
Pekings lukratives Gasgeschäft: China macht Kasse, während Asien unter der Energiekrise ächzt
Während der Nahe Osten in Flammen steht und die Straße von Hormus – jene lebenswichtige Arterie des globalen Energiehandels – faktisch blockiert ist, wittert Peking das große Geschäft. China verkauft in Rekordmengen Flüssigerdgas (LNG) weiter und profitiert dabei schamlos von der Not seiner asiatischen Nachbarn. Ein Lehrstück in geopolitischem Opportunismus.
Rekordmengen im März: Chinas LNG-Weiterverkauf auf Allzeithoch
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Allein im März soll China zwischen acht und zehn LNG-Lieferungen zum Weiterverkauf umgeladen haben – die höchste jemals verzeichnete monatliche Anzahl. Mehr als 660.000 Tonnen seien es gewesen, was mehr als einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspräche und den höchsten Wert seit 2017 markiere. Fast die Hälfte dieser Reexporte lief demnach über das CNOOC-Terminal Binhai in der Provinz Jiangsu.
Für das laufende Jahr summieren sich Chinas LNG-Umladungen bereits auf 1,31 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr waren es lediglich 0,82 Millionen Tonnen. Die Abnehmer? Vor allem Südkorea, das zehn von insgesamt 19 Ladungen erhalten haben soll, gefolgt von Thailand mit fünf Lieferungen. Der Rest ging an Japan, Indien und die Philippinen – allesamt Länder, die verzweifelt nach Ersatz für ausgefallene Gaslieferungen aus dem Nahen Osten suchen.
Schwache Binnenwirtschaft als Exportmotor
Wie ist es möglich, dass China derart große Mengen LNG abgeben kann, während andere Nationen händeringend nach Energie suchen? Die Antwort ist so simpel wie entlarvend: Chinas eigener Bedarf stagniert. Die schwächelnde Wirtschaftsaktivität drückt die industrielle Nachfrage, während gleichzeitig die heimische Gasproduktion steigt und die Pipelinelieferungen aus Russland zunehmen. Die Heizsaison sei vorbei und die Spotpreise attraktiv, so ein Analyst. Es sei für chinesische Käufer schlicht „sinnvoller" gewesen, das LNG im Ausland weiterzuverkaufen, statt es selbst zu nutzen.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Peking kauft günstig ein – nicht zuletzt dank langfristiger Verträge und russischer Pipeline-Deals – und verkauft teuer weiter. Ein Geschäftsmodell, das an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist, aber eben auch die Realität geopolitischer Machtverschiebungen widerspiegelt.
Asiens Energiepreise explodieren
Die Lage auf den asiatischen Energiemärkten ist dramatisch. Seit Kriegsbeginn Ende Februar sollen die asiatischen LNG-Spotpreise um 85 Prozent gestiegen sein. Die LNG-Lieferungen nach Asien sanken im März um 8,6 Prozent im Jahresvergleich auf rund 20,6 Millionen Tonnen – der stärkste Rückgang seit Dezember 2022. In Indien und China selbst fielen die Importe sogar um etwa ein Fünftel.
Die Konsequenzen sind verheerend. Bangladesch, Indien und Japan greifen wieder verstärkt auf Kohleverstromung zurück – ein klimapolitischer Offenbarungseid, der zeigt, wie schnell ideologische Träumereien an der harten Realität der Energieversorgung zerschellen. In Vietnam hat der Konzern Vingroup offenbar bei der Regierung beantragt, ein geplantes LNG-Kraftwerkprojekt durch erneuerbare Energien zu ersetzen – nicht aus Überzeugung, sondern weil LNG schlicht unbezahlbar geworden ist.
Ein Weckruf auch für Europa
Was sich derzeit in Asien abspielt, sollte auch in Berlin und Brüssel die Alarmglocken schrillen lassen. Deutschland hat sich nach dem selbstverschuldeten Abschied von russischem Pipelinegas in eine massive LNG-Abhängigkeit manövriert. Die teuren schwimmenden LNG-Terminals an der Nordseeküste, einst als Rettungsanker gefeiert, könnten sich als kostspielige Achillesferse erweisen, wenn die globalen Spotpreise weiter steigen und Lieferketten durch geopolitische Konflikte unterbrochen werden.
Chinas Verhalten offenbart einmal mehr, wie rücksichtslos Großmächte ihre energiepolitischen Vorteile ausspielen. Während der Westen sich in moralischen Debatten über Klimaneutralität und Energiewende verliert, handelt Peking pragmatisch – und verdient prächtig daran. Die Frage, die sich jeder deutsche Bürger stellen sollte, lautet: Wer schützt eigentlich unsere Energieversorgung vor solchen Verwerfungen? Die Antwort der vergangenen Jahre war jedenfalls wenig beruhigend.
In Zeiten derart massiver geopolitischer Unsicherheiten und explodierender Energiepreise zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Vermögenswerte. Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Schutz gegen Inflation, Währungsverwerfungen und geopolitische Krisen bewährt – und dürften auch in der aktuellen Lage als Stabilitätsanker in jedem breit aufgestellten Portfolio eine wichtige Rolle spielen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.
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