
Öl-Traum in der Arktis geplatzt: Grönland stoppt Trump-nahe Bohrfirma

Ein texanisches Öl-Unternehmen mit auffälligen Verbindungen ins Umfeld von US-Präsident Donald Trump muss seine Bohrpläne in Grönland verschieben. Auslöser: eine förmliche Verwarnung der grönländischen Regierung, weil Bohrausrüstung ohne die nötige Genehmigung an Land gebracht worden sein soll. Die Börse reagierte brutal.
Minus 44 Prozent an einem einzigen Tag
Die Greenland Energy Company, an der Nasdaq notiert, teilte mit, dass man nun einen Genehmigungsfahrplan für den Winter 2027 anpeile. Auch der Joint-Venture-Partner 80 Mile, in London gelistet, bestätigte die Verzögerung nach Gesprächen mit den Behörden.
Die Quittung kam prompt: Die Aktie von Greenland Energy schloss dem Bericht zufolge mehr als 44 Prozent im Minus, 80 Mile verlor über 20 Prozent. Ein Lehrstück darüber, wie schnell aus einer Rohstoff-Fantasie ein Kursdesaster wird.
Ausrüstung am falschen Ort – Behörden reagieren scharf
Im Zentrum steht die 80-Mile-Tochter White Flame Energy. Sie hatte Ausrüstung nahe dem Flughafen Nerlerit Inaat angelandet – jenem Verkehrsknoten, der als Tor zum Nordosten Grönlands gilt. Nach Angaben der Unternehmen bestand ein Mietvertrag über Lagerfläche; dass dafür zusätzlich die Rohstoffbehörde zustimmen müsse, sei ihnen nicht bewusst gewesen.
Die Regierung sah das anders. Beide Firmen erklärten gemeinsam, sie nähmen die Verwarnung „sehr ernst" und wollten künftig eng mit den Behörden zusammenarbeiten. CEO Robert Price gab sich staatsmännisch:
Operieren in der Arktis erfordert Geduld, Flexibilität und eine langfristige Perspektive.
Wer hinter dem Projekt steht
Pikant ist das politische Umfeld. Dem Bericht zufolge sitzt mit Carol Craig eine Unternehmerin im Verwaltungsrat, deren Rüstungs-Tech-Firma in ein Pentagon-Programm rund um Trumps Raketenabwehrprojekt „Golden Dome" eingebunden ist. Hinzu kommt ein Dokumentarfilm-Deal mit einer Medienfirma des TV-Psychologen „Dr. Phil" McGraw, der 2024 bei einer Trump-Kundgebung sprach. Aufsichtsratschef Larry Swets wird in Medienberichten Nähe zur US-Regierung nachgesagt – auf Nachfrage im Juni erklärte Price laut einem britischen Zeitungsbericht, davon wisse er nichts.
Der Zeitpunkt ist alles andere als zufällig. Seit Januar 2026 tobt die sogenannte Grönlandkrise: Trump forderte offen die Kontrolle über die Insel, Kopenhagen und Nuuk beharren auf der Souveränität des Königreichs Dänemark. Ein Sondergesandter für Grönland wurde in Washington installiert, parallel weitete die NATO ihre Präsenz in der Arktis aus.
2 Millionen Acres Hoffnung – und 21 Fehlschläge
Das Jameson-Land-Becken an der Ostküste umfasst rund zwei Millionen Acres. Greenland Energy, im März durch eine SPAC-Fusion entstanden, bewirbt es als eines der letzten völlig unangebohrten, hochaussichtsreichen Becken der Welt, geologisch verwandt mit der Nordsee.
Ein Analyst des Beratungshauses Wood Mackenzie bestätigt zwar das geologische Potenzial – erinnert aber daran, dass in Grönland bislang 21 Bohrungen niedergebracht wurden, überwiegend offshore, allesamt ohne Erfolg. Hunderte Millionen Dollar seien dabei verbrannt worden. Neue Lizenzen vergibt Grönland seit 2021 ohnehin nicht mehr.
Für Anleger ist die Lektion unbequem: Wo Geopolitik, Genehmigungsrecht und Permafrost zusammentreffen, kann ein einziger Behördenbrief die halbe Marktkapitalisierung kosten. Wer Vermögen krisenfest strukturieren will, setzt daher traditionell nicht auf Explorationsversprechen, sondern auf greifbare Werte – physisches Gold und Silber sind seit Jahrhunderten die nüchternere Antwort auf unsichere Zeiten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.

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