eigentlich? Die westliche Hegemonie, die längst Risse zeigt – nicht zuletzt durch die erratische Politik der Vereinigten Staaten unter Donald Trump?
Man muss wahrlich kein Spitzendiplomat sein, um zu erkennen, dass solche Äußerungen kalkulierte Affronts darstellen. Und man muss auch kein Wirtschaftsexperte sein, um zu verstehen, dass ein Land in der Position des Bittstellers – denn nichts anderes ist Deutschland angesichts seiner wirtschaftlichen Lage – gut daran täte, den Ton zu mäßigen. Frankreichs Macron, Großbritanniens Starmer und Kanadas Carney haben vorgemacht, wie man sachlich und ohne ideologische Scheuklappen mit Peking verhandelt. Und sie haben dabei handfeste Kooperationsabkommen nach Hause gebracht.
Die fatale Verwechslung von Prinzipientreue und Realitätsverweigerung
Im Kern offenbart sich hier ein fundamentales Problem der deutschen Außenpolitik unter Merz. Der Kanzler, so die Analyse, sei ein „desillusionierter Transatlantiker", der an die moralische Überlegenheit des Westens glaube – obwohl diese Überlegenheit von den USA selbst täglich untergraben werde. Trumps Zollpolitik mit 20 Prozent auf EU-Importe macht deutlich, dass Washington Berlin nicht als privilegierten Partner betrachtet. Und dennoch klammert sich die Bundesregierung an eine ideologische Grundhaltung gegenüber China, die weder den wirtschaftlichen Realitäten noch den geopolitischen Verschiebungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird.
Dabei hatte Deutschland einst eine kluge China-Politik. Von Helmut Kohl über Gerhard Schröder bis hin zu Angela Merkel – alle Kanzler arbeiteten pragmatisch an belastbaren bilateralen Beziehungen. Unterschiedliche politische Auffassungen wurden nicht verschwiegen, aber der Wille zum Konsens stand im Mittelpunkt. Deutsche Unternehmen profitierten enorm vom chinesischen Wirtschaftswunder. Ideologie spielte eine untergeordnete Rolle. Dieser Pragmatismus, der Deutschland jahrzehntelang gut gedient hat, scheint der aktuellen Regierung abhanden gekommen zu sein.
Die Lehre aus Russland – falsch angewandt
Natürlich ist die Diversifizierung von Handelsbeziehungen grundsätzlich vernünftig. Die schmerzhafte Erfahrung mit Russland hat gezeigt, wohin einseitige Abhängigkeiten führen können. Doch die Gleichsetzung Chinas mit Russland ist nicht nur analytisch fragwürdig – sie ist gefährlich. China ist keine Regionalmacht, die einen Angriffskrieg führt. Es ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, ein prosperierender Binnenmarkt mit über einer Milliarde Konsumenten. Wer glaubt, man könne China einfach durch Katar, Saudi-Arabien oder Singapur ersetzen, der hat die Dimensionen nicht verstanden.
Die deutsche Industrie jedenfalls lässt sich von der politischen Rhetorik nicht beirren. Sie investiert weiter in China, sie plant neue Produktlinien für den chinesischen Markt, sie weiß, dass dort die Musik spielt. Deutsche Politik und deutsche Wirtschaft liegen in ihrer China-Einschätzung meilenweit auseinander – und das ist ein Zustand, den sich ein Land in der Krise schlicht nicht leisten kann.
Wer Porzellan zerschlägt, muss die Scherben selbst aufkehren
Friedrich Merz wird in Peking feststellen müssen, ob seine Strategie der demonstrativen Distanz die richtige ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass er mit leeren Händen zurückkehrt, ist angesichts der diplomatischen Vorarbeit seines Außenministers beträchtlich. Und während Deutschland noch darüber debattiert, ob China nun Partner, Wettbewerber oder Systemrivale sei, schließen andere Nationen Handelsabkommen ab und sichern sich Marktanteile.
Es ist eine bittere Ironie: Ausgerechnet ein CDU-Kanzler, der mit dem Versprechen wirtschaftlicher Kompetenz angetreten ist, droht die Beziehungen zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands auf dem Altar ideologischer Selbstvergewisserung zu opfern. Die deutsche Wirtschaft braucht keine moralischen Belehrungen gegenüber Peking – sie braucht Aufträge, Marktzugang und verlässliche Rahmenbedingungen. Ob Merz das begreift, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. In diesem Fall allerdings könnte sie schneller sterben als gedacht.
Für den deutschen Bürger, der unter steigenden Preisen, einer schwächelnden Wirtschaft und dem 500-Milliarden-Schuldenberg des sogenannten „Sondervermögens" leidet, bleibt die bange Frage: Wann beginnt diese Regierung endlich, deutsche Interessen über ideologische Befindlichkeiten zu stellen? Die Zeit des diplomatischen Hochmuts ist vorbei. Deutschland kann es sich schlicht nicht mehr leisten.
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