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Pirna-Fiasko: Neue Brücke ist schon vor der Eröffnung ein Sanierungsfall!

Pirna-Fiasko: Neue Brücke ist schon vor der Eröffnung ein Sanierungsfall!
Symbolbild: KI-generiert

Im sächsischen Pirna muss die neu gebaute Gottleubatalbrücke saniert werden, bevor auch nur ein einziges Auto darüber gefahren ist. Grund sind schwere Betonmängel, die im Frühjahr 2026 entdeckt wurden. Die für Ende Oktober 2026 geplante Freigabe der Südumfahrung ist damit geplatzt. Die 3,8 Kilometer lange Ortsumgehung kostet inzwischen 288,4 Millionen Euro, und frühestens 2027 soll sie fertig werden.

Hohlräume, wo Beton sein sollte

Die Brücke ist ein imposantes Bauwerk: 916 Meter lang und rund 70 Meter hoch. Bei fünf ihrer acht Pfeiler sind Pfeiler und Überbau starr miteinander verbunden. Genau an diesen heiklen Stellen wurde gepfuscht. Betroffen sind nach den vorliegenden Angaben vier sogenannte Stahlbetonvouten. Über sie werden große Teile der Lasten vom Überbau in die Pfeiler abgeleitet.

Laut der Projektgesellschaft DEGES soll die ausführende Arbeitsgemeinschaft beim Betonieren Schalungsmaterial nicht vollständig entfernt haben. Zurück blieben Hohlräume im Inneren der Bauteile. Untersuchungen mit Ultraschall und Radar hätten die Schäden bestätigt. Statische Berechnungen ergaben zwar keine unmittelbare Gefahr für die Standsicherheit. Trotzdem müssen die Lücken fachgerecht verfüllt werden. Sonst kann die Konstruktion ihre Aufgabe nicht vollständig erfüllen.

Erst Genehmigung, dann Beton

Typisch deutsch geht es dann weiter. Für die Reparatur braucht man einen speziellen Beton, und den darf man erst nach einer gesonderten Genehmigung des Bundes einsetzen. Zusätzlich muss die DEGES das Sanierungskonzept prüfen und freigeben lassen. Berichten zufolge können die Arbeiten deshalb frühestens 2027 beginnen. Einen verbindlichen Eröffnungstermin gibt es nicht. Spielt auch noch das Wetter nicht mit, rückt die Freigabe weiter nach hinten.

Die Bundesregierung führt die Schäden auf einen Ausführungsfehler der Arbeitsgemeinschaft zurück. Zu ihr gehören das deutsche Bauunternehmen BeMo Tunnelling und der tschechische Konzern Metrostav. Die direkten Sanierungskosten trage deshalb der Auftragnehmer, heißt es. Wie hoch sie ausfallen, ist noch unbekannt. Nach Angaben der DEGES sollen die genehmigten Gesamtkosten nicht steigen. Ob die längere Bauzeit am Ende doch Geld kostet, kann bislang aber niemand seriös sagen.

Von 36 auf 288 Millionen: eine Kostenexplosion

Die Betonpanne trifft ein Projekt, dessen Kosten schon vorher völlig aus dem Ruder gelaufen waren. 1999 rechneten die Planer mit umgerechnet rund 36 Millionen Euro. Beim Baustart 2017 waren es bereits 96,6 Millionen Euro. Die Kostenberechnung von 2025 kommt auf 288,4 Millionen Euro. Das sind rund 75,9 Millionen Euro pro Kilometer. Damit gilt die Südumfahrung als teuerste Ortsumgehung Deutschlands.

Allein die Nachträge summieren sich auf knapp 135 Millionen Euro. Die Bundesregierung nennt als Gründe unter anderem Probleme bei der Bauausführung, zusätzliche Leistungen und gestiegene Baupreise. Hinzu kamen Verzögerungen beim 315 Meter langen Kohlbergtunnel. Wegen schwieriger Geologie war der ursprünglich angepeilte Termin 2022 nicht zu halten. Nach Änderungen an der Ausführungsplanung der Brücke wurde auf 2026 verschoben. Jetzt ist auch dieser Termin hinfällig.

Pirna wartet und wartet

Gebaut wird an der neuen B 172n seit August 2017. Sie soll den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt der rund 40.000 Einwohner zählenden Stadt holen und die Anbindung an die A 17 verbessern. Ein westlicher Abschnitt ist seit Dezember 2022 befahrbar. Die eigentliche Entlastung bringt aber erst die komplette Strecke. So lange rollt der überregionale Verkehr weiter durch Pirna.

Die Pannenserie aus Tunnelgeologie, Planungsänderungen und Betonfehlern zeigt, wie es um den deutschen Infrastrukturbau steht. Während Berlin ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro auf Pump auflegt, stellt sich eine einfache Frage: Wer sorgt dafür, dass dieses Geld nicht genauso versickert wie in Pirna? Für die Steuerzahler wird aus einem 36-Millionen-Projekt eine Rechnung über fast 290 Millionen Euro. Und die Menschen in Pirna warten mindestens ein weiteres Jahr auf eine Umgehung, die seit Jahrzehnten geplant ist.

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06.10.2026
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