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Kettner Edelmetalle
14.04.2026
06:03 Uhr

Oettinger flüchtet in die Schweiz: Deutschlands Billigbier-Gigant kehrt dem Fiskus den Rücken

Oettinger flüchtet in die Schweiz: Deutschlands Billigbier-Gigant kehrt dem Fiskus den Rücken

Es ist ein Vorgang, der symptomatischer kaum sein könnte für den Zustand des Wirtschaftsstandorts Deutschland: Die Oettinger-Brauerei, einer der größten Bierproduzenten der Republik, verlagert ihr gesamtes Auslandsgeschäft in den Schweizer Kanton Zug. Nicht etwa, weil dort das Wasser besser schmeckt oder die Alpenluft dem Hopfen guttut – sondern weil die steuerlichen Bedingungen in Deutschland offenbar so erdrückend geworden sind, dass selbst ein Traditionsunternehmen aus dem bayerischen Oettingen lieber die Koffer packt.

Der Kanton Zug als neues Machtzentrum

Im Mittelpunkt der Neustrukturierung steht die im April 2024 gegründete Oe International AG mit Sitz in Zug. Diese Gesellschaft operiert formal unabhängig von der deutschen Oettinger Brauerei GmbH, soll aber künftig das komplette internationale Geschäft steuern. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein urbayrisches Unternehmen, das seit Jahrzehnten Millionen Hektoliter Bier für den deutschen Massenmarkt braut, organisiert seine Zukunft nun von der Schweiz aus.

Die Eigentümerfamilie Kollmar treibt diesen Kurs mit bemerkenswerter Konsequenz voran. Pia Kollmar halte die neue Struktur gemeinsam mit ihren Töchtern über eine deutsche Holding zusammen. Gleichzeitig werde die Schweizer Gesellschaft personell aufgerüstet – erfahrene Manager sollen dort Schlüsselpositionen im internationalen Vertrieb und in der strategischen Ausrichtung übernehmen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Gravitationszentrum des Konzerns verschiebt sich.

Ein Biermarkt im freien Fall

Der Zeitpunkt dieser Flucht kommt freilich nicht aus heiterem Himmel. Der deutsche Bierabsatz brach 2025 um satte sechs Prozent ein – der stärkste Rückgang seit Beginn der statistischen Erfassung. Deutschland, das Land der Braukunst und des Reinheitsgebots, trinkt immer weniger Bier. Für einen Massenproduzenten wie Oettinger, der traditionell über den Preis und nicht über Premiumqualität verkauft, ist das eine existenzielle Bedrohung.

Die Antwort des Unternehmens ist ambitioniert: Bis 2026 soll rund die Hälfte des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet werden. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassischen Bierexport. Oettinger setzt auf ein breiteres Getränkesortiment, eigene Marken und neue Repräsentanzen in Schlüsselmärkten wie China. Der Plan klingt nach Aufbruch – doch er findet eben nicht von Deutschland aus statt.

Steuerflucht mit Ansage

Besonders brisant ist, was interne Unterlagen über die wahren Motive der Verlagerung verraten. Dort werde als explizites Ziel die „Nutzung von Unterschieden in der Steuerquote durch Einbeziehung von Auslandsgesellschaften" genannt. Deutlicher kann man es kaum formulieren. Während deutsche Unternehmen unter einer der höchsten Steuerlasten der industrialisierten Welt ächzen, lockt der Kanton Zug seit Jahren internationale Holdings und Vertriebsgesellschaften mit attraktiven Konditionen.

Und wer könnte es Oettinger verdenken? Die deutsche Steuerpolitik hat über Jahre hinweg einen Rahmen geschaffen, der Unternehmen regelrecht aus dem Land treibt. Statt die Rahmenbedingungen zu verbessern, hat die Politik – allen voran die gescheiterte Ampelkoalition – lieber über Gendersprache und Klimaneutralität debattiert. Dass nun auch die neue Große Koalition unter Friedrich Merz mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Schuldenlast weiter in die Höhe treibt, dürfte die Standortflucht kaum bremsen. Im Gegenteil: Irgendjemand muss diese Schulden schließlich bezahlen – und das werden die verbliebenen Steuerzahler und Unternehmen sein.

Mitbestimmung unter Druck

Für die Belegschaft an den deutschen Standorten hat die Neuordnung noch eine weitere, höchst unangenehme Dimension. Nach internen Planungen solle der Umbau auch die Mitbestimmung „vereinfachen" und Beschränkungen bei der Unternehmensführung verringern. Übersetzt aus dem Managementsprech bedeutet das: weniger Einfluss für Betriebsräte, mehr Spielraum für die Eigentümerfamilie. Die Verlagerung strategischer Entscheidungen in die Schweiz entzieht den deutschen Arbeitnehmervertretern faktisch die Grundlage ihrer Mitsprache.

Braunschweig wird geschlossen, die Produktion konzentriert

Eine komplette Verlagerung der Bierproduktion ins Ausland sei zwar bislang nicht belegt. Dennoch schließt Oettinger sein Werk in Braunschweig und verschiebt die Produktionsmengen nach Oettingen und Mönchengladbach. Rund 150 Arbeitsplätze stehen dort auf dem Spiel. Die deutschen Werke bleiben also vorerst erhalten – aber ihr strategisches Gewicht schwindet rapide, wenn Vertrieb, Wachstum und Gewinnanteile zunehmend außerhalb Deutschlands organisiert werden.

Der Fall Oettinger reiht sich nahtlos ein in eine besorgniserregende Serie von Standortverlagerungen. Ob Stihl, das die Fertigung von Führungsschienen in die Schweiz prüft, oder die Automobilindustrie, die ihre Produktion immer weiter ins Ausland verlagert – das Muster ist stets dasselbe: Deutschland verliert an Attraktivität, und die Politik schaut tatenlos zu. Oder schlimmer noch: Sie verschärft das Problem durch immer neue Regulierungen, Steuern und bürokratische Hürden.

Ein Warnsignal, das niemand hören will

Was bei Oettinger geschieht, ist mehr als die Umstrukturierung einer Brauerei. Es ist ein Symptom für den schleichenden Niedergang des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Wenn selbst ein Billigbier-Hersteller – kein Hightech-Konzern, kein Pharma-Riese, sondern ein Unternehmen, das Bier für den Massenmarkt braut – seine strategische Zukunft lieber von Zug aus organisiert als von Bayern, dann sollten in Berlin sämtliche Alarmglocken schrillen.

Doch statt endlich die Unternehmenssteuern zu senken, die Bürokratie abzubauen und den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen, beschäftigt sich die Politik mit ideologischen Prestigeprojekten. Die Zeche zahlen am Ende die Arbeitnehmer, die ihre Jobs verlieren, die Kommunen, denen die Steuereinnahmen wegbrechen, und eine Gesellschaft, die zusehen muss, wie ein Traditionsunternehmen nach dem anderen das Weite sucht. Deutschland braut sich hier etwas zusammen – und es schmeckt bitter.

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