
Nächster Notfall: Volksbank Kleverland flüchtet unter den Rettungsschirm

Kleve am Niederrhein, August 2026: Die Volksbank Kleverland hat Hilfe bei der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) beantragt. Eine Prüfung ergab erheblichen Wertberichtigungsbedarf bei mehreren Krediten. Ohne fremde Garantien würde das Institut absehbar unter seine Kapitalanforderungen rutschen.
Das Tagesgeschäft laufe nach Angaben der Bank normal weiter. Über die exakte Höhe der Stützung schweigt man offiziell. Medienberichten zufolge dürfte es sich um Garantien im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich handeln.
Ein Einzelfall? Wohl kaum
Brisant ist nicht der eine Fall, sondern die Serie. Innerhalb von gut zweieinhalb Jahren stützte die BVR-Sicherungseinrichtung bereits fünf Häuser mit Garantien und Zuschüssen – Gesamtvolumen: rund 1,5 Milliarden Euro. Kleverland ist nun Fall Nummer sechs.
Wie groß die Löcher werden können, zeigt die Raiffeisenbank im Hochtaunus. Ende 2024 standen dort akute Risiken von 503,449 Millionen Euro im Investoren- und Projektfinanzierungsgeschäft in den Büchern. Die Sicherungseinrichtung sprang mit Garantien über 438,113 Millionen Euro ein. Der eigene Lagebericht hält fest, dass erst diese Maßnahmen die Vermögenslage geordnet hätten.
Der gemeinsame Nenner fast aller Fälle: gewerbliche Immobilienfinanzierungen. Jahrelang galten sie als sichere Bank – bis die Zinswende die Bewertungen zusammenschmelzen ließ. Auch das Bankhaus RSA erhielt rund 60 Millionen Euro an Stabilisierungsmaßnahmen; nach späterer Analyse reichte das nicht aus.
Vom Regionalinstitut zum Beteiligungskonzern
Ebenfalls unter Beobachtung: die Volksbank Braunschweig Wolfsburg. Sie rief die Sicherungseinrichtung im Mai vorsorglich an und beantragte Deckungsmaßnahmen wegen möglicher Wertberichtigungen. Ihr Beteiligungsgeflecht umfasst über 400 Unternehmen – mit dem klassischen Bild einer bodenständigen Regionalbank hat das wenig zu tun. Im Juni holte das Haus einen Restrukturierungsexperten in den Vorstand, der die Komplexität zurückschneiden soll.
Auch Kleverland bringt Vorgeschichte mit. Der frühere Vorstandschef verlor Ende 2025 sein Amt, nachdem interne Unregelmäßigkeiten bekannt geworden waren; später erstattete die Bank Strafanzeige. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Fusionsgespräche mit der Volksbank an der Niers ruhen derweil. Pikant: Schon vor gut 20 Jahren musste Kleverland das Sicherungssystem in Anspruch nehmen.
Der Verband zieht die Zügel an
Der BVR reagiert. Die Mitgliederversammlung erweiterte im Juni die Eingriffsrechte der Sicherungseinrichtung: Teilnahme- und Rederecht in Sitzungen von Banken im Präventions- oder Sanierungsstatus, höhere Beiträge für riskante Risikoprofile, mehr Entscheidungsmacht für den BVR-Vorstand. BVR-Präsidentin Marija Kolak kritisierte bei einzelnen Instituten:
hochriskante Geschäfte, Missmanagement oder grob fahrlässiges Verhalten
Der Verband betont, bislang habe kein Kunde eines angeschlossenen Instituts durch dessen Insolvenz Einlagen verloren. Staatliche Hilfen brauche das System nicht. Das ist die gute Nachricht – und sie unterscheidet den Sektor wohltuend von so mancher Landesbank, die früher am Steuertropf hing.
Die weniger gute: Die Rechnung zahlen die anderen Genossenschaftsbanken. Solidargemeinschaft heißt, dass solide wirtschaftende Häuser für die Fehler anderer geradestehen. Für Sparer bleibt die nüchterne Erkenntnis: Auch das vermeintlich Langweilige im Finanzsystem ist nicht risikofrei. Wer sein Vermögen breit aufstellt, zieht physische Edelmetalle als Beimischung ohne Gegenparteirisiko in Betracht.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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