
Öl über 91 Dollar: DAX wackelt – und die Zinsen explodieren

Der deutsche Leitindex hat den Rückwärtsgang eingelegt. Am Dienstag rutschte der DAX unter die Marke von 26.275 Punkten und markierte ein Tagestief bei 26.119 Zählern. Am Mittwoch richten sich alle Augen auf Washington: Um 20:00 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht die US-Notenbank Fed das Protokoll ihrer Sitzung vom 28. und 29. Juli.
Ein Protokoll, das über Milliarden entscheidet
Entscheidend dürfte sein, wie die Notenbanker den Konflikt zwischen hartnäckiger Inflation und einem abkühlenden Arbeitsmarkt bewerten. Zuletzt hatten schwächere Jobdaten und moderatere Preisdaten die Sorge vor weiteren Straffungen gedämpft.
Doch das Protokoll könnte zeigen, wie einig sich der Offenmarktausschuss wirklich ist. Signalisiert die Fed anhaltende Inflationsrisiken, dürften die Renditen weiter steigen – und hoch bewertete Technologiewerte erneut unter Druck geraten.
Der Ölpreis kommt zurück – als Brandbeschleuniger
Genau hier taucht ein alter Bekannter wieder auf: der Ölpreis. Brent kletterte am Dienstag über 91 Dollar. Grund ist die angespannte Lage rund um Iran und die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports läuft. Medienberichten zufolge belastet das Auslaufen der jüngsten Waffenruhe die Märkte zusätzlich.
Für Verbraucher ist das keine Randnotiz. Teurer Diesel bedeutet teurere Transporte, teurere Transporte bedeuten teurere Regale. Der Inflationsdruck kommt also über die Hintertür zurück – ausgerechnet dann, wenn Politik und Notenbanken den Sieg über die Teuerung schon fast verkündet hatten.
Anleihemarkt: Das eigentliche Warnsignal
Noch alarmierender ist der Blick auf die Schuldenmärkte. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg zeitweise auf 5,33 Prozent – der höchste Stand seit 2007. Auch in Deutschland und Japan zogen die langen Laufzeiten kräftig an; Berichten zufolge lag die deutsche 30-jährige Rendite bei rund 3,78 Prozent.
Übersetzt heißt das: Staaten müssen für ihre Schulden so viel zahlen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wer in Berlin milliardenschwere Sondervermögen beschließt, sollte diese Zahlen sehr genau lesen. Denn der Zinseszins verhandelt nicht.
Was Charttechniker jetzt beobachten
Der Analyse zufolge entscheidet die Zone zwischen 26.100 und 26.000 Punkten, ob aus der Konsolidierung ein größerer Rücksetzer wird:
- Bullisch: Hält die Unterstützung, wären Anstiege bis 26.270 und zum Dienstagshoch bei 26.293 Punkten möglich, darüber bis 26.415 und in die Zone 26.500 bis 26.570.
- Bärisch: Fällt die 26.000er-Marke, rücken 25.895 sowie das 38,2-Prozent-Retracement bei 25.839 Punkten in den Fokus, im Extremfall 25.612 Punkte.
Bereits am Vormittag stehen zudem die endgültigen Verbraucherpreise der Eurozone für Juli an. Erwartet werden 2,9 Prozent Inflation und 2,5 Prozent Kerninflation. Größere Revisionen könnten die Zinserwartungen an die EZB verschieben.
Wenn Papierwerte zittern, glänzt das Beständige
Steigende Zinsen, ein neuer Ölschock, geopolitische Risiken: Für Aktienanleger ist das eine unbequeme Mischung. Gold hatte laut Medienberichten zuvor ein Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar erreicht und sich zuletzt wieder stabilisiert – ein Hinweis darauf, dass viele Anleger reale Werte suchen, wenn Vertrauen in Staatsanleihen bröckelt.
Physische Edelmetalle bleiben aus Sicht unserer Redaktion eine sinnvolle Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen – als Versicherung gegen genau jene Szenarien, die derzeit an den Märkten diskutiert werden.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung, Kauf- oder Handelsempfehlung dar. Wir betreiben keine Anlageberatung. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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