
Nadelöhr der Weltwirtschaft: Teheran und Maskat basteln an einer Route – und Europa schaut wieder nur zu

Ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggashandels quetscht sich normalerweise durch eine Meerenge, die an ihrer engsten Stelle kaum breiter ist als die Strecke von Hamburg nach Lübeck. Seit Ende Februar ist damit weitgehend Schluss. Nun heißt es aus Teheran, man stehe kurz vor einer Verständigung mit dem Nachbarn Oman über eine neue Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus. Man habe sich, so der Sprecher des iranischen Außenministeriums laut der Staatsagentur Irna, bereits auf geografische Koordinaten geeinigt, eine gemeinsame Erklärung sei nahezu fertig – vorausgesetzt, niemand funke mehr dazwischen.
Ein „neues Modell“ – oder schlicht eine Mautstelle für die Weltwirtschaft?
Aus Maskat kam zunächst keine Bestätigung. Und die Amerikaner sollen an den Gesprächen gar nicht beteiligt gewesen sein, was insofern konsequent ist, als der iranische Machtapparat gebetsmühlenartig betont, mit Washington nicht verhandeln zu wollen. Interessant ist, was hinter der diplomatischen Wortwahl steckt: Irans Vizeaußenminister räumte ein, es handle sich keineswegs um eine vollständige Wiedereröffnung, sondern um ein „neues Modell“. Übersetzt aus dem Diplomatendeutsch: Teheran möchte künftig kassieren. Eine Gebühr für Schiffe, die passieren – ein Vorhaben, das die USA vehement ablehnen.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Ein Regime, das seit Jahren mit Sanktionen überzogen wird, wäre am Ende dieses Krieges womöglich der Betreiber einer Mautstation für ein Fünftel des Weltenergiehandels. Ein strategischer Gewinn, wie er sich am Reißbrett kaum eleganter hätte entwerfen lassen.
Rundkurs statt freier Durchfahrt
Kolportiert wird eine Art Einbahnstraßenlösung: Schiffe sollen auf einer nördlichen Route in den Persischen Golf einlaufen und ihn südlich entlang der omanischen Küste wieder verlassen. Eine Übergangslösung, solange die vom Iran verlegten Seeminen geräumt würden. Der iranische Sprecher stellte allerdings gleich klar, dass eine Einigung noch keine sichere Passage garantiere – solange die amerikanische Blockade iranischer Häfen andauere. Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt: Die Meerenge bleibt ein Faustpfand.
Nach Informationen des US-Senders CNN taxierte ein hochrangiger Vertreter der Golfstaaten die Chancen auf einen zeitnahen Abschluss auf ein glattes Fifty-fifty. Das Problem sei banal und zugleich entlarvend: In der iranischen Delegation säßen keine Vertreter der Revolutionsgarden – jener Prätorianer, die am Ende jedes Detail absegnen müssten.
Trump zwischen Kriegsmüdigkeit und Zwischenwahlen
US-Präsident Donald Trump hatte noch am Dienstagabend Ortszeit eine mögliche Öffnung binnen zwei Tagen in Aussicht gestellt. Vor Anhängern in Las Vegas warb er erneut für einen Deal – er wolle lieber verhandeln, als Menschen zu töten. Konkretes zum Verhandlungsstand blieb er schuldig. Sein Vize gab sich im Interview mit Fox News zugeknöpfter und sprach von außerordentlich schwierigen Gesprächspartnern, einem zersplitterten System in Teheran, in dem es Kräfte gebe, die den Krieg beenden wollten, und solche, die ihn fortsetzen wollten. Es werde chaotisch, und es werde dauern.
Man befinde sich gewissermaßen mitten im Spiel und werde sämtliche militärischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Werkzeuge nutzen, die zur Verfügung stünden – so die Botschaft aus dem Weißen Haus.
Der zeitliche Druck ist offensichtlich. Am 3. November stehen die Zwischenwahlen an. Der ursprünglich auf wenige Wochen angelegte Feldzug dauert inzwischen rund fünf Monate. Die Umfragewerte des Präsidenten sind mau, die Verbraucherpreise steigen, und ein Krieg, der die Tankfüllung verteuert, ist bei keiner Wählerschaft der Welt beliebt. Verlieren die Republikaner auch nur eine Kammer, dürfte Trumps innenpolitische Agenda faktisch zum Erliegen kommen.
Und Deutschland? Ohne Plan, ohne Reserven, ohne Stimme
Während Washington, Teheran und Maskat um die Kontrolle über die Lebensader der Energieversorgung ringen, fällt auf, wie geräuschlos Berlin durch diese Krise stolpert. Ein Land, das seine Kernkraftwerke aus ideologischer Überzeugung abgeschaltet, seine energieintensive Industrie mit Abgaben und Auflagen zermürbt und sich zugleich in maximale Importabhängigkeit begeben hat, ist bei Konflikten dieser Größenordnung nichts weiter als Preisnehmer. Wer keine eigenen Kapazitäten hat, hat auch keine Stimme am Verhandlungstisch. Das ist keine Naturkonstante, sondern das Resultat politischer Entscheidungen der vergangenen anderthalb Jahrzehnte.
Dazu passt, dass die neue Bundesregierung ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auflegt und die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankert hat – finanziert auf Pump, obwohl der heutige Kanzler im Wahlkampf noch etwas ganz anderes versprochen hatte. Neue Schulden treffen auf importierte Energiepreisschocks. Man muss kein Volkswirt sein, um zu ahnen, wohin die Kaufkraft des Sparers dabei wandert.
Warum Sachwerte in solchen Phasen ihre Sprache sprechen
Historisch gilt eine simple Regel: Wenn Meerengen blockiert werden, Energie knapp wird und Notenbanken die Folgen mit billigem Geld glattbügeln, verliert Papiergeld an Substanz. In den Ölkrisen der 1970er Jahre war es nicht das Sparbuch, das Vermögen bewahrte. Physische Edelmetalle sind kein Renditeversprechen, sondern eine Versicherung gegen genau jene politischen Fehlkalkulationen, deren Zeuge wir gerade wieder werden – ein Anker im Portfolio, der weder von Revolutionsgarden noch von Parlamentsmehrheiten abhängt.
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