
Playmobil verlässt Deutschland: Das Ende einer fränkischen Industrieikone

Was einst als Stolz deutscher Ingenieurskunst und fränkischer Handwerkskunst galt, wird nun zum nächsten Opfer einer verfehlten Wirtschaftspolitik. Die Horst-Brandstätter-Group hat das endgültige Aus für die Playmobil-Produktion in Deutschland verkündet. Das Werk im fränkischen Dietenhofen wird geschlossen, rund 350 Beschäftigte stehen vor einer ungewissen Zukunft. Bis Ende Juni soll die gesamte Fertigung auf ausländische Standorte verlagert werden.
Eine Hiobsbotschaft für die Belegschaft
Die Mitarbeiter erfuhren von ihrem Schicksal in einer außerordentlichen Betriebsversammlung – eine Nachricht, die wie ein Schlag ins Gesicht gewirkt haben dürfte. Das Unternehmen kündigte zwar Gespräche mit dem Betriebsrat an und sprach von einer „sozialverträglichen Umsetzung". Auch die Einrichtung einer Transfergesellschaft wurde als Option genannt. Doch was bedeuten solche Worthülsen schon, wenn am Ende 350 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren?
Besonders bitter: Noch im Sommer 2023 hatte das Unternehmen Schließungspläne vehement dementiert. Auch Mitte des vergangenen Jahres wurden entsprechende Berichte zurückgewiesen. Nun die Kehrtwende – und das Vertrauen der Belegschaft dürfte endgültig zerstört sein.
Die wahren Gründe hinter der Flucht ins Ausland
Als offizielle Begründung führt die Unternehmensleitung eine „umfassende Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" an. Die Produktionskosten in Deutschland seien in den vergangenen Jahren derart gestiegen, dass eine wettbewerbsfähige Fertigung im Inland schlicht nicht mehr möglich sei. Man wolle die „Wettbewerbsfähigkeit der Marke Playmobil langfristig sichern" und die „wirtschaftliche Stabilität der Unternehmensgruppe gewährleisten".
Doch wer trägt die Verantwortung für diese explodierenden Kosten? Die Antwort liegt auf der Hand: Eine Politik, die deutsche Unternehmen mit immer höheren Energiepreisen, erdrückender Bürokratie und steigenden Abgaben belastet. Während andere Länder um Industrieansiedlungen werben, treibt Deutschland seine traditionsreichen Unternehmen systematisch außer Landes.
Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe
Die Gewerkschaft IGBCE sieht die Ursachen allerdings nicht ausschließlich bei den Standortbedingungen. Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner formuliert es deutlich:
„Die Verantwortung für jahrelanges Missmanagement soll nun erneut auf die Beschäftigten abgewälzt werden."
Krippner wertet den Schritt als endgültigen Abschied von der Fertigung in Franken. Die Entscheidung bedeute „nichts anderes als das Ende der Spielwarenproduktion am Standort Dietenhofen und damit das Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland". Besonders brisant: Die Horst-Brandstätter-Group habe einen solchen Schritt im Umstrukturierungsprozess „eigentlich ausgeschlossen". Der Vorwurf des Wortbruchs steht damit im Raum.
Ein Symptom des deutschen Niedergangs
Die Schließung des Playmobil-Werks ist kein Einzelfall, sondern reiht sich ein in eine erschreckende Serie von Produktionsverlagerungen und Werksschließungen. Von der Automobilindustrie über den Maschinenbau bis hin zur Spielwarenbranche – überall ziehen Unternehmen die Reißleine und verlagern ihre Fertigung ins kostengünstigere Ausland.
Was bleibt, sind leere Fabrikhallen, arbeitslose Menschen und die bittere Erkenntnis, dass Deutschland als Industriestandort zunehmend an Attraktivität verliert. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar versprochen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Doch für die 350 Beschäftigten in Dietenhofen kommen solche Ankündigungen zu spät.
Playmobil – einst ein Symbol für deutsche Qualität und fränkische Tradition – wird künftig im Ausland produziert. Ein weiteres Stück deutscher Industriegeschichte geht zu Ende. Und die Frage drängt sich auf: Wie viele traditionsreiche Unternehmen werden noch folgen, bevor die Politik endlich aufwacht?

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