
Panzer-Deal in Staatshand: Berlin kauft halb KNDS!

Der Bund steigt beim Leopard-2-Hersteller KNDS ein, und zwar mit der vollen Hälfte. Wie aus Regierungskreisen in Berlin verlautet, gibt es seit Donnerstag, dem 5. November 2026, eine grundsätzliche Einigung mit der deutschen Eigentümerfamilie Wegmann über den Kauf ihrer 50 Prozent. Damit läge einer der wichtigsten Rüstungskonzerne Europas künftig vollständig in den Händen zweier Staaten.
Der Fahrplan steht bereits. Medienberichten zufolge soll der Kaufvertrag noch im November unterschrieben werden, vollzogen werden soll das Geschäft im Dezember.
Auf Augenhöhe mit Paris
Die andere Hälfte von KNDS gehört schon heute dem französischen Staat. Der Konzern entstand 2015 aus dem Zusammenschluss des Münchner Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann mit dem französischen Hersteller Nexter. Aus seinen Werken kommen unter anderem der Kampfpanzer Leopard 2, der Schützenpanzer Puma und die Panzerhaubitze 2000.
Berlin wolle „auf Augenhöhe mit Frankreich“ stehen, heißt es aus Regierungskreisen. In einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss, über das mehrere Medien berichten, steht, dass der Bund mit 50 Prozent einen paritätischen Einfluss in den Gremien erhalte. Bei zentralen Fragen könne Deutschland damit nicht überstimmt werden.
Das Bundeswirtschaftsministerium spricht von einer wichtigen Entscheidung in einer Zeit, in der sich die Sicherheitslage in Europa stark verändere. Man wolle die Schlüsseltechnologie im gepanzerten Fahrzeugbau schützen und verhindern, dass Dritte einen dominierenden Einfluss auf die KNDS Deutschland gewinnen.
Vom Börsentraum zum Staatsbetrieb
Ursprünglich sah alles ganz anders aus. Geplant war einer der größten Börsengänge des Jahres, mit einer Doppelnotierung in Frankfurt und Paris. Deutschland und Frankreich sollten je 40 Prozent halten, 20 Prozent sollten an Investoren gehen. Im Gespräch war damals eine Bewertung von 18 bis 20 Milliarden Euro.
Dann kam die Ernüchterung. Anfang Juli wurde der Börsengang verschoben, offiziell wegen der „Volatilität des europäischen Verteidigungssektors“. Die Eigentümer hätten Investoren nicht einmal von einer Bewertung über 12 Milliarden Euro überzeugen können, wie damals berichtet wurde. Im September folgte die endgültige Absage. Rüstungsaktien hatten zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich an Wert verloren.
Was kostet der Spaß den Steuerzahler?
Genau hier wird es heikel. Im Juni hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags bis zu 7,2 Milliarden Euro bewilligt, damals nur für 40 Prozent. Aus einer Unterrichtung für das Gremium geht laut Medienberichten hervor, dass der Bund nun weniger zahlen werde als ursprünglich geplant. Wie viel genau, bleibt offen. Grundlage sei der Eigenkapitalwert im „aktuellen Bewertungsumfeld“.
Das klingt nach einem guten Geschäft. Bleibt nur die Frage, warum ausgerechnet Berliner Beamte den Wert eines Hightech-Konzerns besser einschätzen sollten als der Kapitalmarkt.
Strategisch richtig, ordnungspolitisch heikel
Dass Deutschland seine Panzerkompetenz nicht an ausländische Investoren oder an Paris verlieren will, ist nachvollziehbar. Wer in Zeiten des Ukraine-Kriegs die eigene Verteidigungsfähigkeit ernst nimmt, darf Schlüsselindustrien nicht dem Zufall überlassen.
Und doch bleibt ein Beigeschmack. Ein Familienunternehmen mit über hundertjähriger Tradition wandert in Staatshand, finanziert aus einem Haushalt, der schon heute unter Sondervermögen und neuen Schulden ächzt. Ordnungspolitiker dürften fragen, ob der Staat als Unternehmer wirklich die bessere Lösung ist. Die Erfahrungen mit Staatsbeteiligungen von der Lufthansa bis zur Commerzbank zeigen jedenfalls, dass ein solcher Ausstieg später selten reibungslos verläuft.
Die Familien Bode und Braunbehrens, die ihre Anteile über die Wegmann-Holding halten, äußerten sich bislang nicht. Klar ist: Mit dieser Einigung ist der Börsengang vorerst vom Tisch. Was bleibt, ist ein deutsch-französischer Staatskonzern. Der Steuerzahler zahlt die Rechnung und trägt künftig auch die Verantwortung.
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