
Milliardendeal in Japan: Denso greift nach Rohm – und bedroht deutsche Chipgiganten

Während sich die deutsche Industrie noch immer in einer Art Dornröschenschlaf befindet und die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz vollmundig von Wirtschaftswende spricht, formiert sich in Fernost eine Allianz, die das Potenzial hat, die globale Autochip-Landschaft grundlegend zu verändern. Der japanische Autozulieferer Denso – seines Zeichens die Nummer zwei der Welt direkt hinter Bosch – prüft die Übernahme des japanischen Halbleiterkonzerns Rohm für geschätzte sieben Milliarden Euro. Ein Deal, der in München und Stuttgart gleichermaßen für Nervosität sorgen dürfte.
Ein strategischer Paukenschlag aus Tokio
Denso, als Hauptlieferant des Toyota-Konzerns ohnehin ein Schwergewicht der Branche, gehört bereits heute zu den wenigen Autozulieferern weltweit, die über eine eigene Chipproduktion verfügen. Sollte die Übernahme von Rohm gelingen, würde der japanische Konzern seine Fertigungskapazitäten im Halbleiterbereich massiv ausbauen – und damit in direkte Konkurrenz zu den deutschen Platzhirschen Infineon und Bosch treten, die bislang in diesem Segment eine komfortable Position genießen.
Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten. Der Aktienkurs von Rohm schoss am Freitag um nahezu ein Fünftel in die Höhe – der stärkste Tagesanstieg seit 26 Jahren. Seit Jahresbeginn haben die Papiere des Chipkonzerns rund die Hälfte an Wert zugelegt. Anleger wittern offenbar ein Geschäft von historischer Tragweite.
Infineon im Fadenkreuz
Besonders brisant ist die Situation für den Münchener DAX-Konzern Infineon. Als weltgrößter Autochiphersteller erwirtschaftet das Unternehmen etwa die Hälfte seines Umsatzes mit der Automobilindustrie. Und ausgerechnet Denso zählt nach eigenen Angaben zu den wichtigsten Kunden der Infineon-Autosparte. Pikant dabei: Denso hält sogar einen kleineren Anteil an Infineon selbst. Man kauft also beim Wettbewerber ein – und baut gleichzeitig die eigenen Kapazitäten aus, um genau diesen Wettbewerber langfristig überflüssig zu machen. Eine Strategie, die man als kühl kalkuliert bezeichnen könnte.
In Japan sieht sich Infineon derzeit als Nummer zwei unter den Autochipherstellern mit einem Marktanteil von gut 13 Prozent. Dieser Anteil könnte durch einen erstarkten Denso-Rohm-Verbund unter erheblichen Druck geraten. Denn wer eigene Chips fertigt, muss sie nicht mehr bei der Konkurrenz einkaufen.
Deutsche Zulieferer ohne eigene Chipfertigung – ein strukturelles Problem
Was den Deal für die deutsche Automobilindustrie besonders bedrohlich macht, ist ein strukturelles Defizit: Während Bosch und Infineon zwar über eigene Halbleiterproduktionen verfügen, müssen andere große deutsche Zulieferer wie ZF oder Continental ihre strategisch wichtigen Bauelemente komplett zukaufen. Die schmerzhafte Chipkrise der Jahre 2021 und 2022, als weltweit Produktionsbänder stillstanden, hat eindrücklich gezeigt, wie verwundbar diese Abhängigkeit macht. Offenbar hat man in Japan die Lektion besser verstanden als hierzulande.
Deutschland verliert den Anschluss – wieder einmal
Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass dieser Milliardendeal symptomatisch ist für eine beunruhigende Entwicklung. Während asiatische Konzerne aggressiv in Zukunftstechnologien investieren und strategische Übernahmen tätigen, diskutiert man in Deutschland über Gendersternchen, Lastenfahrräder und das nächste Sondervermögen – jenes 500-Milliarden-Euro-Paket, das die neue Große Koalition geschnürt hat und das kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten wird, ohne dass klar wäre, ob auch nur ein Cent davon in die strategisch entscheidende Halbleiterfertigung fließt.
Die japanische Industriepolitik verfolgt einen klaren Plan: technologische Souveränität durch vertikale Integration. Denso will nicht mehr von externen Chiplieferanten abhängig sein – und schafft mit der möglichen Rohm-Übernahme Fakten. In Deutschland hingegen feiert man sich bereits dafür, wenn ein neues Chipwerk nach jahrelanger Planungsphase überhaupt die Baugenehmigung erhält.
Für Infineon und Bosch bedeutet dieser Deal einen Weckruf. Die Frage ist nur, ob er gehört wird – oder ob er im üblichen Rauschen der deutschen Bürokratie und politischen Selbstbeschäftigung untergeht. Die Geschichte der vergangenen Jahre lässt wenig Raum für Optimismus.
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