
Metall als Token: Londons Metallbörse rückt näher an Peking!

Die London Metal Exchange (LME) will Metall, das in ihren Lagerhäusern in Hongkong liegt, in digitale Vermögenswerte umwandeln. Mit diesen Token sollen sich Geschäfte finanzieren lassen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit der Sache vertraute Personen berichtet, hängt der Vorstoß direkt mit dem neuen Fünfjahresplan der chinesischen Sonderverwaltungszone zusammen. Die älteste Metallbörse der Welt orientiert sich damit noch stärker nach Osten.
Was genau geplant ist
Es geht um sogenannte „Off-Warrant“-Bestände, also Metall, das zwar in LME-Lagern liegt, aber keine Lagerscheine besitzt. Metall mit Warrant ist durch Eigentumsdokumente abgesichert und kann gehandelt oder als Kreditsicherheit genutzt werden. Für die übrigen Bestände gibt es bislang kein einheitliches Verfahren, um sie zu beleihen.
Diese Lücke sollen die Token füllen. Kupfer, Aluminium und andere Industriemetalle würden so digital als Sicherheit für Kredite nutzbar. Seit 2020 müssen die LME-Lagerhäuser auch ihre Off-Warrant-Bestände melden. Die Börse begründete das damals mit mehr Transparenz über das tatsächlich verfügbare Angebot.
Die LME bestätigte, dass sie sich in einer frühen Phase befinde. Man prüfe die Tokenisierung von Off-Warrant-Beständen, um die Finanzierung von Unternehmen zu unterstützen, und wolle die Marktteilnehmer bei der Ausarbeitung einbinden. Für Anfang November sei laut den Insidern ein nicht öffentlicher Branchen-Roundtable angesetzt, nur mit Einladung.
Die Spur führt nach Peking
Den politischen Rahmen hat Peking vorgegeben. Chinas 15. Fünfjahresplan vom März unterstützt erstmals ausdrücklich den Aufbau eines Rohstoffhandelszentrums in Hongkong. Hongkong zog im September mit einem eigenen Plan nach. Darin heißt es:
„We will leverage Hong Kong's unique advantages as an approved delivery point within the London Metal Exchange's global warehousing network to drive the synergised development of more commodities-related trading, risk management, and financing businesses.“
Neu ist die Nähe nicht. Seit 2012 gehört die LME der Hong Kong Exchanges and Clearing (HKEX). Lange lief das Geschäft trotzdem vor allem in London. Im Januar des Vorjahres ließ die LME Hongkong dann als Lagerstandort zu, obwohl die Branche die deutlich höheren Mieten als anderswo in Asien kritisierte. Laut Hongkonger Medien sagte LME-Chef Matt Chamberlain im Mai, die Lagerkapazität dort solle auf ein Niveau von hunderttausend Tonnen wachsen.
Aluminium unter freiem Himmel?
Die Börse prüft außerdem, ob in Hongkong Aluminium im Freien gelagert werden darf. Das gab es schon einmal in den 1990er-Jahren. Die LME stellte es damals wegen Wetterschäden und Sicherheitsbedenken wieder ein. Parallel testet die HKEX, CO₂-Zertifikate als Token in Sekunden statt in Tagen abzuwickeln.
Digitale Versprechen, reale Risiken
Für die LME ist das eine neue Einnahmequelle. Kritische Beobachter dürften trotzdem genau hinsehen. Der Nickel-Schock von 2022 ist noch in Erinnerung: Die Börse stornierte damals nach einer extremen Preisexplosion Geschäfte in Milliardenhöhe. Das Vertrauen vieler Händler hat darunter gelitten. Und 2014 erschütterte der Skandal im chinesischen Hafen Qingdao den Markt. Dort soll Metall mehrfach als Kreditsicherheit verpfändet worden sein.
Das ist der Kern des Problems: Ein Token ist nur so viel wert wie das Metall, das tatsächlich hinter ihm liegt, und wie das Recht, auf dieses Metall zugreifen zu können. Wer den Lagerort, die Regeln und die politische Aufsicht nicht kontrolliert, besitzt am Ende vor allem ein digitales Versprechen.
Unser Fazit
Der Vorstoß zeigt, wie sich der Rohstoffhandel Schritt für Schritt nach Asien verlagert, gelenkt von Pekings Planungen. Für Anleger heißt das: Bei Sachwerten zählt, wer das Metall tatsächlich in der Hand hat. Physisches Gold und Silber im eigenen Besitz kommt ohne Gegenpartei, Plattform oder politische Fünfjahrespläne aus. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio kann es deshalb ein sinnvoller Baustein zur Vermögenssicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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