
Peking greift nach Frankfurt: Deutsche Bank wird Renminbi-Drehscheibe

Am 10. August hat die chinesische Zentralbank People's Bank of China (PBoC) die Deutsche Bank zur offiziellen Clearingstelle für internationale Renminbi-Transaktionen ernannt. Erstmals übernimmt damit ein europäisches Geldhaus diese Rolle – und Frankfurt rückt ins Zentrum eines geopolitischen Machtspiels. Medienberichten zufolge geht es um nichts weniger als die Frage, wie Europa zwischen Washington und Peking überhaupt noch handlungsfähig bleibt.
Der Vorschlaghammer aus Washington
Der Zeitpunkt könnte kaum brisanter sein. Anfang August hatten die USA und Japan gemeinsam am Devisenmarkt interveniert, um den Yen von einem 40-Jahres-Tief zurückzuholen. Der Clou: Washington verkaufte dafür Euro-Bestände in Milliardenhöhe.
Berichten zufolge erfuhr die EZB davon erst im Nachhinein – in Frankfurt sprach man von einem beispiellosen Bruch der Gepflogenheiten. Man stützt also den engsten Partner in Asien und benutzt dafür die Währung der Europäer als Munition. Wer nach einem Lehrstück in Sachen "America First" gesucht hat, hier ist es.
Was das Clearing-Mandat konkret bringt
Für die Deutsche Bank ist der Auftrag ein handfester Vorteil. Als Clearingstelle erhält das Haus privilegierten Zugang zu Onshore-Liquidität in Renminbi und kann europäische Unternehmen direkt an Chinas Zahlungsinfrastruktur andocken – einschließlich des Systems CIPS, Pekings Alternative zum westlichen Zahlungsverkehr.
Die Vorteile für die Firmenkunden:
- Umwege über Offshore-Zentren oder chinesische Staatsbanken werden überflüssig
- Transaktionskosten sinken, Abwicklungen beschleunigen sich
- Der Finanzplatz Frankfurt gewinnt an Gewicht gegenüber London, Paris und Luxemburg
Ein Detail zeigt die Raffinesse des Schachzugs: Seit 2014 lag das Frankfurter Renminbi-Clearing bei der Bank of China. Nun setzt Peking auf ein europäisches Traditionshaus – das bei Unternehmen und Sparern naturgemäß deutlich mehr Vertrauen genießt als eine chinesische Staatsbank. Aus Sicht der Bundesbank, so heißt es, entstehe dadurch kein systemisches Risiko, sondern eher ein Standortvorteil.
Währungskolonialismus oder letzte Chance?
Kritiker warnen dennoch. Wer künftig Zahlungen am Dollarsystem vorbeileitet, gerät ins Visier amerikanischer Sanktionen – SWIFT bleibt ein scharfes Schwert, auch wenn Chinas Gegenprojekt "mBridge" Konturen gewinnt. Und dass Peking bei der Verteidigung eigener Interessen zimperlich wäre, lässt sich schwer behaupten: Die Drohung mit einem Exportstopp für Seltene Erden sitzt vielen Industrieunternehmen noch in den Knochen.
Auf der anderen Seite: Wer den Zug verpasst, steht am Bahnsteig. Sollte das chinesische Modell eines Yuan- und goldgestützten Finanzsystems tatsächlich funktionieren, wäre Europa Zuschauer statt Mitspieler.
Gold als stiller Anker der neuen Ordnung
Nicht zufällig kaufen große Notenbanken – allen voran die chinesische und die russische – seit Jahren im großen Stil Gold. Das Edelmetall schließt Vertrauenslücken dort, wo Papierversprechen politisch angreifbar geworden sind.
Alles deutet auf eine bipolare Finanzwelt hin: New York verteidigt seine Dominanz im Westen, Shanghai könnte zum Finanzkern der BRICS+-Gruppe aufsteigen. Europa hätte Kapitalkraft – nur wird sie nach Ansicht vieler Beobachter durch Überregulierung und klimapolitische Vorgaben zerrieben. Eine erkennbare Strategie für die neue monetäre Weltordnung fehlt in Brüssel bislang. Wer aufs eigene Vermögen achtet, denkt in solchen Umbruchphasen selten in Quartalen – sondern in Jahrzehnten. Physische Edelmetalle können in einem breit gestreuten Portfolio ein sinnvoller Stabilitätsanker sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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