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Kettner Edelmetalle
25.07.2026
12:49 Uhr

Merz und der „Stabilitätsanker“: Ein Kanzler verkauft Zuversicht, während die Industrie längst die Koffer packt

Merz und der „Stabilitätsanker“: Ein Kanzler verkauft Zuversicht, während die Industrie längst die Koffer packt

Man muss dem Bundeskanzler eines lassen: An rhetorischem Selbstbewusstsein mangelt es Friedrich Merz nicht. Deutschland – der „Stabilitätsanker Europas“. So klingt es, wenn ein Kanzler international um frisches Kapital wirbt und dabei geflissentlich übersieht, dass die eigenen Konzerne bereits mit gepackten Investitionskoffern vor der Haustür stehen. Doch glaubt ihm das eigentlich noch jemand?

Ein Investitionsgipfel nach französischem Vorbild – und die harte Realität

Im Oktober will die Bundesregierung erstmals einen großen Investitionsgipfel ausrichten, ganz nach dem Muster von Emmanuel Macrons „Choose France“. In der Präsentation, über die die Financial Times exklusiv berichtete, preist Merz das deutsche Triple-A-Rating aller drei großen Ratingagenturen, den Rechtsstaat und die breite industrielle Basis an. „Investieren Sie jetzt in Deutschland“, so lautet die Botschaft an die Welt.

Das Ernsthafte an der Sache: Deutschland braucht dieses Geld tatsächlich dringend. Das Tragikomische daran: Der Kanzler verkauft ein Land, an das viele der eigenen deutschen Unternehmen selbst kaum noch glauben. Und genau hier beginnt das Problem einer Politik, die lieber Hochglanzpräsentationen produziert als echte Reformen.

Was in Deutschland wirklich „stabil“ ist

Wissen Sie, was hierzulande wahrhaft erstaunlich stabil läuft? Der Niedergang. Quartal für Quartal liefert die deutsche Industrie neue Gründe, ihr Geld eben nicht hier, sondern anderswo zu investieren. Bei Volkswagen etwa brach das Konzernergebnis nach Steuern im zweiten Quartal erneut um fast ein Drittel ein – von 2,29 Milliarden Euro auf 1,54 Milliarden Euro. Und das, nachdem der Gewinn im Vorjahresquartal bereits um 36 Prozent kollabiert war. Im einstigen Wunschmarkt China sackten die Verkäufe um mehr als ein Drittel ab.

Bis zu 50.000 zusätzliche Stellen weltweit und vier Werke in Deutschland könnten betroffen sein – zusätzlich zum bereits beschlossenen Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen bis 2030.

Mercedes sucht sein Wachstum ebenfalls längst jenseits der deutschen Grenzen. Sieben Milliarden Dollar sollen in den USA investiert werden, die Verkäufe dort will man um ein Drittel steigern. Gleichzeitig verdoppelt der Konzern seine Produktion in Ungarn von 200.000 auf 400.000 Einheiten – das dortige Werk avanciert damit zum größten Mercedes-Standort Europas. In Deutschland? Wird gespart, gestrichen, geschrumpft.

Acht Jahre Abstieg – und keiner hat gehandelt

Dass Deutschland an Attraktivität verliert, ist keine Momentaufnahme, sondern ein Trend mit System. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY sank die Zahl der angekündigten Direktinvestitionen im Jahr 2025 bereits zum achten Mal in Folge – auf den niedrigsten Stand seit 2009. Während andere europäische Länder ihre Verwaltungen digitalisierten und ihre Steuersysteme entrümpelten, redete man in Berlin über Reformen. Wirksame Schritte? Fehlanzeige.

Ausgerechnet den vielbeschworenen Bürokratieabbau, mit dem Merz nun international hausieren geht, beschloss seine Regierung erst Mitte Juli – ganze 14 Monate nach Amtsantritt. Und selbst diese zaghaften Maßnahmen müssen erst noch durch den Bundestag, der sich derzeit gemütlich in der Sommerpause befindet. Für die Wirtschaft kommt dieser Kurswechsel schlicht zu spät. Viele Milliarden fließen bereits woandershin. Nur der Schuldenberg, der wächst zuverlässig weiter – auch das ein Stück deutscher „Stabilität“.

Zwischen Zuversicht und Schönfärberei

Natürlich kann kein Kanzler sein Land im Ausland schlechtreden. Er soll Investoren gewinnen, nicht vertreiben. Doch zwischen berechtigter Zuversicht und dreister Schönfärberei liegt ein Abgrund. Wer Deutschland als „Stabilitätsanker“ vermarktet, muss sich daran messen lassen, was Unternehmen tatsächlich tun – nicht daran, was in einer PowerPoint-Präsentation steht. Und wenn die eigenen Industriegiganten ihr Geld lieber in Ungarn und den USA verbrennen als am Heimatstandort, dann sollte ein Regierungschef vielleicht zuerst die Ursachen beseitigen, bevor er einen Erfolg verkauft, den es nicht gibt.

Es ist bezeichnend für den Zustand dieses Landes, dass ein Kanzler, der einst mit dem Versprechen antrat, keine neuen Schulden zu machen, nun ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen verwaltet und gleichzeitig ausländisches Kapital anfleht. Die deutsche Wirtschaft wartet nicht auf schöne Reden. Sie hat ihre Entscheidungen längst getroffen – und diese Entscheidungen fallen zunehmend gegen den Standort Deutschland aus.

Was der Bürger daraus lernen sollte

Während die Politik in Berlin an Hochglanzbroschüren feilt und die industrielle Substanz des Landes abschmilzt, stellt sich für den einzelnen Sparer eine nüchterne Frage: Wie schützt man sein Vermögen in einem Land, das seine eigene wirtschaftliche Basis verspielt und dessen Schuldenberg immer neue Rekordhöhen erklimmt? Papierversprechen, seien sie von Politikern oder von Ratingagenturen, haben in der Geschichte selten die reale Kaufkraft bewahrt. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber hingegen kennen keine Quartalsverluste durch Missmanagement und lassen sich nicht durch Bürokratie und Fehlpolitik entwerten. Als bewährte Bausteine der Vermögenssicherung gehören sie in jedes breit gestreute Portfolio – gerade in Zeiten, in denen politische Versprechen und wirtschaftliche Realität so weit auseinanderklaffen wie selten zuvor.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Anlageentscheidungen jeglicher Art treffen Sie stets eigenverantwortlich. Bitte informieren Sie sich umfassend und ziehen Sie bei Bedarf einen unabhängigen Fachberater hinzu. Für den Erfolg oder Misserfolg getroffener Anlageentscheidungen übernehmen wir keinerlei Haftung.

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