
Palmer bleibt in Tübingen: Absage an Özdemirs Kabinett-Träume

Es wäre eine der pikantesten Personalien der baden-württembergischen Landespolitik geworden – doch Boris Palmer hat dem Lockruf aus Stuttgart widerstanden. Der parteilose Oberbürgermeister von Tübingen hat Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir mitgeteilt, dass er sein Amt in der Universitätsstadt behalten werde. Kein Ministerposten, keine Rückkehr auf die große politische Bühne. Zumindest vorerst nicht.
Ein Querdenker, der seiner Stadt treu bleibt
Seit 2007 lenkt Palmer die Geschicke Tübingens – und das mit einer Mischung aus pragmatischem Verwaltungshandeln und provokanter Rhetorik, die ihm weit über die Stadtgrenzen hinaus Bekanntheit eingebracht hat. Einst saß er für die Grünen im Landtag, galt sogar als potenzieller Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nach Jahren parteiinterner Grabenkämpfe und öffentlicher Kontroversen, in denen Palmer immer wieder gegen den grünen Mainstream aneckte, verließ er 2023 die Partei. Ein Schritt, der konsequent war – und den viele Bürger ihm hoch anrechneten.
Dass Özdemir im Wahlkampf demonstrativ den Kontakt zu Palmer suchte, war ein taktisches Manöver, das man durchaus als Eingeständnis werten darf: Ohne pragmatische Köpfe wie Palmer fehlt den Grünen die Bodenhaftung, die sie bei einem wachsenden Teil der Bevölkerung längst verloren haben.
Die Bevölkerung wollte ihn – die Partei nicht
Besonders aufschlussreich ist eine aktuelle YouGov-Umfrage, die im Auftrag der dpa durchgeführt wurde. Demnach hätten sich 39 Prozent der Befragten im Südwesten eine größere Rolle Palmers in der Landespolitik gewünscht. Nur 18 Prozent sprachen sich explizit dagegen aus. Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis für einen Mann, der keiner Partei mehr angehört und von der grünen Basis teilweise regelrecht angefeindet wird.
Denn genau hier liegt das Problem. Während die Bevölkerung Palmer offenbar als erfrischend unideologischen Macher schätzt, herrschen innerhalb der Grünen weiterhin massive Vorbehalte. Co-Fraktionschefin Katharina Dröge machte unmissverständlich klar, dass sie Palmer nicht in einem möglichen Kabinett Özdemirs erwarte. Man habe genügend eigene Leute, so der Tenor. Sich selbst für einen Ministerposten ins Gespräch zu bringen, sei „selten hilfreich", ließ sie verlauten.
Man fragt sich unwillkürlich: Ist es den Grünen lieber, ideologisch reine Kader in Ministerien zu setzen, als einen Mann, den die Bürger tatsächlich in Verantwortung sehen wollen?
Versöhnliche Worte, aber keine Taten
Zwar hatten sowohl Özdemir als auch der scheidende Ministerpräsident Kretschmann versöhnliche Signale gesendet. Özdemir erklärte, er wünsche sich einen Weg, der Palmer eine Rückkehr ermögliche. Kretschmann nannte eine solche Rückkehr gar „schön". Doch zwischen wohlklingenden Worten und politischer Realität klafft bei den Grünen traditionell eine beachtliche Lücke. Der Eklat auf der Grünen-Wahlparty, bei dem die Grüne Jugend Palmer regelrecht vertreiben wollte, sprach Bände über den tatsächlichen Zustand dieser Partei.
Palmer hat mit seiner Absage womöglich die klügere Entscheidung getroffen. Als Oberbürgermeister von Tübingen kann er weiterhin konkret gestalten, ohne sich in den ideologischen Schützengräben einer Partei aufzureiben, die ihn zwar gerne als Aushängeschild nutzen würde, aber seine unbequemen Positionen nicht erträgt. Es ist ein Symptom unserer Zeit: Pragmatiker, die Probleme beim Namen nennen und Lösungen suchen statt Haltungsnoten zu verteilen, haben es in den etablierten Parteien zunehmend schwer. Dass ausgerechnet die Grünen einen ihrer fähigsten Kommunalpolitiker verloren haben und nun nicht einmal in der Lage sind, ihn zurückzuholen, sagt mehr über den Zustand dieser Partei aus als jedes Wahlprogramm.

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