
Mitteltechnologie-Falle: Deutschland verschläft die Hightech-Zukunft!

Das Land der Ingenieure fällt im Rennen um die Zukunftstechnologien zurück. Laut einer am 20. Oktober 2026 veröffentlichten Studie des Ifo-Instituts fließen in Deutschland nur 20 Prozent der industriellen Forschungsausgaben in Hightech-Branchen. In den USA sind es 68 Prozent. Damit gehört die Bundesrepublik unter 18 untersuchten OECD-Staaten zu den Schlusslichtern.
Weltspitze im Gestern, Nachzügler im Morgen
Was die Münchner Ökonomen als Hightech zählen, ist klar umrissen: Pharma, Chips, Luft- und Raumfahrt. Also genau die Felder, auf denen die großen Gewinne der kommenden Jahrzehnte verteilt werden. Selbst Frankreich, nicht gerade als Hort des Unternehmergeistes bekannt, steckt mit 46 Prozent mehr als doppelt so viel seiner Forschungsgelder in diese Bereiche.
Und Deutschland? Hier gehen drei Viertel aller Forschungs- und Entwicklungsausgaben in die sogenannte Mitteltechnologie: Autobau, Maschinenbau, Chemie. Bei diesem Anteil liegt die Bundesrepublik international ganz vorn. Ein zweifelhafter Titel. Denn genau diese Branchen stehen derzeit unter Druck wie lange nicht mehr.
Ein Absturz über drei Jahrzehnte
Besonders bitter ist der Blick zurück. Im Jahr 1995 lag der deutsche Hightech-Anteil noch bei 32 Prozent. Bis 2023 schrumpfte er auf rund 20 Prozent. Die Amerikaner gingen im selben Zeitraum den umgekehrten Weg und steigerten ihren Anteil von 57 auf 68 Prozent.
Die Studie belässt es nicht beim Ländervergleich. Die Forscher haben untersucht, was die Struktur der Forschung für den Wohlstand bedeutet. Das Ergebnis: Liegt der Hightech-Anteil eines Landes zehn Prozentpunkte höher, wächst die reale Wirtschaftsleistung pro Kopf in den fünf Folgejahren im Schnitt um knapp einen halben Prozentpunkt pro Jahr stärker.
„Deutschland konzentriert seine Forschung auf klassische Industriebranchen. Länder mit einem höheren Anteil an Hightech-Forschung wachsen dagegen in der Regel stärker, auch wenn man Unterschiede im allgemeinen Niveau der Forschungsausgaben berücksichtigt.“
So formuliert es Oliver Falck, Leiter des Ifo-Zentrums für Innovationsökonomik und Digitale Transformation. Wie aus der Pressemitteilung des Instituts hervorgeht, hätte ein deutscher Hightech-Anteil auf dem internationalen Durchschnittsniveau von 38 Prozent mittelfristig mit einem um rund 0,9 Prozentpunkte höheren jährlichen Pro-Kopf-Wachstum einhergehen können. Für eine Volkswirtschaft, die seit Jahren kaum vom Fleck kommt, wäre das gewaltig.
Mehr Geld allein rettet niemanden
Die Ifo-Autoren halten ein reines Ausgabenziel für das Forschungsvolumen für unzureichend. Ifo-Forscher Yuchen Guo betont, es komme nicht nur darauf an, wie viel investiert werde, sondern ob das Geld in wachstumsstarke Technologien fließe. Die Politik müsse riskante, womöglich disruptive Vorhaben für Unternehmen attraktiver machen, etwa durch ein innovationsfreundliches Steuersystem und einen besseren Zugang zu Wagniskapital.
Das sitzt. Die Bundesregierung hat zwar mit ihrer „Hightech Agenda Deutschland“ sechs Schlüsseltechnologien ausgerufen, darunter Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie und Mikroelektronik. Bis 2029 sind dafür Berichten zufolge 18 Milliarden Euro vorgesehen. Beobachter bemängeln jedoch, dass die Abstimmung zwischen den Ministerien bislang kaum geregelt sei.
Strategiepapiere ersetzen keine Reformen
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier ein vertrautes Muster: Berlin verteilt Fördermillionen, verkündet Agenden und Ziele, während Gründer an Bürokratie, hohen Steuern und fehlendem Risikokapital verzweifeln. Wer Spitzenforschung im eigenen Land halten will, braucht verlässliche Rahmenbedingungen statt neuer Programme. Ob die Große Koalition den Mut zu echten Reformen findet, ist offen.
Was das für Sparer bedeutet
Schwächeres Wachstum heißt am Ende weniger Wohlstand, weniger Steuereinnahmen und noch mehr Schulden, um Lücken zu stopfen. Wer sein Vermögen vor den Folgen einer strukturell schwächelnden Wirtschaft schützen will, sollte breit streuen. Physisches Gold und Silber können dabei als krisenerprobte Beimischung eine sinnvolle Ergänzung sein, unabhängig davon, welche Branche gerade boomt oder schrumpft.
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