
Orbán an die UN-Spitze? Trumps Coup mit Moskau und Peking!

Ein Paukenschlag aus Washington: Die Trump-Regierung will Viktor Orbán, den im April abgewählten Ex-Premier Ungarns, offenbar zum nächsten Generalsekretär der Vereinten Nationen machen. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Quellen aus drei Ländern. Besonders brisant: Orbán soll als gemeinsamer Kandidat der USA, Russlands und Chinas antreten.
Der „Traumkandidat“ der MAGA-Bewegung
Hochrangige Vertreter der US-Regierung hätten Orbán die Idee nicht nur vorgetragen, sondern ihn ausdrücklich zur Bewerbung ermutigt, heißt es. Der 63-Jährige habe Interesse gezeigt. Entschieden sei aber noch nichts. Selbst ein Beamter des US-Außenministeriums soll dem Bericht zufolge eingeräumt haben, dass der Plan auf den ersten Blick verrückt klinge.
Doch dahinter steckt Kalkül. Ein US-Beamter bezeichnete Orbán als „Traumkandidaten der MAGA-Konservativen“. Begründet wird das mit seinem harten Kurs gegen Masseneinwanderung, gegen liberale NGOs und gegen linke Machtzentren in Justiz und Medien. Ein Diplomat eines anderen Landes soll gespottet haben: Die übrigen Bewerber seien vor allem „Sekretäre“, also Verwaltungsprofis. Orbán dagegen wäre ein „General“.
16 Jahre Macht und Dauerstreit mit Brüssel
Orbán regierte Ungarn von 2010 bis zu seiner Abwahl im April 2026. Das sind 16 Jahre am Stück und damit die längste Amtszeit eines Regierungschefs seit dem Systemwechsel. Schon von 1998 bis 2002 hatte er das Amt inne. Mit der EU-Kommission legte er sich immer wieder an, vor allem wegen seiner kompromisslosen Migrationspolitik.
Kritiker werfen ihm vor, die Kontrolle über Justiz und Medien ausgebaut zu haben. Gleichzeitig pflegte er enge Kontakte nach Peking und Moskau. Genau diese Mischung macht ihn jetzt zum möglichen Brückenbauer zwischen drei Vetomächten. Ausgerechnet der Mann, den Brüssel jahrelang als Störenfried behandelt hat, könnte also bald für 193 Staaten sprechen.
Die Machtarithmetik im Sicherheitsrat
Formell ernennt die Generalversammlung den Generalsekretär, und zwar auf Empfehlung des Sicherheitsrats. Dort braucht ein Kandidat mindestens neun der 15 Stimmen und darf von keiner der fünf Vetomächte blockiert werden. Aus Sicht Washingtons sieht es gut aus: Acht Stimmen gelten als ziemlich sicher, bis zu zehn als möglich. Öffentliche Zusagen gibt es allerdings nicht.
Entscheidend sind London und Paris. Großbritannien und Frankreich haben als ständige Mitglieder ebenfalls ein Vetorecht. Laut dem Bericht könnten beide darauf verzichten, falls die Mehrheit und die drei anderen Vetomächte geschlossen hinter Orbán stehen. Offizielle Stellungnahmen der beiden Regierungen gibt es bislang nicht.
Orbán will nur bei sicherem Sieg antreten
Der Ungar selbst zögert. Er sehe sich als nationalistischer Politiker nicht automatisch in der Rolle eines globalen Vermittlers, heißt es. Antreten wolle er nur, wenn ein Sieg realistisch sei. Den Bericht hat er bisher nicht kommentiert. Trump und Vizepräsident J.D. Vance hatten ihn schon im ungarischen Wahlkampf unterstützt. Sie würden ihm auch diesmal beistehen. Eine offizielle Ankündigung erwarten Beobachter erst nach den US-Zwischenwahlen.
Festgefahrenes Rennen, späte Konkurrenz
Das Auswahlverfahren steckt fest. Nach mehreren informellen Probeabstimmungen im Sicherheitsrat gibt es Medienberichten zufolge noch keinen klaren Favoriten. Vorne lag dabei mehrfach die Costa-Ricanerin Rebeca Grynspan. Lateinamerikanische Staaten sehen ihre Region an der Reihe. Erst vergangene Woche ist zudem die emiratische Diplomatin Lana Nusseibeh eingestiegen. Sie soll am Dienstag vom Sicherheitsrat befragt werden.
Die Zeit drängt, denn die Amtszeit von António Guterres endet am 31. Dezember. Für deutsche Beobachter hat das Verfahren eine besondere Note. Offiziell eingeleitet wurde es nämlich mit einem Schreiben von Annalena Baerbock, die heute Präsidentin der UN-Generalversammlung ist.
Weltpolitik ohne Europa
Egal, wie das Rennen ausgeht, eine Erkenntnis bleibt. Die großen Entscheidungen fallen in Washington, Moskau und Peking, nicht in Brüssel oder Berlin. Während die EU noch über Werte streitet, verhandeln die Großmächte über die Spitze der Weltorganisation. Europa bleibt dabei bestenfalls Zuschauer. Für Berlin ist das ein unbequemer Weckruf.
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