
Methan-Bürokratie auf Eis: EU-Parlament zieht die Notbremse!

Das EU-Parlament hat die strengen Methan-Vorschriften für Importeure von Erdgas, Rohöl und Kohle um drei Jahre verschoben. Am 22. Oktober 2026 stimmten in Straßburg 341 Abgeordnete dafür, 225 dagegen, sechs enthielten sich. Die EU-Kommission hatte nur ein Jahr Aufschub vorgeschlagen. Das Parlament gewährt nun drei.
Was sich jetzt konkret ändert
Die Methan-Verordnung aus dem Jahr 2024 gilt als weltweit erstes umfassendes Gesetz, das auch die Methan-Emissionen importierter fossiler Brennstoffe regeln soll. Ab dem 1. Januar 2027 hätten Importeure dafür haften sollen. Bei Verstößen drohten Bußgelder von bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes. Mit solchen Strafen wird aus einer Umweltvorschrift schnell eine Bedrohung für ganze Unternehmen.
Nach dem Willen des Parlaments haben Importeure jetzt bis zum 31. Mai 2031 Zeit. Bis dahin müssen sie belegen, dass alle seit dem 4. August 2024 geschlossenen oder verlängerten Lieferverträge nur Brennstoffe umfassen, deren Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung den EU-Standards gleichwertig ist. Auch die übrigen Fristen wandern nach hinten:
- Erste Berichte über die Methanintensität der verkauften Brennstoffe: August 2031
- Verifizierte Emissionsberichte europäischer Betreiber für eigene Anlagen: Februar 2030
- Verifizierte Berichte für fremdbetriebene Anlagen: August 2031
Ausgenommen sind Lieferungen aus sanktionierten Staaten, allen voran Russland. Dort gelten weiterhin die ursprünglichen Fristen.
Wenn die Realität an die Tür klopft
Die Kommission hatte ihren Vorschlag vom 14. Oktober mit dem Krieg im Nahen Osten begründet. Er setze die Brennstoffversorgung und die Preise unter Druck. Mehrere Mitgliedstaaten drängten auf mehr Zeit, darunter Frankreich und Medienberichten zufolge auch Tschechien und Italien. Druck kam außerdem von großen Lieferländern wie Katar, Algerien und Nigeria.
Besonders deutlich wurden die USA, inzwischen Europas wichtigster Lieferant von Flüssigerdgas (LNG). Washington soll bereits im Juni vor Lieferstörungen gewarnt haben, unterstützt laut Berichten unter anderem vom Ölkonzern ExxonMobil. Die Botschaft war unmissverständlich: Wer Lieferanten mit Brüsseler Formularen erdrückt, muss sich nicht wundern, wenn die Tanker anderswo anlegen.
Auch in Berlin wuchs die Skepsis. Medienberichten zufolge hatte sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für einen Aufschub der Regeln ausgesprochen. Umweltverbände kritisierten sie dafür heftig.
Grüne schäumen, die EVP setzt sich durch
Vorangetrieben hatte den längeren Aufschub die christdemokratische EVP-Fraktion. Sie verwies auf Rechtssicherheit: Die Systeme zur Verifizierung müssten erst einmal funktionieren. Parlamentspräsidentin Roberta Metsola sprach von einer Stärkung der europäischen Energiesicherheit.
Bei den Grünen sorgte das für Empörung. Ihre Verhandlungsführerin Jutta Paulus nannte die Verzögerung einen „absoluten Skandal“. Umweltgruppen warfen dem Parlament vor, es diene der fossilen Industrie statt den Haushalten, die unter hohen Energiepreisen litten. Das ist bemerkenswert. Gerade unerfüllbare Auflagen für Importeure hätten die Versorgung verknappen und die Preise weiter in die Höhe treiben können.
Ein Lehrstück über Brüsseler Regulierungseifer
Die Episode folgt einem bekannten Muster. Zuerst beschließt Brüssel ehrgeizige Vorschriften mit drakonischen Strafen. Dann zeigt sich, dass die Umsetzung in der Praxis kaum möglich ist. Am Ende folgt eine hastige Korrektur, diesmal sogar im Dringlichkeitsverfahren. Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet das jahrelange Unsicherheit.
Endgültig entschieden ist noch nichts. Das Parlament muss den Text nun mit dem Rat der Mitgliedstaaten aushandeln. Zudem soll die Kommission bis zum 1. Juli 2029 berichten, wie die Umsetzung läuft und welche Risiken für die Versorgungssicherheit bestehen. Bleiben die Probleme, sollen weitere Änderungen folgen. Die Abstimmung zeigt vor allem eines: Wenn Versorgungsengpässe und Rekordpreise drohen, haben bezahlbare Energie und sichere Versorgung Vorrang vor Klimazielen auf dem Papier.
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